Mittwoch , 19. September 2018
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Trotz Niedrigwasser fährt zumindest noch die Elbfähre „Amt Neuhaus“ zwischen Bleckede und Neu Bleckede, demnächst auch im HVV-Bartaríf. Mit einer kleinen Einschränkung. (Foto: be)
Trotz Niedrigwasser fährt zumindest noch die Elbfähre „Amt Neuhaus“ zwischen Bleckede und Neu Bleckede, demnächst auch im HVV-Bartaríf. Mit einer kleinen Einschränkung. (Foto: be)

Mit einem Tagesticket von Neuhaus nach St. Pauli

Amt Neuhaus/Lüneburg. Die Vorfreude steigt auch bei Bürgermeisterin Grit Richter. Ab dem 19. August wird das Tarifgebiet des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) nach 14 Jahren vollständig auf die Gemeinde Amt Neuhaus ausgeweitet.

Die Kommune ist zwar bereits seit der HVV-Erweiterung auf den Kreis Lüneburg 2004 grundsätzlich Teil des Tarifgebiets (Ring E), aber nur für Zeitkarten wie Monats- oder Jahrestickets. Und die Krux daran war bislang, dass diese Zeitkarten, abgesehen von Schülertickets, nicht von den Fährbetrieben zwischen Bleckede und Neu Bleckede sowie Neu Darchau und Darchau anerkannt worden sind. Auch das soll sich jetzt ändern, parallel zur Ausweitung des sogenannten Bartarifs, der auch Einzel- bis Gruppenkarten umfasst, die ebenfalls auf den Fähren Gültigkeit haben sollen. Nur auf den Fähren selbst werden auch mit der HVV-Tariferweiterung keine HVV-Tickets verkauft.

„Keiner muss mehr drei Fahrkarten kaufen, wenn er von Neuhaus nach Lüneburg fahren möchte.“ Grit Richter, Bürgermeisterin

Dass die Gemeinde Amt Neuhaus in den HVV-Bartarif aufgenommen wird „ist sehr erfreulich und längst überfällig“, sagt Bürgermeisterin Grit Richter. „Nun wird die Fahrt in den Heimatlandkreis Lüneburg auch endlich etwas kostengünstiger.“ Von der Erweiterung des Bartarifs eingeschlossen ist auch das Busangebot der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) in Amt Neuhaus sowie in den Ortsteilen Neu Bleckede und Neu Wendischthun, sagt HVV-Sprecherin Silke Seibel auf LZ-Nachfrage. In den Bussen können zudem HVV-Tickets direkt gekauft werden, da auch die VLP Mitglied im Hamburger Verkehrsverbund ist.

Landkreis Lüneburg zahlt Ausgleich an Fährbetriebe

Anders ist das bei den Fährbetrieben „Amt Neuhaus“ (Linien-Nummer 5160) und „Tanja“ (5170). Seibel sagt: „Die Betreiber der Elbfähren werden keine Verbundverkehrsunternehmen und es findet kein Verkauf von HVV-Fahrkarten auf den Fähren statt. Im reinen Binnenverkehr der Fähren gelten nach wie vor deren Tarife.“ Mit anderen Worten: Wer zum günstigeren HVV-Tarif die Elbfähren nutzen will, muss das Ticket vorher beispielsweise im Bus erstehen. Und damit die Fährbetriebe die günstigeren HVV-Tickets zumindest anerkennen, zahlt der Landkreis Lüneburg einen Verlustausgleich. Ernst-Wilhelm Meihöfer, Betriebsleiter der Fähre Tanja, sagt: „Wir haben uns auf eine Pauschale geeinigt. Aber wir haben bisher keine Erfahrungswerte, ob wir damit auskommen. Wir müssen das erst testen.“ Den Weg für die Tariferweiterung hatte der Lüneburger Kreistag im Dezember 2017 freigemacht.

Und trotz der Einschränkung, an Bord der Fähren selbst kein HVV-Ticket kaufen zu können, dürften die Vorteile für die Fahrgäste überwiegen. Bürgermeisterin Grit Richter sagt: „Keiner muss mehr drei Fahrkarten kaufen, wenn er von Neuhaus nach Lüneburg fahren möchte. Bisher muss man für den Bus bis zur Fähre die erste Fahrkarte kaufen. Dann die Fährkarte und ab Neu Darchau dann die dritte Fahrkarte.“ Nach Auskunft des HVV reicht künftig ein Ticket aus. Theoretisch könnte man dann mit einem HVV-Tagesticket für den Gesamtbereich, einschließlich des Tarif-Rings E, mit Bus, Fähre und Bahn beispielsweise von Neuhaus über Lüneburg bis Hamburg-St. Pauli fahren – auch wenn das tatsächlich eine beschwerliche Tagesreise wäre. Deshalb hat die Bürgermeisterin noch einen weiteren Wunsch.

Bürgermeisterin fordert noch eine Tariferweiterung

Richter: „Wenn Mecklenburg-Vorpommern sich nun noch für eine HVV-Erweiterung für Boizenburg und Hagenow aussprechen würde, wäre das für viele Pendler auch mit der Bahn eine erhebliche Verbesserung. Immerhin fahren aus Amt Neuhaus auch Berufspendler über den Biosphärenbahnhof Brahlstorf täglich nach Hamburg.“

Im Übrigen bleibt zu hoffen, dass bis zur Tarif-Erweiterung wieder mehr Wasser die Elbe runterfließt als jetzt. Im Gegensatz zur Fähre Amt Neuhaus zwischen Bleckede und Neu Bleckede hat derzeit die Fähre Tanja nach wie vor wegen extremen Niedrigwassers weiterhin den Betrieb zwischen Neu Darchau und Darchau eingestellt. Mit Blick auf die Pegelprognose sagt Meihöfer: „Es sieht traurig aus.“ Solange die Fähre Tanja nicht fährt, gilt weiterhin der Notfallfahrplan der VLP-Buslinie 5081 zwischen Kaarßen und Hohnstorf/Elbe beziehungsweise zwischen dem Lüneburger Bahnhof und Kaarßen – ab Mitte August ebenfalls zum HVV-Bartarif.

Von Dennis Thomas