Mittwoch , 26. September 2018
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Schäfer Stefan Erb mit seiner Herde auf dem neuen Deich bei Alt Wendischthun: Erst durch die Freigabe unter Schutz stehender Flächen hat der Halter wieder ausreichend Futter für seine Tiere. (Foto: t&w)
Schäfer Stefan Erb mit seiner Herde auf dem neuen Deich bei Alt Wendischthun: Erst durch die Freigabe unter Schutz stehender Flächen hat der Halter wieder ausreichend Futter für seine Tiere. (Foto: t&w)

Dürre bedroht Berufsschäfer

Bleckede. Alarm schlägt der Förderverein der Deutschen Schafhaltung. „Die Dürre in Deutschland treibt Berufsschäfer in die Insolvenz“, befürchtet der Vorsitzende Wendelin Schmücker aus Winsen/Luhe. Er sagt, die Not sei mittlerweile so groß, dass bereits erste Betriebe die Schafhaltung aufgeben müssten. „Futter für Tiere auf Weiden und Deichen ist nicht mehr oder nur gering vorhanden, der Aufwuchs für Winterfutter sehr mager“, so Schmücker. Ihm zufolge fehlten zwischen 30 bis 70 Prozent der üblichen Grundfuttermenge. Seine Forderung: eine schnelle und unbürokratische Verteilung von Finanzmitteln an alle betroffenen Betriebe, etwa als Aufschlag auf die Direktzahlungen.

Schäfer Stefan Erb aus Bleckede berichtet, dass die Grasmahd auch bei ihm um die Hälfte weniger Ertrag eingebracht habe als sonst üblich. „Außerdem wurden unsere Flächen bereits großräumig von den Schafen abgenagt“, sagt er. Für die wirtschaftliche Not der Schäfer macht er aber nicht allein die Dürre verantwortlich. „Mit dieser Extremsituation kommen viele Schäfer grundsätzlich klar. Wir sind beweglich und können an verschiedenen Stellen unsere Schafe hüten.“

„Die Lage hat sich glücklicherweise spürbar entspannt. Hut ab vor der Entscheidung.“ Stefan Erb, Schäfer am Heisterbusch

Vielmehr stimmt für ihn das Große und Ganze rund um die Berufsschäferei nicht. „Betriebe müssen bessere Vergütungen erhalten für öffentliche Aufgaben, die sie übernehmen, wie zum Beispiel die Heidepflege.“

Stefan Erb bewirtschaftet rund 300 Hektar in der Elbmarsch zwischen Artlenburg und Alt Garge. Zudem beweidet er im Auftrag des Artlenburger Deichverbandes mit sechs Herden, die rund 1500 Muttertiere zählen, den Elbdeich zwischen Bleckede und Avendorf. Die Herden sind wichtig für den Hochwasserschutz. Weil die Tiere das Gras kurz halten, wird die Narbe dicht und der Deich fest. Doch es gibt noch einen Effekt, der die Deiche stabil macht, und den sich die Menschen schon seit Jahrhunderten zunutze machen. Schafe haben den sogenannten goldenen Tritt. Sie treten Löcher, Mäusegänge und Maulwurfhügel beim Grasen zu.

Beweidung nötig für Erhalt wichtiger Lebensräume

Die lange Trockenheit treibt Stefan Erb dennoch ein paar Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir müssen zufüttern, aber die Lage hat sich seit kurzem glücklicherweise spürbar für meinen Betrieb entspannt“, berichtet er. Grund dafür ist die Entscheidung der Verwaltung des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue in Hitzacker, eigentlich streng geschützte Flächen im Deichvorland an der Elbe für Schafherden freizugeben. „Hut ab vor der Entscheidung!“, lobt Erb. „Dadurch dürfen wir mit unseren Tieren jetzt auf Flächen, die wir sonst nicht nutzen können. Dort finden die Schafe Nahrung wie etwa Brennnesseln, Schilf oder Disteln.“

Der zuständige Dezernatsleiter Dr. Franz Höchtl sagt, es sei für die Biosphärenreservatsverwaltung selbstverständlich, dass die Schäfer an der Elbe schnell und unbürokratisch unterstützt werden. „Die Schafbeweidung an der Elbe ist nötig für den Erhalt wichtiger Lebensräume. Und weil das Futter für die Herden zurzeit knapp ist, helfen wir ihnen in der Not“, so Höchtl.

Trotz der Hilfe kann sich die Lage für Stefan Erb wieder zuspitzen, je näher die kalte Jahreszeit rückt. „Noch ist nicht genug Winterfutter vorhanden. Deshalb hoffe ich auf Regen spätestens im September, sodass noch ausreichend viel Gras hochwachsen kann und wir ein weiteres Mal mähen können“, sagt er. Sollte es tatsächlich so kommen, wird er das Gras als Silage einlagern. „Schafe kommen damit als Futter gut klar.“

Zudem hat der Schäfer begonnen, seinen Tierbestand großzügiger als in anderen Jahren zu reduzieren. „Es ist üblich, vor dem Winter Schafe auszusortieren, rund 15 bis 20 Prozent des Bestandes zu verkaufen“, erklärt er. „Alte Tiere kommen raus, junge nach dem Winter neu“, erläutert er das Herden-Management. Als Folge der Dürre und der daraus resultierenden Futterknappheit hat er sich dieses Mal jedoch von 25 Prozent seiner Tiere getrennt und damit 150 Schafe weniger, die er in den Wintermonaten durchfüttern muss.

Von Stefan Bohlmann