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Azemerei Ahmadi (v.l.), Najeeb Fazli, Jawad Issai, Mohammad Yassin Sediqi und Emal Ghiyasi vor der Unterkunft am Vrestorfer Weg. Eine Zeit lang haben die Afghanen in dem umstrittenen Haus Auf dem Kauf 12 in Lüneburg gewohnt, es dort aber nicht ausgehalten. (Foto: t&w)
Azemerei Ahmadi (v.l.), Najeeb Fazli, Jawad Issai, Mohammad Yassin Sediqi und Emal Ghiyasi vor der Unterkunft am Vrestorfer Weg. Eine Zeit lang haben die Afghanen in dem umstrittenen Haus Auf dem Kauf 12 in Lüneburg gewohnt, es dort aber nicht ausgehalten. (Foto: t&w)

Wieder am Anfang

Lüneburg. Mohammad Yassin Sediqi hockt auf der Stufe einer kleinen Steintreppe, als er von seinen Schulden erzählt. Es ist ein sonniger, warmer Tag. Ein kräftiger Apfelbaum, der bereits erste Früchte trägt, spendet Schatten in dem Garten, in dem die fünf jungen Männer aus Afghanistan zusammengekommen sind. Sie sind regelmäßig dort, etwa um gemeinsam mit Monika Bösmann ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Das idyllisch gelegene Haus der Lüneburgerin ist nur wenige Hundert Meter von der Flüchtlingsunterkunft am Vrestorfer Weg entfernt. Dort wohnen Sediqi und seine Freunde. Wieder. Eine Zeit lang waren sie nah dran am Geschehen, hatten Zimmer mitten in Lüneburg. Doch die Adresse Auf dem Kauf 12 brachte ihnen nichts als Ärger, den Umzug bereuen die Geflüchteten bis heute. Dabei haben sie dem Haus bereits vor knapp einem Jahr den Rücken gekehrt.

„In einem Zimmer, das ansonsten völlig leer war, lagen manchmal zwei bis drei Leute auf der Erde.“ Monika Bösmann

Drei Jahre ist es her, dass sie aus Afghanistan nach Deutschland kamen, kennengelernt haben sie sich jedoch erst in der Unterkunft. In der Anfangszeit legten sie die fünf Kilometer zum Platz Am Sande fast täglich zurück. Dort gibt es freies Internet – die Möglichkeit, Kontakt zu den Menschen aufzunehmen, die sie in ihrer Heimat zurücklassen mussten.

Bösmann erinnert sich noch gut an den Tag, als „ihre Jungs“ von dort zurückkehrten und aufgeregt bei ihr klingelten. „Ein Mann hatte sie Am Sande angesprochen und ihnen Zimmer in Lüneburg angeboten“, erzählt sie. „Sie hatten nichts weiter als eine Telefonnummer, da habe ich dann angerufen.“ Am anderen Ende der Leitung hatte sie den Hauptmieter des Gebäudes im Wasserviertel. Sie verabredeten sich für eine Besichtigung. Dabei hinterließ nicht nur das geräumige gelbe Giebelhaus einen bleibenden Eindruck. „Er erzählte mir von seinem guten Herz für Flüchtlinge.“

Vermieter stellte Sprinter und Fahrer

190 Euro hatte das Sozialamt jedem der jungen Männer für die Erstausstattung ausgezahlt, mit der Summe machte sich Bösmann auf die Suche nach gebrauchten Möbelstücken. Dabei war sie auch erfolgreich, kaufte beispielsweise Sofas für kleines Geld. Doch für den Möbeltransport reichte das Geld nicht, da bot der Vermieter seine Hilfe an. „Er hat mir seinen Sprinter und einen Fahrer für zwei Nachmittage zur Verfügung gestellt“, erzählt sie. Gesagt, getan. Im Juni 2016 zogen die Afghanen ein. Für sie der Jackpot. Ein Zimmer in der „Hauptstadt“, wie sie Lüneburg nennen. Wenige Minuten vom Platz Am Sande entfernt.

Doch nur wenige Monate später war die Freude über die neue Bleibe wie weggeblasen. Die Wohnsituation verschlechterte sich rapide. Mohammad Yassin Sediqi erzählt von fehlenden Notausgängen, einem „Riesenberg“ Müll im Hof, lediglich drei Stunden Warmwasser am Tag, zwei Toiletten und zwei Duschen für insgesamt 14 Zimmer und deutlich mehr Bewohner. „Für die einzelnen Zimmer gibt es keine eigene Klingel. Hatte nachts jemand Besuch, waren gleich alle wach.“

Auch seien viele Räume dem Sozialamt gegenüber als deutlich größer angegeben worden, erzählt er und nennt ein Beispiel. „Ein Zimmer sollte 18 Quadratmeter groß sein, hatte aber nur 9.“ Zudem seien manche Räume mehrfach belegt gewesen. Das bestätigt auch Bösmann, die dort mehrere Male zu Besuch war. „In einem Zimmer, das ansonsten völlig leer war, lagen manchmal zwei bis drei Leute auf der Erde.“

Sediqi sagt, dass er und seine Freunde 430 Euro Miete zahlen mussten, ohne Strom. Anfangs, als sie noch keinen Job in Lüneburg gefunden hatten, habe das Sozialamt die Miete direkt an den Vermieter überwiesen. Später habe dieser das Geld bar eingefordert und auch persönlich eingesammelt. „Sonst war er mit dem Mikroskop nicht zu finden“, sagt der junge Mann, der auch von ständig wechselnden Handynummern und Bankverbindungen berichtet.

