Donnerstag , 20. September 2018
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Oberstleutnant Michael Hoppstädter bittet zum Tag der offenen Tür in die Kaserne. Nahe der Wache wollen Militärgegner demonstrieren. (Foto: t&w)
Oberstleutnant Michael Hoppstädter bittet zum Tag der offenen Tür in die Kaserne. Nahe der Wache wollen Militärgegner demonstrieren. (Foto: t&w)

Eine Demo zum Tag der offenen Tür

Lüneburg. Es ist die übliche Verbindung: Die Bundeswehr lädt zu einer öffentlichen Veranstaltung, dagegen formiert sich Protest. Am Sonnabend, 18. August, bittet das Aufklärungslehrbataillon zu einem Tag der offenen Tür in die Theodor-Körner-Kaserne am Ende der Bleckeder Landstraße. Standortältester Oberstleutnant Michael Hoppstädter rechnet mit rund 3000 Besuchern, die unter anderem zur Waffen- und Geräteschau kommen und mit den Soldaten ins Gespräch kommen möchten. Einen musikalischen Rahmen setzt das Lüneburger Stadtorchester, das nach der Auflösung des Heeresmusikkorps 3 dessen ehemalige Proberäume nutzen kann. Hoppstädter sagt: „Im vergangenen Jahr fand der Rückkehrer-Appell auf dem Marktplatz statt, in diesem Jahr laden wir zu uns in die Kaserne ein.“

Angesagt haben sich auch Demonstranten. Das Lüneburger Bündnis gegen Militarismus kritisiert: „Ein vergnügungsreiches Fest im Kasernengelände verschleiert die eigentliche Verwendung von Soldatinnen und Soldaten und ihren Waffen: Kriegsgerät ist zum Töten da, und Soldaten werden dazu ausgebildet, damit auf andere Menschen zu schießen. Somit ist die Bundeswehr kein normaler Arbeitgeber, wie sie mit immer neuen Werbefeldzügen glaubhaft machen will.“ Bis zu 100 Militärgegner werden erwartet. Die Polizei geht von friedlichem Protest aus: „Aber wir behalten das im Blick.“

Keine Anzugkontrolle

Das Ganze hat eine gewisse Ironie. Die Demonstranten dürfen sich nahe der Wache versammeln. Da auch das Areal vor dem Zaun eine Liegenschaft der Bundeswehr ist, hätte Hoppstädter sein Hausrecht ausüben und den Protest quasi ein paar Hundert Meter abdrängen können. Etwas Ähnliches ist ihm passiert: Als er im Juni an einer bundeswehrkritischen Veranstaltung des „Vereins zur Förderung von Kommunikation und Streitkultur“ teilnehmen wollte, war ihm und seinen Begleitern der Zugang verwehrt worden: Teilnehmer in Uniform seien nicht erwünscht. Der Oberstleutnant hatte das damals kritisiert: Zur Demokratie gehöre, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.

Der Offizier sagt: „Bei uns gibt es keine Anzugkontrolle. Wir sind eine Armee der Demokratie, Demokratie lebt vom Dialog – da kann man auch kundtun, dass man die Bundeswehr für etwas Schlechtes hält.“ Er stellt allerdings auch klar: Nicht hinnehmbar sei es beispielsweise, wenn die Zufahrt blockiert werde: „Das ist ein Rettungsweg.“ Der Tag der offenen Tür dagegen solle mit dazu beitragen, die Bundeswehr und die in Lüneburg stationierten Truppenteile und Verbände wieder mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, heißt es in einer Ankündigung. Deshalb setze man von 11 Uhr an auf ein vielfältiges Programm. Einlass ist bereits um 10.30 Uhr.

Von Carlo Eggeling

12 Kommentare

  1. Auf welcher Seite wohl mehr Besucher“innen kommen?

  2. Mal sehen, wer dann die Mitglieder des selbsternannten „Bündnis gegen den Militarismus“ verteidigt, wenn in Europa mal wieder eine miltärische Krise oder bewaffnete Auseinandersetzung eintritt. Das blanke Schmarotzertum.

