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Gemeinsam mit 16 Studenten haben Eva Kern (l.) und Dr. Jane Brückner eine App weiterentwickelt, die Neuzugewanderten bei Fragen jeglicher Art helfen soll. (Foto: t&w)
Gemeinsam mit 16 Studenten haben Eva Kern (l.) und Dr. Jane Brückner eine App weiterentwickelt, die Neuzugewanderten bei Fragen jeglicher Art helfen soll. (Foto: t&w)

Integration via App

Lüneburg. In Usbekistan geboren und in Afghanistan aufgewachsen, ist Waliullah Ahadi 2016 nach Deutschland gekommen. Heute ist der junge Mann jemand, den man al s integriert bezeichnen würde. Er hat zwei Deutschkurse an der Leuphana Universität absolviert und arbeitet mittlerweile bei einer Firma, die Autoteile produziert. Doch bis zu diesem Punkt musste Ahadi viele Hürden überwinden, vor allem solche, die die mangelnden Sprachkenntnisse betreffen. „Man kann seine Probleme nicht allein lösen, der Anfang ist für alle Flüchtlinge sehr, sehr schwer“, erzählt er und nennt etwa Termine bei der Ausländerbehörde, beim Sozialamt oder Arzt als Beispiel. Um Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, vor allem in der Anfangszeit unter die Arme zu greifen, haben Studenten der Leuphana Universität ein Konzept für eine App entwickelt. Sie soll die Integration erleichtern.

„Komm.Mit“ basiert im Wesentlichen auf einem Ticketsystem, das Geflüchtete und Bürger zusammenbringt, die in ihrer Freizeit gern helfen. Das sieht in der Praxis so aus: Jemand schreibt eine Anfrage, in der er sein Problem beschreibt. Eine andere Person, die vielleicht über die nötige Expertise verfügt, entdeckt diese und nimmt sich dem Anliegen an. Den Vorteil an diesem System sehen die jungen Entwickler darin, dass es in beide Richtungen funktioniert. So kann nicht nur ein Geflüchteter, der etwa wissen möchte, welche Fußballvereine es in Lüneburg gibt, ein sogenanntes Ticket schreiben. Auch Lüneburger, die zum Beispiel regelmäßig joggen gehen und noch Laufpartner suchen, können das via App mitteilen und auf Rückmeldungen warten.

Menschen nicht überfordern

Eine gänzlich neue Anwendung soll „Komm.Mit“ nicht sein. Die Studenten wollen sich eine App zunutze mache, die erst vor kurzem Lüneburg erreicht hat. Auch setzte sich im Seminar die Meinung durch, dass ein zweites Angebot die geflüchteten Menschen eher überfordern könnte. So ist das Konzept als Erweiterung der App „Integreat“ gedacht, die sich als mobiler Alltagsguide für Neuzugewanderte versteht und relevante Informationen in der jeweiligen Landessprache des Nutzers generiert.

Seminarleiterin Dr. Jane Brückner: „Die Idee sah vor, einen Mehrwert für dieses kleine Nachschlagewerk zu schaffen und es zu einem Kommunikations- und Interaktionstool weiterzuentwickeln.“ Bei einer Anfrage an das Integreat-Team sei man auch auf großes Interesse gestoßen. Nur seien die zeitlichen und finanziellen Ressourcen für einen solchen Schritt zurzeit nicht gegeben. Deshalb sind die Studenten, die ihr Konzept frei zur Verfügung stellen, auf Hilfe angewiesen (siehe Infobox).

Kurzfristige Lösungen

Auch Eva Kern, sie engagiert sich bei der Willkommensinitiative, hofft, dass sich „Komm.Mit“ in Lüneburg durchsetzt. Die 30-Jährige, die gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen Sprachprojekte, regelmäßige Treffen, eine Hausaufgabenhilfe und Unterstützung bei Behördengängen anbietet und das Seminar als Praxispartnerin begleitet hat, sieht in dem System vor allem den Vorteil, kurzfristige Lösungen herbeiführen zu können. „Im Gegensatz zu Beratungsstunden ist das ein niedrigschwelliger Zugang, aus dem sich schnelle und ungezwungene Antworten ergeben können“, sagt sie. „Jemand, der immer schon gern ehrenamtlich tätig sein wollte, beruflich aber sehr eingespannt ist, kann abends mal in die App gucken und so helfen.“ Kern glaubt, dass die Handy-App auch die Willkommensinitiative in Lüneburg entlasten könnte. „Kleine Anfragen, die zu Vielfachem kommen, nehmen viel von der Zeit in Anspruch, die wir gern schwierigen Fällen wie etwa der Wohnungssuche widmen würden.“

Mit Waliullah Ahadi hat „Komm.Mit“ zumindest schon mal einen Nutzer. „Man lernt dann einfacher Leute kennen, es in die App reinschreiben, wenn man beim Arzt einen Termin hat und Unterstützung braucht.“

Auf Hilfe angewiesen

Programmierer gesucht

Für die Idee, mit dieser weiterentwickelten Anwendung ein Pilotprojekt in Lüneburg zu starten, benötigt das Team finanzielle wie personelle Unterstützung. So bräuchte es etwa einen Programmierer, der die technischen Möglichkeiten dafür schaffen kann. Den Kontakt gibt es über Jane Brückner unter Jane.brueckner@leuphana.de.

Von Anna Paarmann