Mieter stottern Darlehen für die Kaution ab

Nur ein Jahr nach dem Einzug hatten sie gemeinsam mit ihren Sozialarbeiterinnen die Kündigung aufgesetzt und wieder die Container zwischen Lüneburg und Adendorf bezogen. Ihre Kaution haben sie bis heute nicht zurückerhalten. Die geforderten 990 Euro hatten sie damals nur aufbringen können, weil sie Darlehensverträge mit dem Sozialamt unterzeichneten. Die Summe stottern sie nach wie vor in monatlichen Raten à 20 Euro ab.

Monika Bösmann hatte sich im Oktober an den Vermieter gewandt und darum gebeten, die Endabrechnung zu erstellen. Er vertröstete sie bis zum Jahresende, doch auch Anfang 2018 passierte nichts. Bösmann hat seitdem viele Anläufe unternommen, zuletzt zwei Aufforderungen zur Rückzahlung der Mietkaution per Einschreiben an die Privatadresse des Mannes geschickt. Auf eine Antwort wartet sie bis heute vergeblich.

Der LZ liefert der Vermieter folgende Begründung: Durch das Verhalten einiger Mieter seien Schäden am Mobiliar entstanden, zudem seien manche ohne Ankündigung einfach ausgezogen. „Aufgrund dessen bestehen meinerseits gegen einige wenige Mieter erhebliche Gegenansprüche, sodass ich die Kautionen dieser verrechnet habe.“ Die Endabrechnungen sollen aber noch erstellt werden. Zur Mietfläche sagt er, dass sich diese nicht nur aus der reinen Größe des dem jeweiligen Mieter zugewiesenen Zimmers ergebe. „Es handelt sich um eine Wohngemeinschaft.“ Deshalb gäbe es allgemeine Räume wie Wohnzimmer, Innenhof und Küche. Diese Flächen seien „natürlich“ anteilig mit vermietet worden.

Von Anna Paarmann

One comment

  1. Was sagen dazu denn unser allgegenwärtiger OB und der Landrat?
    Öffentliche Gelder des Sozialamts an offensichtliche Betrüger-Vermieter zu zahlen?

    Seit Jahren ist diese Masche von oft „deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund“ sogar in Zeitungen wie „DIE ZEIT“ – die nun nicht für rechtspopulistische Panikmache oder Ausländerhass bekannt ist – zu lesen.

    Wurde jemals von unserer Sozialverwaltung oder dem Ordnungsamt überprüft, wofür alles Miete gezahlt wird?

    Bitte eine Antwort nicht: kein Personal, kein Geld. Oh nein!

    Der Skandal ist: dass sog. liberale und gut meinende Politiker und Beamte seit Jahren bewusst wegsehen. Und wer muss dafür bezahlen? Neben den Steuerzahlern – ehrliche Afghanen.

    Diese Verlogenheit unserer kirchenlinksgrünen Sozial-Bewegten, die alles bewegen wollen, nur nicht sich selbst und ihre wolhlfeile Eigensicht und Moralattitüden, ja, die hasse ich inzwischen. Diese bornierte Haltung – nicht die Menschen.

    Und wer wird JETZT endlich aktiv?
    Immerhin berichtet die LZ jetzt mal über die Realitäten ungeschminkt – nachdem die Polizei die Straße bereits absperrt, wo solche Machenschaften seit Jahren laufen. Besser spät, als nie.

    Mann Mann Mann.
    Wir wollen allen helfen – und fördern die kriminelle Szene. Super. Beamtendenke und Kirchenmoral führen zu solchen Ereignissen, wer dies kritisiert, war ein Menschenfeind, so unsere ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und viele Grüne und Linke im Originalton. Wem hat es am meisten genutzt? Der identitären Szene, den Sozialträgern und den Kriminellen.

    Duale Ausbildung als vorbereitetes und bei Ankunft verpflichtendes Programm für Migranten?
    Darüber redet nach einem Jahrzehnt weiterhin niemand. Es wird auch von keiner Kirche oder Partei vorgeschlagen oder Verwaltung endlich vorbereitet. Lieber Milliarden an korrupte Eliten in die Sahel-Zone. Das ist der neueste Dreh. Da werden ebenfalls Staatsgelder an kriminelle Clans verteilt, wie in Lüneburg durchs Sozialamt für Pseudo-Wohnungen…

    Das ist nachhaltig… fatal falsch.