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Störche können nicht schwitzen, sie hecheln, um die Hitze zu ertragen. Ab 30 Grad koten sie sich zur Abkühlung außerdem ein. (Foto: H. Horn)
Störche können nicht schwitzen, sie hecheln, um die Hitze zu ertragen. Ab 30 Grad koten sie sich zur Abkühlung außerdem ein. (Foto: H. Horn)

Hecheln gegen die Hitze

Lüneburg. Vor einem Jahr kämpfte die Störche mit den Folgen des Dauerregens. Dieses Jahr ist es die andauernde Hitze, die Tier und Mensch zu schaffen macht. Kein berauschendes Jahr für die Weißstörche, da sind sich die Storchenbeauftragten im Landkreis Lüneburg Helmut Eggers und Hubert Horn einig.

Zahl der Brutpaare und Jungen sinkt

„Die Bilanz fällt ähnlich wie im letzten Jahr aus“, sagt Eggers, „der Bestand ist eher mittelprächtig.“ 47 Brutpaare zählte der Storchenbeauftragte rechts der Elbe, zwei weniger als im Vorjahr. Dadurch gab es auch nur 84 Jungtiere – 2017 hatten 88 Jungstörche das Nest verlassen. Relativ viele Paare haben laut Eggers zwei Junge, in guten Jahren seien es aber drei. Dieses Jahr gebe es sogar viele Brutpaare ohne Nachwuchs. Alles sei noch im Rahmen, trotzdem: „Zufrieden sieht anders aus.“

LZ-Leserin Wibke Gäthke hat dieses durstige Eichhörnchen fotografiert – auch im andere von einer Wassertränke zu überzeugen. (Foto: Wibke Gäthke)
LZ-Leserin Wibke Gäthke hat dieses durstige Eichhörnchen fotografiert – auch im andere von einer Wassertränke zu überzeugen. (Foto: Wibke Gäthke)

„Leicht unzufrieden“ ist auch sein Kollege Hubert Horn, der sich seit 1992 mit seiner Frau Gundhild um den linkselbischen Storchenbestand kümmert. „Die diesjährige Jungzahl beträgt nur 15 Prozent des Fünf-Jahres-Schnitts“. In Zahlen: 37 Brutpaare und 51 Junge. Das sind auch links der Elbe zwei Brutpaare und gleich fünf Jungtiere weniger als im Vorjahr. „Die Zahl kann sich jetzt nur noch mehr vermindern“, sagt Horn. Bei ihm sehe es noch schlechter aus als bei Eggers: nur 1,62 Junge habe jedes Brutpaar im Schnitt, sein Wunschschnitt von 1,8 Junge pro Brutpaar liegt damit noch deutlich unter dem Wert, den Helmut Eggers vermelden konnte. Links der Elbe gebe es bisher zudem 19 Verluste, Horn: „Die Jungstörche werden krank, aus dem Nest gestoßen oder verhungern.“

Keine Regenwürmer bei der Hitze

Letzteres liege vor allem an den hohen Temperaturen, weiß Eggers, das Futter werde knapp. „Durch die Hitze fallen die Regenwürmer als Nahrung schon mal weg“, sagt Horn. Die seien für die jungen Störche aber gerade in der Anfangszeit wichtig, da die Würmer nicht zerkleinert werden müssten. Doch die Hitze sei nicht nur wegen des knappen Futters ein Problem: „Störche können nicht schwitzen. Um sich abzukühlen, koten die Tiere sich ab 30 Grad sogar selbst ein.“ Eine weitere Methode zum Abkühlen sei es, mit offenem Schnabel im Stehen zu hecheln. „Für keinen ein gutes Wetter“, sagt Eggers, „wir könnten jetzt alle Regen vertragen.“

Die ersten sind schon losgeflogen

Links der Elbe seien zwar schon einige der Jungen flügge, in den Süden seien sie allerdings noch nicht unterwegs – „zudem unsere Störche auch hauptsächlich Ostzieher sind: Ihre Ziele sind die Türkei, Israel oder Nordafrika“, sagt Horn. Rechts der Elbe seien die ersten schon losgeflogen, sagt Helmut Eggers, „die letzten werden dann Mitte August aufbrechen.“

„Bestandszahlen für ganz Niedersachsen gibt es deshalb auch erst Ende August“, sagt Wilfried Glauch von der Landesfachgruppe Weißstorchschutz des Nabu Niedersachsens. „Gerade wegen des knappen Futters müssen wir bis dahin noch mit einigen Verlusten rechnen.“

Tipps von der Expertin

Wildtiere brauchen unsere Hilfe

Auch anderen Wildtieren bereitet die Hitze extreme Probleme. „Wir hatten noch nie so viele unterversorgte Jungtiere wie gerade“, sagt Diana Erdmann von der Wildtierhilfe Lüneburger Heide: „Ein Storch, Vögel und wahnsinnig viele Eichhörnchen – die Tiere kommen abgemagert und teilweise mit Fliegeneiern übersät zu uns.“ So etwas habe die Vorsitzende in ihren rund 20 Jahren im Verein noch nicht erlebt, „das Wetter macht allen zu schaffen.“

Um als Privatperson den Tieren zu helfen, empfiehlt Erdmann mit Vogelfutter zuzufüttern und Wasserschalen aufzustellen, „da können sich dann auch die Eichhörnchen mitversorgen.“ Wer ein Wildtier in Not findet, soll sich zunächst an die Polizei oder den zuständigen Jagdpächter wenden. Notfälle können täglich von 8.30 bis 16 Uhr und nach Absprache in der Station, Emhof 1, in Soltau abgegeben werden. Kontakt: Diana Erdmann, (05190) 984 95 99.

Von Maribel Graf