Dienstag , 25. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Lernen aus dem Grauen der Geschichte
Dr. Carola Rudnick zeigt das ehemalige Gärtnerhaus auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik. Es soll künftig als Tagungsstätte genutzt werden. Foto: ca

Lernen aus dem Grauen der Geschichte

Lüneburg. Jetzt liegt es beim Landkreis: Von den knapp 730.000 Euro an Kosten für den Ausbau eines Tagungszentrums an der Gedenkstätte der Psychiatrischen Klinik hat der Trägerverein den größten Teil zusammen. 107.000 Euro sind noch offen, diesen Zuschuss erhoffen sich die Leiterin der Gedenkstätte, Dr. Carola Rudnick, und ihre Mitstreiter vom Kreis. Am Montag, 13. August, 15 Uhr berät darüber der Kulturausschuss im Hof Konau im Amt Neuhaus.

Die Gedenkstätte erinnert an das Morden während des Nationalsozialismus in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt. Patienten galten als nicht lebenswert, sie wurden getötet, man ließ sie verhungern und an Krankheiten sterben. Auch zu Zwangssterilisationen kam es. Das geschah ebenfalls in anderen deutschen Krankenhäusern, doch in Lüneburg starben Hunderte, darunter Kinder.

„Wir haben zu wenig Platz“

Die Klinik stellt sich seit langem ihrer dunklen Geschichte. Doch den Verantwortlichen geht es um mehr: Nicht nur der Blick zurück sei wichtig, sondern auch das aktuelle Geschehen. Wie geht die Gesellschaft mit Menschen um, die körperliche oder seelische Handicaps besitzen? Wo werden Menschenrechte verletzt? Dabei setzt Carola Rudnick nicht nur auf externe Gäste, sondern gestaltet mit angehendem Pflegepersonal Seminare zu diesen Themen. Kamen 2012 rund 30 Teilnehmer, waren es vergangenes Jahr 830. Dazu kommen Fortbildungen etwa für Lehrer.

„Wir haben zu wenig Platz“, sagt die Wissenschaftlerin. Im alten Wasserturm und Badehaus zeigt die Ausstellung die Schicksale von Opfern und Biografien der Täter im weißen Kittel, Gesprächskreise sitzen mittendrin. Verein und Klinikleitung haben sich daher das seit Jahrzehnten leerstehende Gärtnerhaus für ein Tagungszentrum ausgeguckt.

Stiftung Denkmalschutz sagt Unterstützung zu

Wie berichtet, sollen unter dem Titel Bildungszentrum für Menschenrechte, Sozialpsychiatrie und Begegnung auf zwei Geschossen und rund 150 Quadratmetern Fläche Seminarräume und Büros samt Ausstattung entstehen.

Das Konzept der Verbindung zwischen Geschichte und aktuellen Herausforderungen hat viele überzeugt. „Wir erhalten von mehreren Stiftungen den Höchstsatz dessen, was sie fördern“, sagt Carola Rudnick. So steuern etwa die Klosterkammer, die Hermann-Reemtsma- und die VGH-Stiftung größere Summen bei. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat eine Summe von 100.000 Euro in Aussicht gestellt. Überdies leisten die städtische Gesundheitsholding und die Klinik einen Anteil von einer Viertelmillion Euro.

Bauantrag ist Ende April gestellt worden

Die Leiterin der Gedenkstätte berichtet, dass der Trägerverein mit Vertretern mehrerer Parteien gesprochen und die Ideen vorgestellt habe. Jetzt hoffe man auf grünes Licht durch den Kreistag. Komme das, könne man im kommenden Februar loslegen, wäre im Sommer 2020 fertig: „Den Bauantrag haben wir Ende April gestellt.“ So seien die denkmalrechtlichen Fragen des 1832 als Königlich-Hannoversche Baumschule gebauten Hauses bereits geklärt.

Sollte der Ausschuss die beantragten Mittel von 107.000 Euro verweigern oder nur einen geringeren Zuschuss gewähren, hätte das Konsequenzen. „Wir müssten dann versuchen, bei anderen Stiftungen Mittel zu beantragen“, sagt Carola Rudnick. Das würde den Zeitplan in Gefahr bringen und das Vorhaben angesichts steigender Preise in der Baubranche verteuern.

Erweiterung in Eigenregie

Doch das ist nicht alles. In einem zweiten Schritt plant der Trägerverein, die Gedenkstätte selber umzubauen und zu erweitern. Damit einher ginge eine neue Konzeption der Ausstellung. Für diesen Schritt kalkulieren Carola Rudnick und die Mitglieder des Vereins mit Ausgaben von einer Million Euro. Die Hälfte soll über die Gedenkstättenförderung des Landes kommen. Beantragen können die Aktiven das Geld erst 2020, da zuvor keine Mittel zur Verfügung stünden. Öffnet Hannover die Schatulle, würde auch der Bund Bares überweisen – die zweite halbe Million. So viel habe man in Vorgesprächen klären können, sagt Dr. Rudnick. Aber es müsse eben mit dem Zeitplan für die Bildungsstätte zusammenpassen.

Von Carlo Eggeling