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In vielen Lüneburger Supermärkten - wie hier bei Tschorn am Sande - lichten sich die Regale. Die Mitarbeiter kommen angesichts des Absatzes mit dem Auffüllen gar nicht mehr hinterher. Wenn es denn überhaupt Nachschub gibt. Foto: phs

Die Regale werden leerer

Lüneburg. Die heißen Temperaturen bringen die Mitarbeiter der hiesigen Supermärkte nicht nur ins Schwitzen, sie schaffen es kaum noch, die große Nachfrage nach Getränken zu bedienen. Halb gefüllte Regale, lange Schlangen an den Kassen, unzählige Getränke, die Tag für Tag übers Band wandern und im Einkaufsbeutel verschwinden. Erschwert wird die Situation dadurch, dass etliche Artikel derzeit nicht lieferbar sind.

Seit drei Wochen Lieferengpässe

Andreas Koch leitet gemeinsam mit einem Kollegen die Getränkeabteilung der Sandpassage Tschorn , er sagt: „Die Regale lichten sich, da sind einige Lücken da.“ Der Stress halte schon knapp drei Wochen an. Bei fast 40 Grad sei es kaum möglich, dagegen anzukämpfen. Koch hält eine Liste in den Händen, die etwa eineinhalb Seiten lang ist. Sie führt all jene Artikel auf, die schon seit einer ganzen Weile nicht verfügbar sind und auch erstmal nicht mehr geliefert werden können. Gründe führen die Lieferanten nicht an. Verzichten muss der Markt zum Beispiel vorerst auf verschiedene Geschmacksrichtungen einer beliebten Hamburger Getränkemarke, ebenso auf zwei Mineralwassersorten und ein stark nachgefragtes Mischbier. Auch ein alkoholfreies Hefeweizen könne vorerst nicht angeboten werden, ebenso wie etliche Limonaden und andere Erfrischungsgetränke.

Walter-Friedrich Gerlach, Geschäftsführer der „Hol ab!“-Getränkemärkte , spricht von einer „herausfordernden Situation“. Man sei rund um die Uhr damit beschäftigt, an der Warenverfügbarkeit zu arbeiten. Die gesamte Kette sei angespannt – vom Leergut über die Produktion bis zur Belieferung der Läden. „Wir können nur an die Kunden appellieren, ihr Leergut bei ihrem Einkauf wieder mitzubringen. Frisches Wasser und Bier können nur eingefüllt werden, wenn es ausreichend Leergut gibt.“

Extreme Zuwächse bei den Absatzzahlen

Detlev Tillwick, Geschäftsleiter Franchise, betont zudem, dass die trockene Periode schon seit Anfang Mai anhalte, es seither „extreme Zuwächse“ bei den Absatzzahlen gebe. „Darauf war kein Hersteller vorbereitet.“ Erschwerend kämen jetzt die vielen Staus auf den Autobahnen in Norddeutschland hinzu, die nicht nur die Fahrzeiten der Lieferanten verlängern, sondern hin und wieder dazu führten, dass mit Getränken beladene Lkw ihr Ziel gar nicht erst erreichen.

Dass sich die schwierige Situation praktisch durchs gesamte Getränkesortiment zieht, bestätigt Andreas Brinkmann, Marktleiter des Edeka Saline . „Vor allem werden von den Getränkeherstellern die Randartikel nicht mehr produziert, zum Beispiel sind 6er-Träger Astra und Krombacher knapp. Leergut wird knapp, leere Kisten fehlen.“ Manche Lieferanten würden gar Ware nur noch gegen Leergut abgeben, zudem verzögere sich die Belieferung um bis zu 24 Stunden.

Für die Lüneburger Penny-Märkte äußert sich Bettina Cons­tabel, Vertriebsleiterassistenz Nord. Vereinzelt komme es zu Lieferengpässen, diese seien in ausgelasteten Produktionskapazitäten, fehlendem Leergut und knappem Frachtraum bei den Speditionen begründet.

Ein anderes Bild zeichnet Ernst Joachim Petersen von Edeka Wist . Lieferschwierigkeiten könne er nicht bestätigen. „Ich bin jede Woche aufs Neue überrascht, dass fast alles kommt“, sagt er. „Da haben wir wohl Glück.“ Natürlich sei die Hitze und die große Nachfrage nach Erfrischungsgetränken aber zu spüren, auch am Arbeitsaufwand. „Wir sind dauernd am Auffüllen.“

Schwund im Markt nur eine Einzelbeobachtung?

Thomas Bonrath, Pressesprecher der Rewe Markt GmbH , behauptet: „Es gibt bundesweit weder Produktions- noch Lieferengpässe bei Getränken.“ Dazu, dass die Regale in der Lüneburger Filiale Vor dem Neuen Tore zuletzt arg spärlich gefüllt waren, sagt er: „Diese Einzelbeobachtungen sollte man nicht ‚zum Problem‘ aufbauschen.“ Lediglich aufgrund begrenzter Lagerkapazitäten könne es manchmal dazu kommen, dass vereinzelt Getränke ausverkauft seien.

Noch in der Lage, ein ausreichendes Angebot bereitzustellen, sehen sich auch Lüneburgs Kaufland-Filialen . Das sei dem „sehr großen Sortiment“ zu verdanken, teilt Pressesprecherin Andrea Kübler mit. „Natürlich ist an diesen sehr heißen Tagen die Nachfrage der Verbraucher nach Mineralwasser und Erfrischungsgetränken sehr hoch.“

von Anna Paarmann