Aktuell
Home | Lokales | „Eine Schikane für Radfahrer“
Die Umlaufsperre ist für Radfahrer ein Nadelöhr. Für Radler mit Anhänger wird es ziemlich kompliziert. (Foto: be)
Die Umlaufsperre ist für Radfahrer ein Nadelöhr. Für Radler mit Anhänger wird es ziemlich kompliziert. (Foto: be)

„Eine Schikane für Radfahrer“

Lüneburg. Der Radweg entlang des Lösegrabens wird viel genutzt. Eineinhalb Jahre ist es her, dass die Stadt den Abschnitt zwischen den Brücken Bockelmannstraße und Lünertorstraße mit wasserdurchlässigem Pflaster hergerichtet und damit für eine bessere Befahrbarkeit gesorgt hat. Zeitgleich wurde auch eine Umlaufsperre in Höhe der Unterführung der Bockelmannstraße eingebaut. Die sollte dafür sorgen, dass Radler, die die Rampe vom Schifferwall herunterfahren und in Richtung Reichenbachstraße unterwegs sind, nicht mehr mit hohem Tempo in die Unterführung fahren. Denn das hatte zu Unfällen geführt. Doch die Umlaufsperre sorgte bei Radlern und Politik für Kritik, weil sie eine barrierefreie Radwegenutzung verhindert. Im Verkehrsausschuss am Montag, 13. August, stellt die Verwaltung nun Alternativen zur vorhandenen Situation vor.

Zu zwei schweren Unfällen war es gekommen, weil jeweils ein Radfahrer die Rampe heruntergefahren war und mit einem Radler zusammenstieß, der aus Richtung Norden kommend den Weg befuhr. Nach Erörterung der Unfälle in der Verkehrsunfallkommission entschied sich die Verwaltung zum Einbau der Sperre als „geschwindigkeitsreduzierende Maßnahme“, heißt es in der Vorlage. Seither sei es zu keinen weiteren Zusammenstößen gekommen.

Alternativen zur Umlaufsperre prüfen

Aus Sicht von Ulrich Blanck, Sprecher der Jamaika-Gruppe, ist die Sperre (auch Drängelgitter genannt) allerdings „eine Schikane für Radfahrer“. Er und die verkehrspolitische Sprecherin Claudia Schmidt (Grüne) plädieren für eine barrierefreie Fahrt. Im vergangenen Dezember brachten die Jamaikaner deshalb im Rahmen der Beratungen zum Etat 2018 einen Änderungsantrag ein. Die Verwaltung sollte danach „bauliche Alternativen zur Umlaufsperre prüfen“ und diese dem Verkehrsausschuss bis zum 1. Juli diesen Jahres zur Umsetzung vorschlagen. Immerhin bis zu 60 000 Euro sollten dafür bereitgestellt werden, und zwar aus der Investitionsmaßnahme „Fahrradhaus Bahnhof“, die erst einmal geschoben ist.

Die Verwaltung schlägt nun folgende Alternativen vor: Die Rampe könnte zurückgebaut werden, eine neue weiter südlich entstehen. Die Umlaufsperre würde ausgebaut werden. Kosten: rund 51 000 Euro. Im Zuge dessen könnte auch eine durchgängige Pflasterung im Bereich der Unterführung unter der Bockelmannstraße erfolgen, derzeit besteht der Aufbau noch aus Asphalt und Betonplatten. Außerdem könnte die Unterführung eine Beleuchtung erhalten. Diese beiden Posten würden noch einmal mit 20 500 Euro zu Buche schlagen. Alles in allem: 71 500 Euro. Die hohen Kosten sind laut Verwaltung unter anderem auch darauf zurückzuführen, weil die Arbeiten am viel befahrenen Schifferwall stattfinden würden und die Höhenbegrenzung der Brücke zur Folge hat, dass nur mit kleinerem Baugerät gearbeitet werden kann, wodurch sich die Arbeitszeit verlängert.

