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Die Mädchen erarbeiten Szenen für ihre Schwarzlichtperformance. Dafür schlüpfen einige von ihnen in die sogenannten Tanzsäcke, verwandeln sich dort in Figuren und Gegenstände. (Foto: be)
Die Mädchen erarbeiten Szenen für ihre Schwarzlichtperformance. Dafür schlüpfen einige von ihnen in die sogenannten Tanzsäcke, verwandeln sich dort in Figuren und Gegenstände. (Foto: be)

Der Spaß in den Tanzsäcken

Lüneburg. Nike (10) ist „total“ begeistert, sie hat längst die Bretter entdeckt, die für viele die Welt bedeuten: „Ich habe schon in der Grundschule Theater gespielt und mache das auch am Gymnasium Oedeme.“ Als sie von einem besonderen Ferienprojekt der Volkshochschule hörte, wollte sie auf jeden Fall dabei sein. „Da können wir im Schwarzlicht spielen, das wollte ich immer schon mal ausprobieren.“ Heute können Verwandte sowie Freundinnen und Freunde im Geschwister-Scholl-Haus sehen, was sie und elf andere Mädchen seit Anfang der Woche innerhalb des „TalentCampus“ zum Thema „Erzähl mal – eine Schwarzlichtperformance“ erarbeitet haben.

Der Workshop wurde gefördert und war für die Teilnehmerinnen – die meisten ihrer Familien hätten sich sonst keine großartigen Urlaubsaktionen leisten können – kostenfrei. Marla (10) vom Johanneum etwa freute sich riesig. „Ich wollte in den Ferien nicht nur zu Hause rumsitzen. Ich liebe Theater, habe schon in der Grundschule in dem Stück ,Herr der Diebe‘ mitgespielt.“ Und einen weiteren Reiz machte Thea (12) vom Johanneum aus. „Hier lernt man viele Leute auch aus anderen Stadtteilen kennen.“ Und nicht nur Kinder und Jugendliche, denn im Mehrgenerationenhaus unterhielten sich die Kinder für das Projekt auch mit Senioren.

Häufig fiel der Begriff „rücksichtslos“

Die Grundidee des Workshops laut der künstlerischen Leiterin Katja Meier: „Das Schwarzlichttheater ermöglicht es den Kindern, sich hinter Masken oder in den Tanzsäcken zu verstecken.“ Die Tanz- und Spielszenen sollten aber auch inhaltlich gefüllt werden, sagt die Theaterpädagogin.

Und dazu unterhielten sich die Mädchen mit Senioren aus Gruppen, die sich im Scholl-Haus treffen. So wollten die Kinder etwa von Mitgliedern der Skat-Gruppe wissen, was sie Negatives an der heutigen Jugend sehen. Während hier häufig der Begriff „rücksichtslos“ fiel, sahen die Antworten der Frauen aus dem Französisch-Kursus ganz anders aus, wie Katja Meier weiß: „Es hieß: ,Wir waren ja auch mal jung.‘ Auf die Frage der Kinder, was die Jugend von heute denn Positives hat, waren sich die beiden Senioren-Gruppen allerdings einig: Sie ist frei und offen.“

Geschichten von Bombenalarmen

Die Mädchen interessierte auch, wie die Senioren in ihrer Kindheit den Krieg erlebt hätten, sie hörten Geschichten von Bombenalarmen während der Unterrichtsstunden oder von Einsätzen der Kinder während des Kriegs als Erntehelfer. Die Projektteilnehmerinnen gestalteten daraus Standbilder und kurze Szenen, die dann heute im Schwarzlicht vorgespielt werden. Zudem gab es am Mittwoch ein Fotoshooting, daraus entstand eine Ausstellung, die heute eröffnet wird.

Der „TalentCampus“ zum Thema „Erzähl mal – eine Schwarzlichtperformance“ ist eine Kooperation von VHS, Jugendpflege und Caritasverband, gefördert wird er innerhalb des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über den Deutschen Volkshochschul-Verband.

Von Rainer Schubert