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Das gläserne Begrüßungsschild und die Nebengebäude des Gasthauses Josthof sind nach dem Brand geblieben. Foto: t&w

Salzhausens offene Wunde

Salzhausen. Wie eine offene Wunde klafft die Baulücke im Herzen des historischen Ortskerns Salzhausens. Erst kürzlich wurde der traurige Haufen Bauschutt abgefa hren, der vom altehrwürdigen Gasthaus „Josthof“ übrig geblieben war. Eine Feuersbrunst im April 2017 hatte das denkmalgeschützte Gebäude bis auf die Grundmauern zerstört. Potenzielle Investoren, die die Baulücke schließen wollen, geben sich bereits im Rathaus Salzhausen die Klinke in die Hand. Die Bandbreite reicht vom Immobilienentwickler bis zum Seniorenheimbetreiber. Der Richtige allerdings war noch nicht dabei. Eigentümer Jörg Hansen wollte unterdessen via Facebook von den Salzhäusern wissen, was sie sich wünschen.

Ein Wunsch, der von der Online-Diskussion befeuert wird, ist der nach einem gemeindlichen Veranstaltungszentrum – als kultureller Treffpunkt für Anwohner und Vereine. Das würde ein erhebliches finanzielles Engagement der Kommune erfordern. Und da gießt Wolfgang Krause Wasser in den Wein. Als Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor Salzhausens sagt er: „Ich könnte in meiner Funktion der Politik nicht empfehlen, zulasten der Gemeinde oder der Samtgemeinde ein Begegnungszentrum zu bauen, wegen der zusätzlichen Aufgaben, die wir auch noch haben, speziell bei der Kinderbetreuung.“ Zudem müsste für so ein Zentrum ein Betreiber gesucht werden. Krause weiter: „Gleichwohl bin ich aufgeschlossen für jegliche Art der Gastronomie.“ Zumal mit Festivals wie „A Summer‘s Tale“ oder den Reitveranstaltungen in Luhmülen ein positives Umfeld existiere.

Ein neues Gebäude muss sich in den Bestand einpassen

„Es muss ein substanzielles Konzept vorgelegt werden“, sagt Krause, „dann sind wir als Gemeinde für jeden interessanten Vorschlag aufgeschlossen.“ Aber: „Was wir dort nicht gerne sehen würden, wäre ein Senioren- und Pflegeheim. Dafür gibt es geeignetere Standorte.“

Neben der hohen Erwartungshaltung vieler Seiten kommt erschwerend für einen künftigen Bauherren hinzu, dass für die verbliebenen Nebengebäude des Josthofes immer noch Ensemble-Schutz gilt. Ein neues Gebäude müsste sich in den Bestand einpassen. Krause: „Deshalb kann da keiner einfach ein drei- oder viergeschossiges Haus hinsetzen, um die Frage der Wirtschaftlichkeit zu lösen.“

Auch Eigentümer und Hotelbetriebswirt Hansen weiß nach seiner Facebook-Umfrage: „Viele wünschen sich ein Hotel zurück. Und das darf kein Betonklotz werden, sondern muss sich am alten Josthof orientieren. Dann müsste da aber auch Platz sein für 80 bis 100 Betten, damit sich das rechnet.“ Hansen schätzt den Investitionsbedarf dafür auf sieben bis acht Millionen Euro, die er nicht hat. „Dafür müsste man einen Investor finden.“ Sein Favorit wäre eine Kombination aus Gastronomie und Eigentumswohnungen.

Demnächst rollt wieder der Bagger

Als Zwischenlösung hätte Hansen gerne schon diesen Sommer den Biergartenbetrieb, der dort seit 1994 lief, mit neuem Leben erfüllt. Doch weil das Haupthaus mit der Gastronomie nicht mehr da ist, hätte er beim Kreis Harburg einen Bauantrag zur Nutzungsänderung stellen müssen, sagt er. Vielleicht klappt es nun zum Frühjahr 2019, wenn er in einem der Nebengebäude Toilette und Küche installiert. Und falls zwischenzeitlich ein ernsthafter Investor kommt, und es nötig sein sollte, „habe ich eine Abrissgenehmigung für das linke Gebäude“, sagt Hansen.

Demnächst rollt wieder der Bagger: Am Dienstag soll die Bodenplatte des alten Haupthauses entfernt werden. Dann schlägt die Stunde der Archäologen. Die hoffen, im Untergrund des ehemaligen Josthofes neue Erkenntnisse zutage zu fördern im Herzen des historischen Ortskerns.

Von Dennis Thomas