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Zwar konnten viele Schulen in der Region die ausgeschriebenen Stellen besetzen, doch einige warten noch auf Verstärkung. (Foto: lz)
Zwar konnten viele Schulen in der Region die ausgeschriebenen Stellen besetzen, doch einige warten noch auf Verstärkung. (Foto: lz)

Holprig in das neue Schuljahr

Lüneburg. Schluss mit Ferien: Gestern hat in Niedersachsen die Schule wieder begonnen. Und pünktlich zum neuen Schuljahr ist das Thema Lehrermangel ziemlich aktuell. Doch wie gravierend ist das Problem tatsächlich in Lüneburg und der Umgebung?

An den Gymnasien sieht es gut aus. „Wir sind sogar überversorgt und ordnen an andere Schulen ab“, sagt Schulleiter Christian Hultsch vom Gymnasium Bleckede. Uwe Wegener, Schulleiter der Oberschule am Wasserturm, geht ebenfalls von genug Lehrkräften an seiner Schule aus. Aber: „Bei uns gibt es nach den großen Ferien immer eineinhalb Wochen lang nur Klassenlehrerunterricht. In dieser Zeit kann es immer nochmal Unklarheiten geben und erst dann stellt sich final heraus, ob wir weitere Lehrkräfte anfordern müssen. Mit dieser Taktik sind wir auf der sicheren Seite.“

Niedrigere Bezahlung

Bekanntermaßen ist die Unterbesetzung vor allem an Grund- und Hauptschulen ein Problem. Ein Grund dafür ist die niedrigere Bezahlung. Dr. Antje Reichelt ist Schulleiterin des Gymnasiums Lüneburger Heide in Melbeck, einer Privatschule. Über zu wenig Lehrkräfte kann sie sich nicht beklagen, hat allerdings eine Meinung zu dem Thema: „Die Bezahlung ist ein Aspekt. Aber sicher würden mehr Menschen den Beruf des Lehrers ergreifen, wenn er einen besseren Ruf hätte. Wir haben nun mal nicht das beste Ansehen, ständig muss man sich für die vielen Ferien rechtfertigen. Dass man dafür lange Zeit auch keine Wochenenden hat und die Ferien einen Ausgleich dafür darstellen, dass man eben keine 5-Tage-Woche mit geregelten Arbeitszeiten hat, wird dabei leicht vergessen.“

Abordnungen von Gymnasien an Grundschulen

An der Grund- und Oberschule Neuhaus, der Hauptschule Bleckede und der Integrierten Gesamtschule Embsen blieb zu Beginn des Schuljahres jeweils eine Stelle unbesetzt. Die viel kritisierten Abordnungen von Gymnasien an Grundschulen gibt es im Landkreis Lüneburg übrigens nicht.

An den Grundschulen, die sich zu der eigenen Situation geäußert haben, gibt man sich recht zufrieden. Und das, obwohl man nicht selten Ausfälle einplanen muss. „Eine unserer Lehrerinnen geht in Elternzeit, trotzdem sind wir gut versorgt“, erzählt Barbara Geck, die die Heiligengeistschule leitet. An der Grundschule Hasenburger Berg fehlt bis zu den Herbstferien ebenfalls eine Kraft. Das sei jedoch durch die Flexibilität des Kollegiums und der Landesschulbehörde gut ausgeglichen worden, sagt Schulleiterin Marianne Borowski.

Auch im Landkreis Lüneburg scheint der Bedarf weitestgehend gedeckt zu sein, zumindest die Grundversorgung ist beispielsweise in Adendorf, Melbeck und Handorf gesichert. Trotzdem sei dies keine ideale Situation, denn von einigen Grundschulen seien Lehrer abgeordnet worden. Aus einem Sekretariat heißt es: „Wir kommen aus, aber Jubel gibt es keinen.“ Viele Schulleiter wollten hingegen keine Angaben machen.

