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Als Grafiker hat er in Kanada gutes Geld verdient, doch als seine Frau schwanger wurde, zog das Paar nach Lüneburg. (Foto: t&w)
Als Grafiker hat er in Kanada gutes Geld verdient, doch als seine Frau schwanger wurde, zog das Paar nach Lüneburg. (Foto: t&w)

Start in die Lehre – Teil 3: Lange war die Laune im Keller

Lüneburg. Der Lebensweg von Ivan Cabada ist alles andere als typisch: Der Mexikaner ist als gelernter Grafiker viel herumgekommen, er hat in Neuseeland, den USA und in Alaska gearbeitet, zuletzt in Kanada sein Geld verdient. Seine Frau, eine Deutsche, die er über ein Firmentreffen kennengelernt hat, lebte damals in Baltimore. Als sie vor sieben Jahren mit Zwillingen schwanger wurde, musste das Paar eine Entscheidung treffen. „Amerika war keine gute Option mehr, das Gesundheitssystem ist problematisch, die wirtschaftliche Situation auch“, erzählt der 37-Jährige, der daraufhin einwilligte, mit seiner Frau in ihre Heimat zurückkehren. Nach Lüneburg. Auch wenn die junge Familie hier mit Großeltern, Schwägerinnen und Cousinen ein Netzwerk hat, waren die vergangenen Jahre die schwersten im Leben von Ivan Cabada. Er musste bei Null anfangen und sich von seinem alten Leben, seinem Job und seinem guten Verdienst verabschieden.

Heute, sieben Jahre später, geht der Vater von zwei Kindern wieder positiver durchs Leben. So langsam hat er Fuß gefasst in Lüneburg, Schritte in die richtige Richtung unternommen. „Ich hatte seit langer Zeit nicht mehr so gute Laune“, sagt Cabada und blickt verträumt aus dem Fenster. Er sitzt an einem Tisch in der Maler- und Lackiererwerkstatt auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik, seiner neuen Arbeitsumgebung. Heute beginnt seine Ausbildung.

Später in die Kunstszene wechseln

Schon während seines Praktikums im vergangenen Jahr hätte er gespürt, dass das ein Job für ihn sein könnte. Nicht nur die Arbeit selbst gefällt Cabada, auch die Möglichkeiten geben ihm Anlass, zu hoffen. „Meine Kollegin ist Meisterin, wenn ich drei Jahre schaffe, kann ich auch noch zwei weitere machen.“ Aber auch die Option, später in die Kunstszene zu wechseln, möchte sich der Ochtmisser offen halten. „Kunstrestaurator – das ist doch eine Perspektive“, sagt er. „Ich glaube, das kann ich ganz gut.“

Als Cabada nach Deutschland kam, war es vor allem die Sprache, die ihm große Probleme bereitete. Er meldete sich bei einem Sprach- und bei einem Integrationskurs an, „startete den Prozess“, wie er es selbst nennt. Anders als in Kanada waren mittlerweile seine Kinder auf der Welt, es galt, eine Familie zu ernähren. Doch mit welchem Geld? „Meine Qualifizierung war in Deutschland nichts wert“, sagt er. Drei Jahre arbeitete er als Pflegehelfer, „dann hatte ich keinen Bock mehr“. Plötzlich erschien Cabada eine Ausbildung nicht mehr so abwegig wie unmittelbar nach seiner Ankunft in Lüneburg. „Ich war bereit, etwas Neues zu lernen.“ 20 Bewerbungen und etliche Absagen später landete der Mann aus Mexiko in der Werkstatt Am Wienebütteler Weg. Die Freude über die Zusage für den Ausbildungsplatz ist nach wie vor groß: „Ich bin richtig stolz.“ ap

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