  3. “ Zur Demokratie gehöre, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.“ Ach ja… war wohl nicht der Fall. Also weit weg auf der Wiese eine Kundgebung, okay hat die BW großzügig genehmigt, aber als Kriegsgegner*innen sich das Spektakel anschauen wollten und dabei ein Banner in Sichtweite des Objektes des Protestes zeigen wollten… so klein das Banner war, wurden sie mit Gewalt zurück gedrängt. Obwohl ein kleines Banner (Kopfkissen groß) weder Fluchtwege versperrt noch den Ablauf einer solchen Veranstaltung stört. Also nö Bundeswehr und Demokratie vertragen sich absolut gar nicht! Und die Soldaten sind nicht mal fähig einen Rollstuhl zu bewegen, sie haben den Rollstuhl einer Demonstrantin durch gewaltsames unfachgerechtes Anfassen erheblich beschädigt, ja wegen eines Banners, das sie nicht sehen wollten. Und solche Menschen haben dann Waffen in den Händen?!
    Waffen lösen keine Konflikte, sie verschärfen diese! Krieg ist Terror – nur mit mehr Geld.

    • Erheblich beschädigt , lachhaft .Die Demonstrantin wurde durch Feldjäger vom Platz gebracht , fertig.
      Da ist nichts beschädigt worden ,ich war direkter Augenzeuge .
      Warum immer diese extremen Ausschmückungen des tatsächlichen Vorgangs ?
      Hört sonst keiner mehr zu ?
      Denkt mal drüber nach .

    • Ich hoffe doch sehr das sie noch nicht soweit sind ihre eigene Propaganda zu glauben. Sie glorrifizieren hier ihre „Aktion“ (3-7 Personen) und versuchen der Bundeswehr, Rechtsbruch und Gewalt zu unterstellen. Sie haben die Möglichkeit bekommen auf dem Gelände der Bundeswehr zu Demonstrieren, was nicht selbstverständlich ist !,
      haben sich nicht an das was im Vorfeld vereinbart wurde gehalten und beschweren sich jetzt.
      Ich denke wenn man die Besucherzahlen und die der Demonstranten gegenüber stellt, ist ALLES gesagt.

  4. hat unser militär schon mal einen krieg gewonnen?

  5. Schade, wir erfahren über die Demonstration nur zwei Sätze aus dem
    Aufruf. Ansonsten gibt es an den Haaren herbeigezogene Denunziationen:
    Die Demonstranten könnten Rettungswege blockieren. Warum soetwas jemand
    beabsichtigen sollte, bleibt rätstelhaft. Und: Die Demonstranten seien
    im Gegensatz zur Bundeswehr undemokratisch. Zur Begründung wird eine
    alte Geschichte aufgewärmt: Soldaten in Uniform wurde der Zutritt zu
    einer zivilen Diskussionveranstaltung verwehrt. Wie schon direkt nach
    der Veranstaltung wird wieder behauptet, dies sei geschehen, weil man
    andere Meinungen nicht zu Wort kommen lassen wollte. Erneut lässt sich
    nur entgegnen: Nein, es lag nicht an der Meinung, sondern an den
    Uniformen. Andere Soldaten beteiligten sich in zivil an der Diskussion
    und waren herzlich Willkommen.

    Das Schöne an dem Artikel: Er führt vor, wie Propaganda funktioniert.
    Und um Propaganda geht es auch beim Tag der offenen Tür der
    Körner-Kaserne: Wichtige Informationen werden nicht genannt werden.
    Statt Diskussion: Waffenshow und kirchlicher Segen für imperialistische
    Kriege. Falsche Versprechungen an junge Leute, um sie zur Armee zu locken.

    Die im Artikel fehlenden wichtige Info zur Kundgebung: Sie beginnt am
    Samstag um 10 Uhr vor der Theodor-Körner-Kaserne. Wer mag, kann so beide
    Veranstaltungen besuchen und prüfen, wo es um Meinungskundgebung,
    -bildung und Information und wo es um bloße Show und Propaganda geht.