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Als das Scharnebecker Schiffshebewerk gebaut wurde, war es das größte Doppel-Schiffshebewerk der Welt. Bis heute fasziniert es die Menschen aber nach wie vor. (Foto: Behns)
Als das Scharnebecker Schiffshebewerk gebaut wurde, war es das größte Doppel-Schiffshebewerk der Welt. Bis heute fasziniert es die Menschen aber nach wie vor. (Foto: Behns)

Faszination Schiffshebewerk

Scharnebeck. Nervös tritt Ana-Lena Pitzke vom einen auf das andere Bein. „Ich habe ein bisschen Höhenangst“, flüstert die Zehnjährige beim Blick auf das 38 Meter hohe Schiffshebewerk in Scharnebeck. Sie will es trotzdem wagen: die Bootsfahrt durch den Schiffsfahrstuhl. Gemeinsam mit ihrer Freundin Cayenne Möbius und ihren Großeltern Birgit und Manfred Steffen wartet die junge Berlinerin am Anleger auf das Fahrgastschiff „Herzog von Lauenburg“ und das Kommando „Leinen los“ zur Infofahrt durch das Hebewerk.

Das Mädchen aus der Großstadt verbringt ihre Ferien bei den Großeltern in Schwarzenbek – eine Besichtigung des Schiffshebewerks inklusive. „Wir waren schon häufiger hier, vielleicht drei oder vier Mal. Und jedes Mal, um unseren Gästen das Hebewerk zu zeigen. Die ganze Anlage ist faszinierend“, sagt Birgit Steffen. Für die Mädchen ist es der erste Besuch am Schiffshebewerk und auch sie sind begeistert: „Einfach krass“, versucht Ana-Lena Pitzke ihre Faszination zu beschreiben. „Es geht hoch und runter wie ein Fahrstuhl, das finde ich interessant“, sagt die elfjährige Cayenne Möbius.

13 800 Gäste das Informationszentrum

600 Meter südlich studiert Anneke Zeiler eine Schautafel mit der Aufschrift „Planung einer neuen Schleuse Lüneburg in Scharnebeck“. Die Holländerin und ihr Mann sind das erste Mal in Scharnebeck – eher zufällig, wie sie sagt. Eigentlich zog es die Niederländer mit ihrem Zeltwagen nach Hameln, „aber dort kann man nicht gut Fahrrad fahren“, und so führte ihr Weg weiter auf einen Campingplatz nach Bleckede. „Unsere Campingnachbarn waren schon hier und haben uns das Hebewerk empfohlen“, erklärt Zeiler.

Wie das Ehepaar Zeiler besuchten, laut Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) in Uelzen, im Jahr 2017 rund 13 800 Gäste das Informationszentrum. Die Anzahl der Besucher, die das Hebewerk selbst in Augenschein nahmen, dürfte deutlich höher sein. In alten Zählungen ist von 500 000 Besuchern jährlich die Rede, doch aktuelle Zahlen gibt es nicht.

Dass das Schiffshebewerk nach wie vor fasziniert, weiß Jörg Perleberg, der dort Führungen und Eventreisen organisiert. „Die Besucher sind jung und alt, kommen aus Deutschland und der ganzen Welt“, sagt er und berichtet von japanischen Reisegruppen, Schulausflügen, Gemeindefahrten und jüngst der Seniorensportgruppe des VFL Wolfsburg „Es war zur Bauzeit das größte Doppel-Schiffshebewerk der Welt, das wollen die Leute sehen. Es werden sehr viele Führungen gebucht, weil die Menschen das Bauwerk besser greifen möchten“, erklärt er.

Dem monströsen Bauwerk näher kommen

Ob im Informationszentrum, auf der Aussichtsplattform oder im Schiff – jeder Besucher scheint vor allem eines zu wollen: dem monströsen Bauwerk ein bisschen näher zu kommen. Auch Anne Spengler und ihre Mutter Annemarie Spengler sind gespannt auf einen Blick hinter die Kulissen. „Das ist eine kleine Bespaßung für Oma“, sagt Anne Spengler und zwinkert ihrer Mutter zu. Auch sie wollen mit dem Schiff durchs Hebewerk, sind dafür aus Winsen angereist. Der „Herzog von Lauenburg“ hat inzwischen angelegt. Sofort stürmen Ana-Lena Pitzke und Cayenne Möbius auf das Schiffsdeck und sichern sich die vordersten Plätze. Anne Spengler und ihre Mutter lassen es dagegen ruhig angehen: erstmal ein Kartoffelsalat mit Würstchen.

Mehrmals die Woche fährt das Schiff unter dem Kommando von Kapitän Harald Geffke durch das Hebewerk. Seit 11 Jahren fährt er diese Touren und weiß, „rund 85 Prozent der Touristen wollen zum Schiffshebewerk fahren. Ich denke, es ist die Technik, die sie fasziniert“, sagt er. Wie sensibel das Wechselspiel aus Technik, Mechanik und Naturkraft ist, zeigt sich wenig später: Ein Tor im Hebewerk lässt sich nicht öffnen, die Techniker müssen kommen und die Fahrt verschiebt sich. „Das ist ja ein Ding“, findet die 83-jährige Annemarie Spengler und pickt das letzte Stück Würstchen auf die Gabel. Nun heißt es warten. Zu lange für die Spenglers. „Aber wir kommen wieder und dann bekommt Mutti nochmal Kartoffelsalat mit Würstchen“, sagt die Winsenerin und lacht.

Von Anke Dankers