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Weil er nach seinem Realschulabschluss gerade einmal 15 Jahre alt und damit zu jung für eine Ausbildung war, wiederholte er ihn in Bleckede einfach nochmal. (Foto: t&w)
Weil er nach seinem Realschulabschluss gerade einmal 15 Jahre alt und damit zu jung für eine Ausbildung war, wiederholte er ihn in Bleckede einfach nochmal. (Foto: t&w)

Start in die Lehre – Teil 4: Koch aus Leidenschaft

Lüneburg. Gabriel Herre ist jemand, den jeder Ausbildungsleiter in seiner Küche mit Kusshand nehmen würde. Als Zehnjähriger hat er in dem ungarischen Restaurant eines guten Bekannten seine eigenen Bestellungen nicht nur selbst aufgenommen, sondern die Getränke dann auch zubereitet und zum Tisch gebracht. Vier Jahre später durfte er in dem Betrieb „offiziell“ anfangen. Der gebürtige Stuttgarter, der erst vor einem Jahr mit seiner Familie nach Hohnstorf gezogen ist, kann etliche Praktika vorweisen. Er hat sich als Restaurant- und Hotelfachmann versucht, in diversen Küchen gearbeitet, darunter sogar eine, die mit mehreren Sternen versehen ist. Andere Leute glücklich zu machen, ihnen ein gutes Essen zu servieren – das wird Gabriel Herre auch künftig machen. Und zwar als neuer Kochlehrling im Hotel Seminaris.

In diese Großküche durfte der 16-Jährige im Oktober bereits vier Wochen hineinschnuppern. Eigentlich hätte er die Hälfte der Zeit im Service verbringen sollen, doch Herre wollte nach der ersten Station gar nichts anderes mehr sehen. „Am letzten Praktikumstag habe ich meine Bewerbung abgegeben.“ Was ihn überzeugt hat? „Das Arbeitsklima, die netten Leute, das macht einfach total Spaß.“ Auch sei er bei Fehlern nicht gleich geköpft worden, erzählt Herre und lacht. „Wir haben dann darüber gesprochen, wie ich es besser machen kann.“

Ein Lächeln im Gesicht der Gäste

Essen zuzubereiten, den Gästen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, das sei sein Ding. Auch zu Hause sitzt der angehende Koch nicht untätig rum, wenn seine Mutter in der Küche steht. „Ich schneide das Putenfilet zu Geschnetzeltem zurecht oder kümmere mich um die Zwiebeln“, nennt er einige Beispiele. „Das ist schon eine Entlastung für meine Mama.“

Ideen für später hat Gabriel Herre schon. Sicher ist, dass er der Sterneküche keine zweite Chance geben möchte. Den Grund dafür erläutert er mit ausufernden Gesten: „Da steht ein Riesenteller mit einer Mini-Portion, für die der Gast nicht nur immense Summen zahlt. Er wird noch nicht mal satt.“ Er könnte sich eher vorstellen, nach seiner Kochausbildung noch den Beruf eines Restaurantfachmanns zu erlernen, im Ausland Erfahrungen zu sammeln und später einmal ein eigenes Lokal zu eröffnen. „Vielleicht gehe ich aber auch zur Marine und koche auf dem Schiff.“

Wie ambitioniert Herre ist, zeigt seine Ausdauer in der Schule. So hat er seinen Realschulabschluss in Stuttgart als 15-Jähriger gemacht. „Da war ich noch zu jung für eine Ausbildung.“ Nach dem Umzug in den Norden wiederholte er seinen Abschluss nochmal in Bleckede. Und jetzt darf der junge Mann kochen. Dass der Job keinen Halt vor Wochenenden und Feiertagen macht, kommentiert er so: „Das macht mir nichts, ich helfe gern dabei, diesen Beruf etwas aufzuhübschen.“ ap

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