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Das Gebäude, in dem unter anderem eine Bowlingbahn und ein Matratzengeschäft untergebracht waren, verschwindet. 58 neue Wohnungen entstehen hier. (Foto: be)

Der hässliche Klotz verschwindet

Lüneburg. Was auf der anderen Straßenseite beim abgebrannten Imbiss durch einen langwierigen Gerichtsstreit noch in weiter Ferne scheint, nämlich die Beseitigung eines Schandflecks mit der Chance zur modernen Neugestaltung, deutet sich nun an der Lindenstraße/Ecke Barckhausenstraße schon deutlicher an: Das Rote Feld erhält vom Handwerkerplatz aus ein neues Entrée, der Mitte der 70er-Jahre errichtete Gebäudeklotz verschwindet und macht einem sich ins bauliche Umfeld einpassenden Wohnkomplex Platz. Der Eigentümer kann sich nun den Zeitpunkt für den Abriss aussuchen, Ann-Cathrin Behnck von der Pressestelle der Stadt bestätigt: „Eine Genehmigung der Stadt braucht er dafür nicht. Jedoch hat er jetzt im Juli den beabsichtigten Abbruch des Gebäudes angezeigt.“

Die Pressesprecherin sagt auch: „Für das Grundstück Lindenstraße 30, auf dem sich das ehemalige Bowlingcenter befindet, ist die Stadt dabei, einen Bebauungsplan aufzustellen. Der Vorentwurf dazu liegt vor.“

58 Wohnungen sollen entstehen

Ein Investor hatte das Grundstück 2016 gekauft und das Rotenburger Büro Lohmann Architekten mit der Planung beauftragt. Architekt Jürgen Lohmann hatte nach gemeinsamen Überlegungen mit der Stadt seine Ideen im November 2017 im Lüneburger Bauausschuss vorgestellt (LZ berichtete), Politiker sehen darin eine Attraktivitätssteigerung für diesen Bereich.
„Beim Grundkonzept ist es geblieben“, äußerte Lohmann jetzt gegenüber der LZ. Entstehen sollen 58 Wohnungen in einem Komplex aus miteinander verbundenen Häusern, bei denen unterschiedliche Fassaden für ein lebendiges Bild sorgen sollen. Sowohl an der Linden- wie auch an der Barckhausenstraße ist eine viergeschossige Bauweise vorgesehen. Die Wohnungen im Erdgeschoss erhalten kleine Vorgärten.

Ein geschichtsträchtiger Ort

In dem Karree Lindenstraße/Barckhausenstraße stand einst die Sporthalle des Männer-Turn-Vereins (MTV) mit ihren markanten Türmen. Das Gebäude war 1880 errichtet worden, seine Türme nutzte die Feuerwehr, denn der MTV war die Keimzelle der Lüneburger Brandbekämpfer. Im Gebäude fand 1945 der erste Kriegsverbrecherprozess nach Ende des Zweiten Weltkrieges statt.

Wachleute des Konzentrationslagers Bergen-Belsen mussten sich für ihre Morde und andere Gräueltaten verantworten. Nach dem Abriss 1976, aus heutiger Sicht ein Frevel, entstand der unansehnliche Klotz. Das Bowlingcenter schloss 2016, zuvor war der Matratzenmarkt ausgezogen, Bäckerei und Sonnenstudio folgten.

Der Eckbereich an der Kreuzung bietet einen Durchgang zum Innenhof in Form eines Torhauses. Hier soll ein dreigeschossiges Gartenhaus seinen Platz finden, dessen Sockelbereich gemauert und dessen Fassade mit hellem Putz versehen wird – ebenso wie die Sockel und Fassaden der Gebäude an den Straßenseiten. Der Plan sieht auch eine Tiefgarage vor, die Zufahrt erfolgt demnach von der Barckhausenstraße aus.

Noch keinen Termin für Baustart

Zum aktuellen Sachstand erläutert Behnck: „Mit diesen Plänen wurden sowohl die Träger öffentlicher Belange als auch die Bürger vorzeitig an dem Bebauungsplan beteiligt. Auch Nachbarn haben Stellungnahmen abgegeben. Diese Stellungnahmen werden zurzeit ausgewertet. Nach der Auswertung werden wir dann die notwendige Planänderungen mit den Bauherren abstimmen und wenn nötig ergänzende Gutachten beauftragen, bevor die Pläne dann erneut im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung beraten werden.“ Das Verfahren werde also noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Einen Termin für den Baustart gibt es folglich noch nicht.

Von Rainer Schubert