Mittwoch , 19. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Keine Umleitung für Daten
So sehen die Leerrohre aus,durch die die empfindlichen Glasfasern verlaufen. (Foto: dth)
So sehen die Leerrohre aus, durch die die empfindlichen Glasfasern verlaufen. (Foto: dth)

Keine Umleitung für Daten

Lüneburg. Erst kurz vor Mitternacht lief alles wieder wie gewohnt. Seit dem frühen Mittwochnachmittag waren viele Unternehmen und Behörden in und um Lüneburg offline. Auch die Homepage der LZ war nicht erreichbar. Betroffen waren etwa der Landkreis und die Stadtverwaltung, aber wohl auch einige Privathaushalte. Sogar Mobilfunkkunden sollen Probleme gehabt haben. Genaue Zahlen kann – oder will – aber niemand nennen.

Was war passiert? Zwischen Bienenbüttel und Jelmstorf hatte ein Bagger Glasfaserleitungen beschädigt, die parallel zur B4 von Lüneburg nach Uelzen vergraben sind. Dort verlegt eine Tiefbaufirma derzeit Wasserleitungen.

Von anderen Dienstleistern abhängig

Den Kabelstrang an der B4 nutzt auch der Provider LüneCom, der in der Region hauptsächlich Firmenkunden versorgt. Deren Anzahl liegt „im dreistelligen Bereich“, sagt Geschäftsführer Norbert Hill. Der Verlauf der Kabel sei in entsprechenden Karten korrekt verzeichnet und auch mit Trassierband im Erdreich versehen gewesen. Aber die etwa armdicken Kabelstränge seien eben sehr empfindlich: „Wenn sie auch nur ein bisschen gedehnt werden, funktionieren sie nicht mehr“, erklärt Hill.

Das kann passieren. Erst im März hatte es einen ähnlichen Fall gegeben. Aber lassen sich die Daten nicht einfach umleiten, wenn ein Kabel ausfällt? „Das ist nicht unsere Leitung“, sagt LüneCom-Chef Hill. Der Lüneburger Provider sei Kunde eines „Vordienstleisters“, der EWE TEL GmbH mit Sitz in Oldenburg. EWE TEL wiederum hat die Leitungen von der Helmstedter Avacon AG gemietet, dem Eigentümer der Kabel. Mit dem Oldenburger Unternehmen, kündigt Hill an, müssten nun technische Lösungen gefunden werden, um den Datenfluss künftig schneller wieder in Gang zu bringen, wenn eine Leitung ausfällt.

Redundanz kostet Geld

Und diese Lösungen werden Geld kosten. Das kann man jedenfalls bei Katja Schmitt-Völsch, Pressesprecherin von EWE TEL heraushören: „Derzeit ist in diesem Abschnitt keine Redundanz angelegt.“ Das heißt: Im Störungsfall gibt es keine Umleitung für die Datenautobahn. Bei der Frage, ob das technisch ohne Weiters möglich wäre, windet sie sich: „Das kann ich nicht sagen. Die Infrastruktur in dieser Region ist möglicherweise nicht auf dem neuesten Stand.“

Die Folgen haben viele Menschen zu spüren bekommen. Wie bei der LZ waren auch in der Kreisverwaltung die Online-Dienste ausgefallen. „Wir waren von außen auch nicht per E-Mail erreichbar“, sagt Kreis-Sprecherin Katrin Holzmann. Mails seien aber nicht verloren gegangen, sondern „irgendwann in der Nacht eingetrudelt“. Ähnliches berichtet Pressesprecherin Ann-Kristin Jenckel aus der Stadtverwaltung: „Betroffen waren neben der Verwaltung auch die VHS, das Theater, die AGL und die Gesundheitsholding.“

Von Klaus Bohlmann