Situation nicht entscheidend verbessert

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zeigte sich am Tag zuvor dagegen geradezu redselig. Die Unterrichtsversorgung stelle ihn nicht zufrieden, sagte er, und räumte ein, dass rund 2000 Lehrer zum Start des neuen Schuljahres an anderen Schulen als ihrer Stammschule unterrichten müssen. Diese Abordnungen bewegen sich damit auf einem Niveau von 18 500 Stunden. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren es rund 20 700 Stunden – die Situation hat sich also nicht entscheidend verbessert.

Tonne betonte, dass die Unterrichtsversorgung an Haupt-, Real-, und Oberschulen bei etwa 95 Prozent liegt. Damit habe sich die Situation „weiter verschärft“. An den weiterführenden Schulen sei die Lage derweil an den Gymnasien am besten. Das deckt sich auch mit den Zahlen aus Lüneburg.

Zur Sache

Wunsch und Realität

Viele Schulen in der Region konnten die ausgeschriebenen Stellen besetzen, andere warten immer noch auf Verstärkung. Eine Übersicht:

  • Neuhaus GS-Zweig: Eine Stelle ausgeschrieben und besetzt.
  • Neuhaus OBS-Zweig: Eine Stelle ausgeschrieben, Stand heute noch nicht besetzt (es gibt aber Bewerber/innen).
  • OBS Dahlenburg: Zwei Stellen ausgeschrieben und besetzt.
  • GS Fürstenwall: Eine Stelle ausgeschrieben und besetzt.
  • HS Bleckede: Eine Stelle ausgeschrieben, Stand heute noch nicht besetzt.
  • OBS am Kreideberg: Drei Stellen ausgeschrieben und besetzt.
  • OBS Hanseschule Oedeme: Eine Stelle ausgeschrieben und besetzt.
  • OBS am Wasserturm: Zwei Stellen ausgeschrieben und besetzt.
  • OBS Hugo F. Hartmann: Eine Stelle ausgeschrieben und besetzt.
  • FöS-LE Kurt Löwenstein: Zwei Stellen ausgeschrieben und besetzt.
  • FöS am Knieberg: Drei Stellen ausgeschrieben und besetzt.
  • FöS Johannes-Rabeler: Drei Stellen ausgeschrieben und besetzt.
  • IGS Embsen: Fünf Stellen ausgeschrieben, zwei besetzt (Verlagerung von zwei Stellen an das Gymnasium Johanneum und die Wilhelm-Raabe-Schule, die entsprechend an die IGS abordnen).
  • IGS Lüneburg: Drei Stellen ausgeschrieben und besetzt.
  • GY Johanneum: Zwei Stellen ausgeschrieben und besetzt (davon eine Abordnungsstelle).
  • GY Wilhelm–Raabe-Schule: Zwei Stellen ausgeschrieben und besetzt (davon eine Abordnungsstelle).
  • GY Oedeme: Eine Stelle ausgeschrieben und besetzt.
    Abordnungen von Gymnasien an Grundschulen gibt es im Landkreis Lüneburg nicht.

Quelle: Landesschulbehörde

Von Lea Schulze und Josephine Wabnitz

2 Kommentare

  1. Leider ist das Wunschdenken von Quereinsteigern in die Schulwelt nur ein Politikum.
    Es wird so gut wie nicht umgesetzt und aus meiner Sicht auch nicht gewünscht.
    Sonst würde man Bewerbern nicht so viele Stine in den Weg legen.
    Meiner Meinung nach möchte man sich hier nur korrekt vor die Gesellschaft stellen um zu zeigen
    „wir tuen etwas gegen den Lehrermangel“. Lider ist das in der Praxis nicht gewünscht.
    Wahrscheinlich immer das gleiche Problem…man möchte kein Geld ausgeben….schon gar nicht für Bildung

  2. Werner Schneider

    Hätten wir ein Schulsystem mit einer Schule für alle von Klasse 1 bis 10, dann hätten wir das Problem nicht, weil dann Lehrkräfte flexibel innerhalb des Systems eingesetzt werden können.