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Fährt sein Urzeiten Motorrad: Heinrich Lühr auf seiner selbst zsammengebauten Adler-M 250. Foto: phs

Zeitreise durch die PS-Welt

Bleckede. „Schon um 10 Uhr waren alle 500 Plaketten weg“, resümiert Bernd Wöhlke, Vorsitzender des Vereins Oldtimer-Freunde Elbtal aus Bleckede. Diese Plaketten erhalten die Oldtimer-Aussteller zur Erinnerung. Dennoch wurden weitere Fahrzeuge – Motorräder, Trecker, Nutzfahrzeuge, Wohnwagengespanne – auf den Platz gelassen, sofern sich noch eine Lücke fand. Das 35. Oldtimertreffen ist auch deshalb so beliebt, weil es mit einem großen Teilemarkt verbunden ist. Weit mehr als 100 waren es in diesem Jahr, gewöhnlich bieten 80 bis 90 ihre begehrten Ersatzteile an, erläutert Wöhlke.

Ein Urgestein in Sachen historische Fahrzeuge ist der Bleckeder Heinrich Lühr: Der 86-Jährige hat noch nie ein Auto besessen, fährt bis heute Motorrad. „Das ist das Schönste, was ich noch habe, mit meiner Adler von 1953 durch Buchenwälder oder Rapsfelder zu düsen, einfach herrlich“, schwärmt er. Dabei war die Anschaffung seiner ersten Adler eine reine Vernunftsache, denn er brauchte ein Fahrzeug, um zur Arbeit zu kommen, 64 Kilometer täglich. Da Ersatzteile für das gute Stück rar waren, stöberte er stets auf Teilemärkten und Oldtimerveranstaltungen. Sein Faible sprach sich rum, und so wuchs sein Bestand an Einzelteilen – so sehr, dass er aus ihnen schließlich eine komplette Maschine zusammenbaute. Gute Freunde haben mitgeholfen, denn es sollte ja nicht viel kosten. 2001 war das Duplikat fertig, ebenfalls in Fischsilbergrün. „Die Farbe heißt so, weil ihr gemahlene Fischschuppen beigemengt werden, was dem Lack einen Metalliceffekt verleiht“, ergänzt der stolze Adlerbesitzer.

Alte Schätzchen suchen neue Besitzer

Neu bei der diesjährigen Veranstaltung war, dass vor der Musikbühne – auf der das „The Red Martin Trio“ Rock ’n’ Roll und mehr aus den 50ern spielte – Fahrzeuge zum Verkauf angeboten wurden, die Fachmann Bernd Wöhlke kurz vorstellte. So einen schwarzen Volvo 444, Baujahr 1954, von dem sich Mathias Nienstedt trennen wollte, weil sein Herz jetzt für amerikanische Fahrzeuge schlägt. „Dieser im Volksmund Buckel-Volvo genannte Oldtimer gilt auch als VW der Schweden soll 7500 Euro bringen“, lautete die Ansage. Sollte jemand freiwillig mehr auf den Tisch legen, wollte Nienstedt das Plus dem Hamburger Kinderhospiz Sternenbrücke zukommen lassen. Das passte, denn auch der Erlös der Oldtimer-Tombola gehe an diese Einrichtung, betonte Wöhlke. Hauptgewinn: eine Yamaha RS 100.

Auf der Zeitreise durch die Welt der Motorisierung gab es viel Ohs und „Guck‘ mal, so einen hatte Opa doch“ zu hören. Ein Hingucker war auch der Opel P4 von 1936 mit 1073 ccm Hubraum und 23 PS. „85 km/h ist die Spitzengeschwindigkeit, aber ich fahre meist nur um die 70 km/h“, verrät Besitzer Wilfried Abramowski aus Barnstedt. „Das Wetter darf nicht zu kalt und nicht zu heiß sein“, ist seine Ausflugsdevise. Nicht zu heiß wegen der fehlenden Klimaanlage, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.

Echte Hingucker zeigte auch der Bleckeder Joachim Reimers: einen Opel Olympia mit 1,5-Liter-Motor von 1949 sowie ein Opel Olympia Cabriolet, Baujahr 1936. Reimers wolle sich aus Altersgründen von Zweien seiner drei Schätzchen trennen.

Mittelaltermarkt vor historischer Kulisse

Einen Faible für alte Nutzfahrzeuge hat Eckhard Ziesak aus Neetze. Er stellte seinen blauen Hanomag AL 28, Baujahr 1969 vor. „Den habe ich vor drei Jahren aus Ennepetal in Nordrhein-Westfalen geholt“, erzählt er. Er war damals auf der Suche nach einem Fahrzeug mit Allradantrieb, das schneller als ein Trecker ist sowie eine geschlossene Fahrerkabine hat. Denn ab und zu kommt der trutzige Lkw bei Waldarbeiten zum Einsatz.

Noch ein wenig tiefer eintauchen in die Vergangenheit konnten die Besucher beim historischen Schlossfest gleich um die Ecke. Mittelalterliches Markttreiben unter hohen Bäumen im Schlosspark und Schlosshof gewann durch die historische Kulisse. Ob Drachenglut in der Beerenweinkutsche, Köhlerschänke, Specksteinschnitzen, Kettenkarussell oder Ritterkämpfe in der Knappenschule – es war für Jung und Alt etwas dabei.

Von Dietlinde Terjung