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Kultusminister Deutsch Evern
Die Kita-Leiterinnen Manja Bunse (r.) und Jutta Kwiatek (l.) diskutieren mit Kultusminister Tonne (M.) im Beisein von Gemeindedirektorin Stephanie Buntrock (v.l.), den Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers und Uwe Dorendorf sowie Gemeindebürgermeisterin Ulrike Walter. (Foto: t&w)

Ressort-Chef im Rechtfertigungs-Modus

Deutsch Evern. Die Kita-Leiterinnen aus Deutsch Evern nutzten die Chance, dem Niedersächsischen Kultusminister direkt ihre Meinung zu sagen. Bereits im März hatten Jutta Kwiatek und Manja Bunse einen Brandbrief nach Hannover geschickt. Und forderten darin eine Anpassung der Rahmenbedingungen, damit sie die Qualität ihrer pädagogischen Arbeit erhalten können. Im Kern geht es um den Wunsch nach kleineren Kita-Gruppen, zusätzlichem Personal, besserer Aus- und Fortbildung, zusätzlichen Vertretungs- und Vorbereitungsstunden sowie mehr Freiraum für Kita-Leitungen. In Begleitung der Lüneburger Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers (SPD) und Uwe Dorendorf (CDU) suchte Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) nun in Deutsch Evern das direkte Gespräch.

Dass kleinere Gruppen eine bessere Einzelbetreuung ermöglichen, bewies auch die später sehr kleine Pressekonferenz in Lüneburg in den Räumen des verdi-Bildungswerks.

Zunächst hinter verschlossenen Türen des Besprechungszimmers der Deutsch Everner Kita in der Dorfstraße versuchten Kita-Leitungen und Gemeindevertreterinnen jede Minute auszunutzen, um auf den Gast aus Hannover einzuwirken. Als die Tür schließlich aufschwang, setzte Kita-Leiterin Manja Bunse in Richtung Minister Tonne noch einmal nach: „Um das klar zu sagen: Eine dritte Fachkraft in den Kita-Gruppen wäre aus unserer Sicht nur ein Notnagel! Besser wäre es, wir bekämen kleinere Gruppen mit maximal 18 Kindern.“ Denn derzeit 25 Kinder mit dann drei Erwachsenen würden auch die räumlichen Kapazitäten an ihre Grenzen bringen. Dazu Tonne: „Ich will nichts versprechen, was ich nicht halten kann.“

Brandbrief mit mehr als 600 Unterschriften überreicht

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, überreichten Bunse und ihre Kollegin Kwiatek an Tonne abermals ihren Brief, diesmal zusammen mit mehr als 600 Unterstützer-Unterschriften aus der Region. Kwiatek: „Es es toll, dass er sich die Zeit für uns genommen und uns gehört hat. Wir wollten nicht mehr still vor uns hin jammern. Zumindest das haben wir erreicht.“ In jedem Fall haben sie die Unterstützung der Gemeindebürgermeisterin Ulrike Walter (CDU): „Ich finde die Forderung nach Qualität wichtig, und dann müssen wir als Träger eben gucken, wie wir damit umgehen.“ Angesichts der seit 1. August eingeführten Beitragsfreiheit in Kitas wird aber die Finanzierung seitens der Kommunen nicht einfacher.

Bei der späteren Pressekonferenz in Lüneburg verteidigte Tonne wiederholt die Beitragsfreiheit in Kitas. „Das ist etwas immens Wichtiges, um Zugang zur Kita für alle Kinder zu gewährleisten.“ Und: „Bildung darf an keiner Stelle ein Luxusgut sein.“ Zusammen mit dem Bund solle im Rahmen des „Gute-Kita-Gesetzes“, so Tonne, „eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels auf den Weg gebracht werden“. Dazu komme eine notwendige Reform des Erzieherberufs: „Wir wollen als ersten Schritt für eine Gebührenfreiheit in der Ausbildung sorgen.“ Zusätzlich soll über eine Ausbildungsvergütung gesprochen werden. Zum anderen sollen die Möglichkeiten für Quereinsteiger diskutiert werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Minister sieht keinen Grund für eine Klage der Kommunen

Es dürfte noch ein langer Weg sein, bis diese Maßnahmen Effekte bringen. Gleichzeitig hat das Land mit der Einführung der Beitragsfreiheit in Kitas den Druck im Kessel erhöht. Auf die LZ-Nachfrage, ob es nicht klüger gewesen wäre, mit der Beitragsfreiheit noch etwas zu warten, sagte Tonne: „Der Rechtsanspruch ist so oder so da.“ Er habe wenig Neigung, Schwarzer Peter zu spielen. „Ich nehme mit Freude wahr, dass die Kommunen ein hohes Maß an Anstrengungen unternehmen, um die Bedarfe vor Ort zu decken. Ich prognostiziere: Wenn wir die Beitragsfreiheit um ein Jahr geschoben hätten, hätten wir ein Jahr lang keine Teilhabe für alle Kinder gewährleistet und würden im nächsten Jahr vor derselben Debatte stehen.“

Auch viele Kommunen im Kreis Lüneburg haben immer wieder kritisiert, dass die Ausgleichszahlungen des Landes für wegfallende Elternbeiträge nicht auskömmlich seien. Laut Tonne hätten die Kommunen als Kita-Träger nun bereits erste Abschlagszahlungen erhalten. Wo es nicht reiche, würde im Nachgang der Härtefallfonds einspringen. Insofern fürchte er auch nicht die Überlegungen von Lüneburger Kreis-Kommunen, das Land vor dem Staatsgerichtshof zu verklagen. Tonne: „Die Ausfälle bei der Beitragsfreiheit sind überkompensiert. Deswegen sehe ich keinen Grund für eine Klage.“

Von Dennis Thomas

One comment

  1. Luxusgut Bildung: Sprachförderung und Erziehung kann auch mit 25. Kindern in der Besenkammer stattfinden? Wahre Kinderliebe sieht anders aus.
    Deutschlands Zukunft findet seinen Platz in der Abstellkammer. Wie viel Platz brauchte allein Herr Tonne? „Dass kleinere Gruppen eine bessere Einzelbetreuung ermöglichen, bewies auch die später sehr kleine Pressekonferenz in Lüneburg in den Räumen des verdi-Bildungswerks.“ Ortswechsel, aber den Kindergarten Kindern zumuten. Das Ergebnis sein eigenes Verhalten zeigt die anzumahnende Lösung.
    Dank an die tapfere und mutige Heldin Frau Manja Bunse. Sie kämpft wie eine Löwin für die Kinder, Herr Tonne nicht, warum?