Mittwoch , 26. September 2018
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Die beiden Vorsitzenden Dietlind Kemmler und Lieselotte Hentschel (v.r.) sowie Maria Strübing, Konrad Kemmler, Edith Schönemann und Daniela Jenckel wünschen sich personelle Unterstützung durch eine Teilzeitkraft, damit die Arbeit in Lydias Haus weitergehen kann. Foto: uk

Alarm in „Lydias Haus“

Bardowick. Die Idee hatte Dietlind Kemmler von ihren Reisen mitgebracht: „In vielen Ländern gibt es diese Charity-Shops, wo Menschen für wenig Geld gut erhaltene Dinge kaufen können. Das wollte ich hier etablieren.“ Also gründeten Dietlind und Konrad Kemmler mit einer Handvoll Mitstreitern den Verein „Lydias Haus“. Seit neun Jahren werden im Spendenladen an der Bardowicker Pieperstraße nun Kleidung und Haushaltswaren verkauft. Parallel ist eine Mehrgenerationenarbeit entstanden. Jetzt allerdings steht die Zukunft von „Lydias Haus“ auf der Kippe: „Wenn wir nicht weitere Sponsoren finden, dann ist spätestens in einem Jahr Schluss“, bringt die erste Vorsitzende Kemmler die Lage auf den Punkt.

Bislang kam immer rechtzeitig eine Lösung

Mit schwierigen Situationen kennt man sich aus in „Lydias Haus“. Als der Mietvertrag für den Laden gekündigt wurde, drohte schon einmal das Aus. Doch eine Lösung kam immer rechtzeitig: Das Lädchen konnte innerhalb der Pieperstraße umziehen und hat im Haus mit der Nummer 9 ein Ersatzdomizil gefunden. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir hier sein können“, sagt Kemmler. Die Lage in der Einkaufsstraße gegenüber der Apotheke könne nicht besser sein: „Dadurch haben wir neben vielen Stammkunden aus den umliegenden Orten auch immer noch Laufkundschaft.“

Drei Zimmer, Küche, Bad nutzt der Verein hier. Die Kleider in Regalen und an Kleiderständern sind sorgfältig sortiert und geschmackvoll dekoriert: Dass in „Lydias Haus“ viel Herzblut und Arbeit steckt, ist auf den ersten Blick zu sehen. Die „gute Stube“ erinnert mit dem gemütlichen Antik-Sofa an Großmutters Zeiten. „Wir kokettieren ein bisschen mit der Nostalgie“, sagt Kemmler schmunzelnd. Was hier stattfindet, ist allerdings nicht von gestern: Computerkurse etwa für ältere Menschen, Biografiearbeit, Handarbeiten, Gedächtnistraining. Das sind nur einige der Kursangebote, die das zweite Standbein von „Lydias Haus“ ausmachen. Dazu kommen Angebote für Schulkinder: Aus der Grundschule kommen Kinder zur Leseförderung, darunter viele Flüchtlingskinder. „Wir können hier eine Eins-zu–eins-Betreuung garantieren. Das ist für die Kinder sehr wichtig und wirkt sich positiv aus,“ sagt Kemmler. Ehrenamtliche basteln mit Kindern oder bauen mit ihnen aus altem Holz neue Bänke, die Lego-Tage waren gerade ein Renner.

Sponsoren gesucht

Dass in „Lydias Haus“ kein Leben wäre, ist also nicht das Problem. Doch die Koordination und Organisation der Angebote sowie die Begleitung der 30 Mitarbeitenden, die fast alle im Seniorenalter sind, das sei nicht mehr ehrenamtlich zu schaffen, sagt Kemmler, die mit ihren 74 Jahren gern kürzer treten würde. Und die zweite Vorsitzende Lieselotte Hentschel (70) bedauert, dass sie aus Gesundheitsgründen zurücktreten muss. „Viele Familien sagen mir immer wieder, wie froh sie sind, bei uns einkaufen zu können.“

Damit es weiter geht, möchte der Verein eine Teilzeitkraft für 15 Stunden pro Woche einstellen, hat dafür auch schon eine geeignete Person gefunden. Zwar gewähren sowohl die Kirchen- als auch die politische Gemeinde Zuschüsse für die Mehrgenerationenarbeit, doch das reiche nicht, sagt Kemmler: „Wir brauchen 900 Euro monatlich, um die Stelle langfristig zu finanzieren.“ In „Lydias Haus“ hofft man nun, weitere Privatpersonen und Firmen als Sponsoren zu gewinnen. Im Idealfall könnte die Stelle zum 1. Oktober besetzt sein. „Auch kleinere monatliche Beträge würden uns helfen. Dann könnten wir 2019 fröhlich unser zehnjähriges Jubiläum feiern.“

Wer helfen möchte, wendet sich an Konrad und Dietlind Kemmler unter (01 62) 69 23 711.

von Ute Klingberg-Struck