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Heinrich Küster (82) auf seiner Tour mit der Tonne, um den neuen Müllsammelplatz am Anfang der Straße zu erreichen. (Foto: phs)
Heinrich Küster (82) auf seiner Tour mit der Tonne, um den neuen Müllsammelplatz am Anfang der Straße zu erreichen. (Foto: phs)

Die Müllmisere vom Eichhörnchenweg

Hohenbostel. Hans-Joachim Weber stinkts gewaltig. Erst waren da nur ein paar große Steine, die am Ende seiner Straße den Zugang zum angrenzenden Feldweg versperrt haben, später eine Schranke und ein Schild, das den Eichhörnchenweg zur Sackgasse ohne Wendemöglichkeit erklärte. Irgendwann dann kam ein Brief vom Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Uelzen. In dem es hieß, die Müllfahrzeuge könnten nicht mehr auf dem abgesperrten Feldstück wenden und man werde am Anfang der Straße einen Tonnenstellplatz einrichten. Seitdem hängt in Hohenbostel der Haussegen schief.

60 Meter mit gelben Säcken oder vollen Tonnen

Das Problem: „Viele, die hier leben, sind schon älter“, erklärt Anwohner Heinrich Küster, selbst 82 Jahre alt. Er geht mit Handstock und jede Woche graut ihm und seiner Frau vor den 50, 60 Metern, die sie mit gelben Säcken oder vollen Tonnen bis zum Sammelplatz bestreiten müssen. „Nachbarschaftshilfe schön und gut“, sagt Weber. „Aber wenn ein 76-Jähriger einer 94-Jährigen beim Tragen helfen muss, ist das verkehrt.“ Das koste ja auch Zeit, gibt Nachbar Bastian Küster zu bedenken. Der 34-Jährige hilft Webers Frau beim Schleppen der Mülltonnen und -säcke, wenn ihr Mann mal nicht zu Hause ist. Sie fragt sich auch: „Bei Eis und Schnee: Sollen wir da hinrutschen mit dem Müll?“ Und Reinhard Bodem von gegenüber bedauert zudem den Wegfall des Feldweges, einer beliebten Abkürzung zur Niendorfer Hauptstraße auch für Reiter und Radfahrer.

„Das lassen wir uns nicht gefallen!“ Hans-Joachim Weber, Anwohner

Der Eigentümer des Feldes, der in der Zeitung nicht mit Namen genannt werden möchte, erklärt gegenüber der LZ, er bedauere, dass die Straßenbewohner diese Probleme mit der Absperrung hätten. „Aber das ist privates Eigentum und wir wollen das so nicht mehr.“ Dort sei zuvor von Unbekannten eine Menge Müll – von Autoreifen bis zum Grünschnitt – abgeladen worden. Zudem wolle man den vorderen Teil hinter der Schranke nun auch bewirtschaften. Auf dem Feld wird Kartoffelanbau betrieben. „Die Gemeinde selbst war auch gewillt, ein Stück anzukaufen oder anzupachten, um dort offiziell einen Wendeplatz zu machen, aber auch das möchten wir nicht.“

Das bestätigt auch ein Brief, den Bürgermeister Dr. Merlin Franke den Anliegern Anfang des Monats zukommen ließ, um Missverständnisse auszuräumen. Die Verwaltung habe ihr Möglichstes getan, um die bestmögliche Lösung zu finden. Mit dem Kompromiss sollten jetzt der AWB und auch die Anlieger leben können.

Rückwärtsfahren muss vermieden werden

Seit 15. Juni also fahren die Müllfahrzeuge zirka 150 Meter rückwärts in den insgesamt 300 bis 350 Meter langen Weg hinein – bis zur Hausnummer 6. „Die Müllfahrzeuge können dann vorwärts den Eichhörnchenweg wieder verlassen und gefahrlos in den Seyerberg einbiegen“, erklärt Landkreis-Pressesprecher Martin Theine. „Aus Unfallverhütungsgründen und aufgrund berufsgenossenschaftlicher Vorgaben muss jegliches Rückwärtsfahren der Fahrzeuge bis auf ein Mindestmaß vermieden werden.“ Alternative Lösungen gebe es nicht.

Das hat der AWB auch den Bewohnern des Eichhörnchenwegs mitgeteilt. Weber aber ließ nicht locker, machte eine Begehung der Straßen in Bienenbüttel und wies den Betrieb per Brief auf mehrere Sackgassen hin, in die die Müllfahrzeuge entweder rückwärts oder vorwärts hineinfahren. Dagegen sei der Eichhörnchenweg aus seiner Sicht noch eine „Paradestraße“. Der AWB teilte ihm in einem Brief mit, man werde diese Straßen im Rahmen einer Überprüfung aller Rückwärtsfahrten im Landkreis Uelzen unter den gleichen sicherheitsrelevanten Vorgaben prüfen und entsprechende Maßnahmen umsetzen. Den Sammelplatz könne man aber nicht aufheben. Für Weber kein zufriedenstellendes Ergebnis. Er will sich nun juristische Unterstützung suchen. „Das lassen wir uns nicht gefallen!“

Von Anna Petersen