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Die Bebauungspläne auf dem Gebiet zwischen Reppenstedt und Lüneburg sorgen für erheblichen Streit. (Foto: t&w)
Die Bebauungspläne auf dem Gebiet zwischen Reppenstedt und Lüneburg sorgen für erheblichen Streit. (Foto: t&w)

Bürgerprotest – bevor die Bagger rollen

Lüneburg. Die Planungen für ein Wohn- und Gewerbegebiet im Grüngürtel West zwischen Lüneburg und Reppenstedt, die Oberbürgermeister Ulrich Mädge Ende April erstmals öffentlich machte, haben die Grünen von Anfang abgelehnt. Sie kritisieren den klimaschädlichen Flächenfraß und den drohenden Verkehrsinfarkt, der aus der Bebauung resultiere.

Um mit vereinten Kräften die Pläne zu stoppen, wollen der Ortsverband Lüneburg, die Stadtratsfraktion der Grünen, die Reppenstedter Grünen sowie der Ortsverband Gellersen den Bürgerprotest anstoßen. Dazu laden sie unter dem Motto „Grüngürtel sichern“ am Mittwoch, 22. August, um 19 Uhr ins Gesellschaftshaus der Psychiatrischen Klinik Lüneburg ein. Ziel der Veranstaltung: die Gründung einer interkommunalen Bürgerinitiative.

Wie berichtet, sollen für den Digitalcampus drei Baugebiete entstehen: eins im Umfeld der Uni Volgershall, eins im Westen auf Lüneburger Gebiet, ein weiteres angrenzend auf Reppenstedter Gebiet. Nicht nur die Grünen, sondern auch die Linke im Stadtrat und Umweltverbände lehnen das ab, weil es dadurch zur Bebauung des Grüngürtels komme.

Pläne widersprechen Ratsbeschluss vom Oktober 2014

Die Mitgliederversammlung des Ortsverbandes der Lüneburger Grünen hatte Anfang Juni klare Position bezogen: Erhalt des Grüngürtels – ohne Wenn und Aber. Denn die Pläne des Oberbürgermeisters widersprächen dem Ratsbeschluss vom Oktober 2014. Im Beschluss heiße es, dass „der Landschaftsraum im Westen … planerisch langfristig für den Natur- und Landschaftsschutz und die Naherholung gesichert wird. Bei der Aktualisierung des Landschaftsplanes und des Flächennutzungsplanes sowie der Überarbeitung des Landschaftsrahmenplanes des Landkreises sollen diese Flächen von Bebauung und Verkehrsflächen frei gehalten werden.“ Der Ortsverband der Grünen Lüneburg lehne zurzeit jegliche Planungen der Verwaltung und Auftragsvergaben an Planungsstellen und -büros für die Ausweisung von Baumaßnahmen in dem Bereich ab.

„Im Lüneburger Rathaus wird zwar über Nachhaltigkeit geredet, aber es wird eine Siedlungspolitik mit zusätzlichem, Verkehr und mehr Versiegelung betrieben.“ Volker Butenschön, Grüne-Ortverbandschef

Doch Ende Juni votierte der Bauausschuss der Stadt mit den Stimmen von CDU und SPD für einen Antrag der Verwaltung, wonach diese Angebote von Planungsbüros einholen soll, die den Flächennutzungsplan ändern und Bebauungspläne erstellen sollen. Die Jamaika-Gruppe ging damit getrennte Wege.

Grüne und FDP hatten in die Sitzung einen Änderungsantrag eingebracht, hinter den sich auch die Linke stellte. Darin hatten sie deutlich gemacht, dass sie mit Blick auf den Erhalt des Grüngürtels West nur bei den Planungen für den Digital-Campus im direkten Umfeld der Uni mitgehen. Das fand keine Mehrheit.

Für die Grünen ist dieser Beschluss ein Indiz, dass der erste Schritt zur Bebauung des Grüngürtels West getan und der Aufstellungsbeschluss für die Bebauungspläne nur eine Frage der Zeit ist. Nur mit der Kraft der Bürger vor Ort könnten die Pläne noch gestoppt werden. Deshalb laden sie zu der Informations- und Mobilisierungsveranstaltung ein.

Siedlungspolitik mit zusätzlichem, klimaschädigendem Verkehr

Dieser Sommer mit Extrem-Wetter stehe nicht für alle künftigen Sommer, sagt Volker Butenschön, Vorsitzender des Ortsverbandes. „Aber er steht im Trend für die Konsequenzen des Klimawandels, die auch in den politischen Entscheidungen auf kommunaler Ebene eine Rolle spielen müssten.“ Doch im Lüneburger Rathaus werde zwar über Nachhaltigkeit geredet, aber es werde eine Siedlungspolitik mit zusätzlichem, klimaschädigendem Verkehr und mehr Versiegelung betrieben.

Für Oliver Glodzei, grüner Fraktionssprecher im Reppenstedter Rat, forcierten die Pläne von Oberbürgermeister Mädge weiter die Eingemeindung von Reppenstedt. „Kann er aber vergessen.“ Und er warnt vor der Neuauflage der Pläne für eine Westumgehung. Oliver Kraemer, Sprecher des Ortsverbandes der Grünen in Gellersen, verweist darauf, dass seine Partei einen „guten Zulauf“ an Neumitgliedern habe, die sich für den Erhalt des Grüngürtels und gegen die Bebauungspläne engagieren wollen. Neben Umweltzerstörung und Flächenversiegelung sei ihnen die drohende Eingemeindung Reppenstedts ein wichtiges Thema.

Stand in der Bäckerstraße

Infos zur Lage

Die Grünen in Lüneburg werden an diesem Sonnabend, 18. August, in der Zeit von 10 bis 14 Uhr, mit einem Stand in der Bäckerstraße die Bürger über das Thema Grüngürtel und die aktuellen Entwicklungen informieren.

Von Antje Schäfer