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Zum neunten Mal gab Möbelhaus-Inhaber Siegfried Tippel seinen Kunden ein Versprechen. Zum ersten Mal musste er es auch einlösen. (Foto: phs)

Wette verloren – zum Glück

Bad Bevensen. Achtmal hatte das Möbelhaus seine „Wetter-Wette“ gewonnen. Achtmal zeigte das Thermometer an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes am Flughafen Hannover am 31. Juli weniger als 34 Grad. Und achtmal mussten die Kunden des Bad Bevenser Möbelhauses ihre Waren voll bezahlen. Denn so besagt es die Wette: Nur wenn es am genannten Juli-Tag an genannter Messstation wärmer als 34 Grad ist, erhalten die Kunden den vollen Kaufpreis zurück – vorausgesetzt, sie haben sie im Zeitraum vom 9. bis zum 23. Juni erworben.

Doch in diesem Sommer scheint alles anders zu sein. Deutschland fliegt in der Vorrunde der WM raus, der Mond ändert kurzzeitig seine Farbe und eine historische Hitzewelle bricht über die Republik herein. Und zum ersten Mal verliert das Möbelhaus seine Wette. „Das sind insgesamt etwa 200 000 Euro, die die Kunden zurückerhalten“, sagt Inhaber Siegfried Tippel. Darunter fallen ein gutes Dutzend Einbauküchen, Matratzen, Sessel, Schränke und Kommoden. Natürlich hatte er für den Fall der Fälle eine Versicherung abgeschlossen, die ihm den Schaden bezahlt.

Trotzdem liegen sehr aufregende Tage hinter ihm. Denn der 61-Jährige hatte am Dienstagnachmittag auf der Website der Wetterstation den entscheidenden Messwert von 34,5 Grad gelesen und gleich danach schon die glücklichen Kunden informiert – eigentlich etwas zu früh. „Die Versicherung braucht einen amtlichen Nachweis der Temperatur, sonst zahlt sie nicht.“ Den hatte er nicht. Und obwohl Tippel wusste, was er gesehen hatte, „ein wenig mulmig war mir doch zumute“.

Eine Versicherung trägt die Hauptlast

Trotzdem überwiegen bei dem „guten Verlierer“ die schönen Momente. Eine junge Frau etwa fing vor Freude an zu weinen, als er ihr die Nachricht am Telefon überbrachte. „Sie ist im sozialen Bereich tätig und hatte Extra-Schichten übernommen, um ihre Einbauküche zu bezahlen.“ Auch freut er sich über die vielen Presse-Anfragen, die seit zwei Tagen auf ihn einprasseln. Für ihn „eine ganz neue Art der Anstrengung, aber die mache ich natürlich gern“. Spontan lud zur Feier der verlorenen Wette der Inhaber zum Empfang, knapp die Hälfte der 70 Glückspilze erschien – und als gestern bei ihm endlich auch der amtliche Nachweis der gemessenen Temperatur eintraf, stand der Feier nichts mehr im Wege. „Eigentlich passend zum 200-jährigen Jubiläum der Firma“, sagt Tippel, der das Möbelhaus nun in sechster Generation leitet.

Weniger zum Feiern zumute dürfte es wohl der Versicherung sein. Laut Tippel betragen seine Kosten nur einen „geringen Prozentsatz“ der Prämie. Doch die Zahl der Leute, die sich von Herzen über ihr Geschenk freuen können, dürfte deutlich höher sein.

Von Robin Williamson