Nadelöhr für Anhänger oder Lastenfahrräder

Erheblich billiger wäre es, wenn man die Umlaufsperre sozusagen auseinanderziehen würde. „Damit würde zwar beim Durchfahren weiterhin eine deutlich gedrosselte Geschwindigkeit ‚erzwungen‘, das Durchfahren wäre aber insgesamt komfortabler und flüssiger und darüber hinaus auch für Fahrräder mit Anhänger oder Lastenfahrräder möglich“, heißt es in der Vorlage zum Ausschuss. Die Kosten: 3000 Euro. Außerdem könnte bei dieser Variante auch eine Anregung von Prof. Dr. Peter Pez umgesetzt werden: großformatige, warnende Piktogramme auf der Fahrbahn.

Welche Variante umgesetzt wird, werde die Diskussion im Verkehrsausschuss ergeben, sagt Claudia Schmidt. „Die weitergehende Maßnahme ist zugegebenermaßen recht kostenintensiv. Wir müssen bei allen Maßnahmen genau hinschauen, welche Vorteile eine Investition in Bezug auf Schnelligkeit, Sicherheit und allgemeinen Komfort (Licht) für die Radfahrer bringt.“ Für sie ergeben sich aber auch noch einige Fragen: „Wie lange kam diese Stelle ohne Umlaufsperre aus? Trat eine erhöhte Gefährdung erst durch den neuen, schnellen Belag auf? Gab es an anderen Rampen auch Unfälle? Warum kann dort auf die Umlaufsperren verzichtet werden?“

Von Antje Schäfer

7 Kommentare

  1. Karsten Hilsen

    Die Radwegführung hat keinen Fehler.
    Diese Radverkehrs-Fürung /ist/ der Fehler.
    Fahrräder sind Fahrzeuge. Fahrzeuge fahren nach der StVo auf den Fahrbahnen.
    Von dieser Regel darf die Straßenverkehrsbehörde nur abweichen, wenn für die Fahrradfahrer ansonsten
    überragende Gefahren drohen.
    Dies ist bei dem Verkehrsweg vom Bahnhof über Bockelmannstr und weiter Richtung Hindenburgstr. überhautpt nicht ersichtlich.
    Diese Fahrradwege werden keineswegs für den Radverkehr angelegt, sondern ausschließlich im Sinne des /Auto/verkehrs.
    Sie widersprechen damit nicht nur den gesetzlichen Vorgaben, sondern auch den erarbeiteten und klar beschriebenen Zielen des Lüneburger Rates für eine ökologische und menschengerechte Verkehrspolitik.
    Da liegt der Fehler!
    Radwege gehören zum Konzept der Auto-gerechten Stadt!
    Bei einer Verkehrspolitik für alle Menschen gibt es keine Fahrbahnverbote für die menschen- und umweltfreundlichssteFahrzeugart.

  2. „Eine Schikane für Radfahrer“
    schikanen gibt es nicht nur für radfahrer in lüneburg genug.

  3. Das beste um Unfälle als Radfahrer zu vermeiden ist immer noch den eigenen Verstand einzuschalten. Wenn etwas unübersichtlich ist, runter mit der Geschwindigkeit, aufmerksam sein und die Klingel betätigen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber hat es dort nicht mal eine Beschilderung gegeben. Ich meine das man mit Gegenverkehr rechnen muss und die Fahrradklingel zu betätigen ist. Leider sieht man immer mehr Radfahrer mit Kopfhörer im Ohr die den Verstand ausgeschaltet haben.

  4. Jürgen Hempel

    Warum schwierig, wenn es einfacher geht ?: Die Weg ist breit genug, so dass mittig ein durchgängiges Geländer unter dem gesamten Brückenkörper gezogen werden könnte. Also Trennung der Fahradspuren. Diese noch zusätzlich mit Richtungspfeile in Weiß kennzeichnen. So hat jede Richtung seine eigene Straße.

  5. Werner Schneider

    Lüneburg ist per se auf das Auto ausgerichtet.Nur wenige Stellen sind fahrrad- und damit familinenfreundlich. Die Stadtverwaltung kriegt das einfach nicht hin. Dabei gibt es so gute Beispiele.

    • Lüneburg ist per se auf das Auto ausgerichtet.
      Wo? wie wäre es mit einem besuch bei kind am sande? ich habe meine daten nach adendorf zu kind schicken lassen, weil ich dort tatsächlich mit dem auto hinkommen kann.