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In Krügers Mode-Video für die Hochschule Offenburg steht das Lüneburger Audimax auf dem Grund des Ozeans. Bild: krüger

Das Audimax am Meeresgrund

Lüneburg/Offenburg. Für seine futuristischen Bauwerke hat Star-Architekt Daniel Libeskind sicher schon viele Standorte auf der Welt in Erwägung gezogen. Ob er dabei auch an den Grund des Ozeans gedacht hat? Genau dort haben jetzt Filmstudenten aus Offenburg das Lüneburger Audimax für ihr Fashion-Video platziert, in der Nachbearbeitung per Computeranimation. Knapp drei Tage lang drehte das zehnköpfige Team um Lüneburger Josua Tobias Krüger im Juli 2017 im Zentralgebäude der Leuphana Universität. Ein Jahr später ist der Clip im Internet zu sehen.

Naturaufnahmen per Computeranimation

Sonnenstrahlen fallen durch die Wasseroberfläche auf das in Seegras gebettete Audimax am Meeresboden, ein Blauwal schwimmt an seiner Fassade vorbei. „Balæna“ lautet der Titel des Videos, „das bedeutet Wal auf lateinisch“, so Krüger. Beim Blick ins Innere werden die geometrischen Formen des Gebäudes in Szene gesetzt, erst dann tritt eine junge Frau in Natur-Kleidung an die Balustrade und zeigt, worum es eigentlich geht: Mode. Der Berliner Designer Tim Labenda hat seine Kollektion für Krügers Semesterarbeit zur Verfügung gestellt, präsentiert wird sie von Model Lucia Grell. Sie verkörpert eine junge Frau, die sich nach der Natur sehnt.

„Mit den abstrakten Formen des Gebäudes wollten wir bewußt einen Kontrast zu der organischen, natürlich Mode setzen“, erzählt Krüger. Der 24-Jährige studiert inzwischen im 7. Semester Mediengestaltung mit Schwerpunkt Film an der Hochschule Offenburg und war bei der Filmproduktion für Konzeption, Regie, Schnitt und Farbkorrektur zuständig. Während des Drehs arbeitete das Team mit einem so genannten „Green Screen“, der dafür sorgte, dass die Naturaufnahmen außerhalb des Gebäudes im Nachhinein eingesetzt werden konnten. Die entpuppten sich als echte Herausforderung. „Eigentlich wollten wir dabei auf bestehende Aufnahmen zurückgreifen, doch das war alles schwieriger als gedacht“, erzählt Krüger. In aufwendiger Kleinarbeit konzipierte er deshalb mit seinem Studienkollegen Robin Roeske per Computeranimation die Meereslandschaft und fügte sie schließlich in den Film ein.

Balæna from Josua Tobias Krüger on Vimeo.

Die Arbeit zahlt sich aus

Ein Lernprozess, der zum Erfolg führte. Zwar war die Filmproduktion quasi eine Trockenübung und wird vom Modelabel nicht für Werbezwecke eingesetzt, trotzdem erhielt Krüger nach der Veröffentlichung im Internet bereits viel positive Resonanz. Die Bewertung an der Hochschule Offenburg fiel sehr gut aus und auch an der Leuphana Universität in Lüneburg kommt das Video an. „Mich hat der Film sehr beeindruckt und ich fand es äußerst kreativ, auf diese Weise mit dem Gebäude umzugehen. Eine spannende Sichtweise!“, erklärt Henning Zühlsdorff, Pressesprecher der Leuphana Universität, der sich im vergangenen Jahr dafür eingesetzt hatte, dass das Team im Audimax drehen darf.

Und auch in der Modewelt konnte Krüger mit seinem Film schon ein wenig mitmischen. Beim „Berlin Fashion Film Festival“ im Juli wurde der Clip für den „Online Show Room“ nominiert. Dort winken zwar keine Preise, aber Zuschauer. Bei kommenden Film Festivals hofft Krüger nun auf weitere Erfolge.

von Katja Grundmann

One comment

  1. Kann man auch als Allegorie anschauen. Der „antifaschistische“ Zinkplattenpanzer ist in einem Ozean von Lügen, Schulden und verlorenen Illusionen abgesoffen und auf den Grund enttäuschter Erwartungen gesunken. Zugleich wird das Wesen, das zentrale Entstehungsmotiv und der eigentliche Zweck des Libeskind-Baus offenbart: REKLAME.