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LZ-Mitarbeiterin Anke Dankers (M.) hat sich im Spielen des Alphorns versucht. Foto: t&w

Tiefe Töne hoch im Norden

Bleckede. Ein paar Gitarren-Akkorde und der Blockflötenunterricht in der Grundschule – das ist alles, was ich an musikalischer Erfahrung auf den Elbdeich in Bleckede mitgebracht habe. Ich will es trotzdem probieren: das Spiel auf dem vier Meter langen Alphorn von Susanne Bormann.

Gerade Haltung einnehmen, Bauch anspannen, Lippen spitzen sind die Tipps, die sie mir noch schnell zuflüstert. Bormann und ihre Mitstreiter der Elbtal-Alphornbläser schauen gespannt, auch der Fotograf ist bereit: Nun zählt es. Ich puste in das überdimensionale Instrument, aber nichts passiert. Meine Atemluft verschwindet einfach im Horn, ich komme mir albern vor. Also noch einmal: gerade stehen, Bauch anspannen und dann… Ein kleines „Tröt“ klingt über den Elbdeich und wird sofort mit einem freudigen „Ja, genau“ honoriert.

Der erste Ton verhallt kläglich

Mein allererster Ton auf dem Alphorn kostet mich viel mehr Luft, als ich angenommen hatte. Nur wenige Sekunden und ich bin außer Atem. Es scheint mir plötzlich eine Mammutaufgabe zu sein, einen echten Ton zu treffen und diesen auch noch zu halten. Und während ich mir immer sicherer werde, dass es gar nicht möglich sein kann, auf dem Alphorn zu musizieren, spielt das Quartett der Elbtal-Alphornbläser bereits eines seiner Stücke.

Vor ziemlich genau zehn Jahren standen zwei der Musikanten schon einmal mit ihren Alphörnern an dieser Stelle des Deichs. Damals haben Jochen Bremer und Heiner Seil die Musikgruppe gegründet. „Ich wollte eigentlich zeitlebens immer schon ein Alphorn spielen“, erinnert sich Jochen Bremer. Er war es, der 2008 seine Liebe zu den Bergen und der Musik vereinte und das Alphorn an die Elbe nach Bleckede brachte. Schon als Kind faszinierten Bremer die riesigen Instrumente, die er bei seinen jährlichen Winterurlauben kennenlernte. Nach einem Fernsehbericht über einen Alphornschnitzer ließ er sich erstmals ein eigenes Horn anfertigen. „Ich dachte, jetzt kriegst du endlich dein Alphorn“, schwärmt er.

Erster Auftritt mit einem Lied

Mit seiner Begeisterung steckte er schnell Heiner Seil an. Die beiden Freunde spielten schon mehr als 40 Jahre das Jagdhorn, hatten also viel Erfahrung mit Blasinstrumenten. „Wir haben gleich gesagt, wir hängen das Alphorn nicht an die Wand. Wir wollen aktiv spielen“, erinnert sich Heiner Seil. Dafür fehlte dem Duo jedoch jemand, der sich etwas besser mit Noten, Komposition und Harmonielehre auskennt. Jemand wie Susanne Bormann. 2009 übernahm die Bleckederin die Leitung der Elbtal-Alphornbläser. Bei ihrem ersten Auftritt in einem Gasthof in Bleckede konnte die Drei gerade mal ein Lied, das sie immer und immer wiederholten.

Der Fahrtwind auf der „Tehtis“ kühlt ein wenig an diesem heißen Sommertag. Das Stahlboot hat abgelegt und die Elbtal-Alphornbläser beziehen Position. Einmal auf dem Wasser spielen, das haben sie sich schon lange vorgenommen. Der Klang soll hier auf der Elbe ganz besonders sein, hofft Susanne Bormann. Inzwischen wurde aus dem Trio, dank Bettina Köllmann, ein Quartett. Inzwischen absolvierten sie einen extra Alphornlehrgang in Garmisch-Partenkirchen, haben die Hörner aufeinander abgestimmt, hatten zudem viele Auftritte, bei Festen oder Festivals. Mittlerweile können sie auch mehr als nur ein Lied, 15 bis 20 sind es wohl, schätzen sie. Und so spielen sie, mitten auf der Elbe, mit Instrumenten aus der Schweiz, Lieder wie „Kein schöner Land“ oder „Hauptmann von Köpenick“.

Konzert aus elf Tönen

Elf Töne lassen sich auf den Alphörnern spielen, aber auch nur für den, der übt. „Es ist ein bisschen wie im Sport, man muss regelmäßig trainieren. Sonst kommen die Töne nur flatterhaft heraus“, erklärt Susanne Bormann. Alle vier Musiker haben jahrelange Erfahrung, Kondition, genügend Luft und vor allem Spaß am Alphornblasen. „Wir sind eine lustige Truppe, lachen sehr viel und passen gut zusammen, trotz des Altersunterschieds“, sagt Jochen Bremer, der mit 76 Jahren drei Jahrzehnte älter ist als das jüngste Mitglied in der Bläsergruppe, Susanne Bormann.

Und so macht das Quartett gerne auch mal Ausflüge außerhalb der wöchentlichen Übungsstunden, wie zuletzt zum Alphornfestival in die Schweiz. Denn dort, wo das Alphorn herkommt, da sind sich alle einig, klingt die Musik einfach am allerbesten. Aber auch auf der Elbe macht sich ein bisschen Alpenatmosphäre gut, und so wollen sie gleich nochmal spielen. „Es macht einfach so viel Spaß. Dass ich das erleben darf“, sagt Jochen Bremer mit funkelnden Augen.

von Anke Dankers