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Weil Kredite nicht beglichen wurden, soll der rote Backsteinbau in der Stöteroggestraße zwangsversteigert werden. Ein Investor plant derweil, das Haus abzureißen. Foto: phs

Zwangsversteigerung droht

Lüneburg. Nicht nur das von Müll übersäte Grundstück in der Stöteroggestraße hat in den vergangenen zwei Jahren massiv gelitten, auch das Haus selbst dürfte erh eblich an Wert verloren haben. Aus dem Gutachten, das im Amtsgericht Lüneburg einsehbar ist, geht ein Verkehrswert in Höhe von 300 000 Euro hervor. Auf dem 658 Quadratmeter großen Grundstück lastet aber eine erheblich höhere Grundschuld. Die resultiert aus Forderungen der Sparkasse und des Finanzamts.

Dass es überhaupt eine solche Akte gibt, hängt mit einem Termin am Amtsgericht zusammen. So soll der Grundbesitz am 18. September um 10.30 Uhr zwangsversteigert werden. In diesem Fall ist es das Finanzamt, das seine finanziellen Ansprüche durchsetzen möchte und deshalb ein Vollstreckungsverfahren beim Amtsgericht beantragt hat.

Die Hausbewohner schreien Tag und Nacht rum

Wie berichtet, handelt es sich bei der Stöteroggestraße 2 um eine Problemadresse. Nachbarn schildern, dass die Hausbewohner Tag und Nacht rumschreien, Partys feiern, sich auf offener Straße prügeln, ihren Müll in den Tonnen anderer abladen. Als verstörend empfinden sie auch, dass dort jemand wohnt, der so kriminell zu sein scheint, dass eine Verurteilung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung bei all seinen Straftaten nicht mehr ins Gewicht fällt. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft hervor.

Es ist nicht das einzige Haus in Lüneburg, das derzeit für mächtig Ärger bei Nachbarn sorgt. Auf dem Kauf fühlen sich Anwohner gar terrorisiert, längst wird das gelbe Gebäude mit der Nummer 12 als „Horrorhaus“ betitelt (LZ berichtete). Bei beiden Adressen spielt der Name O. C. eine Rolle: Auf dem Kauf vermittelt er die Zimmer als Hauptmieter, bei der Stöteroggestraße sind er und seine Frau als Eigentümer im Grundbuch eingetragen.

Umfangreiche Schäden durch Setzung

Während die Bauaufsicht bei einer Begehung des Hauses im Wasserviertel massive Brandschutzmängel feststellte, hat ein Gutachter bei der Erstellung der Gerichtsunterlagen nur Teilbereiche des Objekts in der Stöteroggestraße besichtigen können. Auf der Internetseite versteigerungspool.de ist zu lesen, dass das 1933 errichtete Wohnhaus „umfangreiche Schäden durch Setzung“ aufweist. „Inbesondere hat sich der Wintergartenanbau augenscheinlich, im Obergeschoss bis in den Dezimeterbereich, vom Haupthaus gelöst.“ Und auch dort seien umfangreiche Rissbildungen vorhanden, heißt es dort weiter. „Auf dem Grundstück befinden sich umfangreiche Ablagerungen von Unrat sowie auch Alt-Kfz und Anhänger. Es stellt sich insgesamt in einem ungepflegten Zustand dar.“

In beiden Häusern wohnen überwiegend Menschen, die zuvor obdachlos waren, Sozialhilfe beziehen und mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen haben. Auf Nachfrage räumt C. ein, dass ihm das Haus in der Stöteroggestraße zwar drei Jahre gehört, er es aber vor sechs Monaten an einen Hamburger Investor verkauft habe. Eine sogenannte Eigentumsübertragungsvermerkung ist auch in den Gerichtsakten zu finden, diese bedeutet jedoch, dass der Kaufvertrag noch nicht abgewickelt wurde, C. in damit noch der Eigentümer ist.

Verträge laufen noch weiter

Zu den Plänen des Investors sagt er: „Er möchte das Haus abreißen und einen Neubau mit sechs Wohneinheiten bauen.“ Die vielfältigen Probleme, die Nachbarn beklagen, kommentiert er so: „Das war damals eine einfache Lösung. Ich habe Kredite, die ich abzahlen muss. Man weiß ja vorher nicht, dass man solche Leute bekommt.“ Gleichzeitig sagt er aber auch: „Ich kann ja Leuten, die Probleme haben, nicht einfach kündigen. Irgendwie muss man sie ja unterbringen.“ Insgesamt würden ihm zehn Immobilien in Lüneburg gehören, die Häuser in der Stöteroggestraße und Auf dem Kauf seien jedoch die einzigen, die Probleme bereiteten.

Auf dem Kreideberg hofft man derweil, dass der geplante Abriss die Probleme löst. Doch das dürfte noch dauern, denn Kauf bricht Miete nicht. Die Verträge laufen also auch dann noch weiter, wenn der Mann aus Hamburg offizieller Eigentümer ist. Dann müsste er den Mietern auch erst einmal kündigen, sich dabei voraussichtlich an die Drei-Monats-Frist halten. Denn ein Abriss stellt kein Sonderkündigungsrecht dar. Im Haus selbst ist noch nicht mal die Information angekommen, dass das Gebäude in andere Hände gehen soll. „Da weiß ich nichts von“, sagt einer der Mieter. „Ich hoffe, dass man uns hier weiter wohnen lässt.“

Von Anna Paarmann

Zur Sache

Versteigerung unrealistisch

Beim Termin im September müsste ein potenzieller Interessent mindestens die Gerichtskosten in Höhe von 4000 Euro bieten, erklärt Rechtspfleger Ulrich Adam. Seine Einschätzung: „Es wird sehr schwer, das Haus zu versteigern. Der potenzielle Ersteher müsste die bestehenden Rechte, die den Verkehrswert deutlich übersteigen, übernehmen und davon ausgehen, dass er die auch sofort bezahlen muss.“ Dass sich jemand findet, der dazu bereit ist, sei sehr unrealistisch. Das weitere Prozedere: Wird kein Gebot abgegeben, hat der betreibende Gläubiger sechs Monate Zeit, die Fortsetzung des Verfahrens zu beantragen. Nach dem zweiten erfolglosen Termin wird es dann aufgehoben. Damit bleibt alles, wie es ist.

One comment

  1. Hanne-Lore Schuh

    angefangen hat diese WG, da war ich noch voller Optimismus, dass daraus was werden kann……aber von Anfang an hat sich immer einer wichtig getan….und das Ruder an sich gerissen……als dann aber Beleidigungen und Bedrohungen …und dann auch noch mein Konto leergeräumt wurde….. habe ich die Segel gestreckt…..es war nur eine Frage der Zeit … bis dieses Ergebnis stand …. den Vermieter hat es überhaupt nicht interessiert…. er hat die Verantwortung einfach abgetreten…….ich habe immer die Nachbarn bewundert……und ich selbst hatte zu dieser Zeit nur die Erfahrung gemacht, dass sie die einzigen sozialen Wesen waren…..und immer hilfsbereit….. Danke nochmals im Nachhinein dafür