Dienstag , 25. September 2018
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Rund 50 Bürger waren zum zweiten Informationsforum über den Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel gekommen. (Foto: fw)
Rund 50 Bürger waren zum zweiten Informationsforum über den Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel gekommen. (Foto: fw)

Abfälle bei Krümmel-Rückbau unbedenklich?

Marschacht. Mit hohen Erwartungen kamen jetzt rund 50 Bürger zum zweiten Informationsforum zum Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel. Experten des Kraftwerkes, eines Öko-Institutes und der Gesellschaft für Zwischenlagerung beziehungsweise des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit referierten über die Abfälle beim Rückbau und deren Entsorgung. Dabei wurden nicht alle Erwartungen erfüllt.

„Ehrlich gesagt verstehe ich fast nichts“, klagte eine Besucherin aus der Elbmarsch angesichts der hohen Dosen physikalischen Fachwissens, die vor allem bei den Vorträgen zum Thema Strahlung und Dekontamination gefordert waren. Erst bei den Referaten zur Zwischen- und Endlagerung wurde es einfacher. Zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings einige Zuhörer längst aufgegeben. „Meine Physik-Kenntnisse reichen wohl nicht. Ich gehe nach Hause“, sagte ein Zuhörer resigniert.

Rückbau dauert zehn bis 15 Jahre

Über die einzelnen Rückbauschritte und die geplante Zeitschiene war in einem ersten Dialogforum im Juni in Scharnebeck informiert worden. Zehn bis 15 Jahre soll der Rückbau des Kernkraftwerkes dauern, hatte Kraftwerksleiter Torsten Fricke berichtet und die Abbauphasen bis zur Nachnutzung der Flächen erläutert. Die entsprechende Genehmigung zum Rückbau wird Mitte 2020 erwartet. Allein das Verpacken der Brennelemente in Castoren werde mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen, so Fricke im Juni. Beim zweiten Forum ging es nun um die Abfälle, die beim Rückbau entstehen. 541 000 Tonnen. Mehr als 90 Prozent davon seien unbedenklich, lediglich 1,5 Prozent seien radioaktive Abfälle, heißt es im Forum.

Nach der Begrüßung durch Harburgs Landrat Rainer Rempe, der gemeinsam mit Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt zu dem Forum eingeladen hatte, informierten zunächst Fricke und Wolfgang Schappert, Fachbereichsleiter Überwachung in Krümmel, über Strahlungsarten sowie deren Auswirkung und setzten die Grenzwerte, die für die Abfälle gelten, in Relation zur Strahlung, der jeder Mensch durch natürliche Strahlung oder durch Untersuchungen oder seine Gewohnheiten ausgesetzt ist.

Sieben Deponien in Schleswig-Holstein

Christian Küppers vom Öko-Institut in Darmstadt ergänzte dann die Grenzwerte für die Freigabe der Abfälle. Sein Ergebnis: Die mittlere Dosis durch natürliche Strahlung in Deutschland liegt weitaus höher als die Grenzwerte, die bei der Freigabe von Abfällen aus dem Rückbau angelegt werden. Der Freigabewert sei nicht unbedenklich, argumentiert dagegen das Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom, das im Rahmen des Informationsforums ebenfalls mit einigen Stellwänden präsent war. „Jede Strahlung birgt ein Gesundheitsrisiko“, so die Haltung des Aktionsbündnisses. Das sieht der Gesetzgeber anders, und so sollen die freigegebenen Abfälle aus Krümmel in sieben Deponien in Schleswig-Holstein landen.

Darüber, was mit den radioaktiven Abfällen aus dem Rückbau geschehen soll, informierten Burghard Rosen von der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung und Dr. Ingo Bautz vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit. Fest steht, dass erst einmal in Krümmel zwischengelagert wird. Dafür ist die BGZ, eine Gesellschaft des Bundes, zuständig, die die Zwischenlager von Vattenfall in den nächsten Jahren übernimmt. Nach der Fertigstellung von Schacht Konrad als Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollen die Abfälle aus Krümmel dann dort eingelagert werden.

Das nächste Forum findet am 16. Oktober wieder in Scharnebeck statt.

Von Franzis Waber

2 Kommentare

  1. Die Materie ist kompliziert, dass machen sich die Verantwortlichen zu Nutze und hängen die Betroffenen und leider auch die Redakteure durch fragwürdige Zahlenspiele ab. Die Strategie ist erprobt: Verharmlosung durch Relativierung. Grobe Fehler in der Berichterstattung unterstützen medial die Beschwichtigungskampagnen der Atomindustrie und die von dieser bezahlten Institute und „Wissenschaftler“, die dann den Freifahrtschein für die Verteilung der radioaktiven Fracht auf Deponien im ganzen Land aushändigen. Allein der nicht unerhebliche Fehler der Mengeneinschätzung in diesem Artikel ist bezeichnend: Aus der geschätzten Krümmel-Abfallgesamtmasse von 541.000 Tonnen werden dann mal eben nur 541 Tonnen. Eine seltsame Reduzierung, die das Deponie- und Recyclingproblem erheblich entspannt hätte. Die Realität sieht leider anders aus und ist u.a. hier nachzulesen: http://www.baesh.de

    • Da hat sich in der Tat ein Fehler eingeschlichen. Die Abfallmasse wird auf rund 540.000 Tonnen geschätzt. Wir haben das korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis. bol/LZonline