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In wenigen Wochen will Gerd Jahnke mit Hund "Rambo" bei der niedersächsischen Meisterschaft der Schäfer teilnehmen. Foto: Dankers

Schafehüten für Profis

Eimke. Man hört Gerd Jahnke schon von Weitem. „Komm besser raus!“, brüllt er in das laute „Mäh“ seiner Heidschnucken. Das Kommando erreicht Schäferhund Rambo mi tten im Lauf um die Herde. Mit gespitzten Ohren und wachsamem Blick setzt der fünfjährige Rüde zu einem größeren Bogen an, um auch wirklich jedes der 1200 Tiere zum Nachtpferch zu treiben.

Wassermangel unterband Hütetraining

Gerd Jahnke und Rambo sind ein eingespieltes Team – eigentlich. Doch zuletzt kam das Hütetraining etwas kurz, wegen der Trockenheit war der Schäfer mit der Wasserversorgung der Tiere ausgelastet. Für das tägliche Schafehüten reicht die Kommunikation zwischen Schäfer und Hund allemal, aber Gerd Jahnke will mehr. Vom 24. bis 26. August wird er mit Rambo bei der niedersächsischen Meisterschaft der Schäfer in Bad Bevensen teilnehmen. „Das ist sowas wie mein Hobby“, sagt Jahnke, der nun schon seit über 30 Jahren bei Landes- und Bundeswettbewerben des Leistungshütens an den Start geht. „Die ersten Berichte über das Leistungshüten gab es schon Ende des 19. Jahrhunderts. „Wenn man dafür dieses I-Tüpfelchen auf die Ausbildung der Hunde drauf setzt, hat man es auch in der täglichen Arbeit leichter“, weiß Jahnke.

Königsdisziplin mit zwei Hunden

Das I-Tüpfelchen meint zum Beispiel das Hüten mit zwei Schäferhunden, einem Haupt- und einem Beihund. „Das ist schon eine Kunst. Das bringen heute nicht mehr so sehr viele Schäfer fertig“, sagt Jahnke. Dabei müssen die Hunde unterscheiden, wer wann angesprochen wird und entsprechend reagieren. Im Wettbewerb muss das Schäfer-Hunde-Team zum Beispiel die Herde aus einem eingezäunten Weidebereich heraustreiben, sie über eine Brücke oder an fahrenden Autos vorbeiführen. Das Hüten auf einer weiten und einer kleinen Fläche gehört ebenso zu den Aufgaben. Auch ein Griff am Schaf muss gezeigt werden – ein Zupacken, kein Beißen – und das nur im Nacken, an der Flanke oder der Keule. „Alle andere Körperpunkte wären Fehlgriffe“, erklärt Jahnke. Zusätzlich werden der Fleiß, die Selbstständigkeit und der Gehorsam der Tiere bewertet.

Hund Rambo hat das Schafsfieber

Die Maximalpunktzahl liegt bei 100, Gerd Jahnke und Rambo schafften im letzten Jahr 84. „Die Vorbereitungen sind wirklich entscheidend“, sagt der Schäfer und erklärt, dass er eigentlich schon bis zu zwei Monate vor den Wettbewerben damit beginnt, den Hund zwei bis drei Stunden gezielt zu trainieren.

Das Leistungshüten hat seinen Ursprung in Zeiten, in denen noch entlang der Feldwege gehütet wurde. Die Schafe sollten jedoch fern der Früchte bleiben und mussten deshalb von den Hunden entlang einer engen Grenzen getrieben werden. ,,Wenn man mit einer größeren Herde zieht kommt es aber immer noch vor, dass man mal an einem Rapsfeld vorbei muss oder an Zuckerrüben und dann muss man sich auf die Hunde verlassen können, sonst richtet man großen Schaden an bei den Bauern“, sagt Jahnke.

Angespannt läuft Rambo neben der Herde auf und ab. Stillsitzen ist nichts für ihn – ist er doch gerade bei der Arbeit. „Nicht so doll“, hört man Gerd Jahnke grummeln, als der Rüde kurzzeitig vom Übermut gepackt wird. „Das Wichtigste ist, dass der Hund das Schafsfieber hat“, sagt Jahnke. Das Schafsfieber hat sie beide gepackt. Gerd Jahnke schon als Kind, als seine Eltern die Schäferei noch im Nebenerwerb betrieben. ,,Das Draußensein und die Arbeiten mit den Tieren, das ist schon eine schöne Sache“, sagt er.

von Anke Dankers