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Benjamin Rickert bei der Melonenernte in Bardenhagen. Foto: geo

Das Melonenglück von Bardenhagen

Bardenhagen. Sanft wellen sich die Felder vor dem dunklen Wald am Horizont, vorne wächst der Salat, dahinter die Zucchini. Die Sonnenblumen daneben sind beinahe verblüht, alles sieht aus wie in einem ganz normalen landwirtschaftlichen Betrieb in Norddeutschland. Das ist der Hof Brummelkamp in Bardenhagen im Prinzip auch. Wenn da nicht die Melonen wären.

„Ein bisschen krass“

Die kugeligen und ovalen Früchte liegen dort auf der Erde herum, als wäre nichts selbstverständlicher als das. Mehr als zwei Tonnen Wassermelonen hat Benjamin Rickert in diesem Sommer schon geerntet – und die Zeit des Pflückens ist noch nicht vorbei. So richtig glauben kann der Landwirt sein Melonenglück manchmal selbst nicht. „Ehrlich gesagt finde ich es ein bisschen krass“, sagt der freundliche Mann im karierten Hemd und muss lachen. „Dass ich hier tonnenweise Melonen ernte auf meinen Feldern, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können.“

Eine Kiste Melonen fertig zur Auslieferung. Foto: geo

2011 haben Benjamin Rickert und seine Frau den einst konventionell bewirtschafteten Betrieb gekauft und umgestellt, „Hof Brummelkamp“ trägt das „Bioland“-Siegel. Und damit auch die auf ihren Feldern wachsenden Melonen.

Nach einem ersten Versuch im Gewächshaus, der nicht so gut lief, entschied der 36-Jährige in diesem Frühjahr, es noch einmal zu versuchen mit den Südfrüchten, dieses Mal im Freilandanbau. „Wir sind keine Händler und verkaufen ausschließlich regional. Daher wollen wir ein möglichst breites Sortiment anbieten“, erklärt Rickert die Motivation zu diesem Versuch des Obstanbaus mal anders. „Da dachte ich: Melonen könnte man auch mal probieren. Sie gehören schließlich zu den Kürbisgewächsen, und Kürbisse gedeihen bei uns seit Jahren super.“ Der Mann, der sich das Gärtnern selbst beigebracht hat, tat damit einen Goldgriff: „Dieser Sommer, die viele Sonne und Wärme waren natürlich super für die Melonen.“

Jeweils 400 Wasser- und Honigmelonenpflanzen hat Benjamin Rickert Mitte und Ende Mai in die Erde gesetzt, jede einzelne per Hand. Der einzige Trick, den der Norddeutsche dabei anwandte, ist eine biologisch abbaubare Mulchfolie, die schwarz eingefärbt ist. Sie lässt den Boden nicht nur wärmer werden, sondern auch weniger Wasser verdunsten.

Beides zusammen reichte in diesem Hitzesommer allemal, um südeuropäische Früchte auch im Norden reifen und süß schmecken zu lassen.

Ein Problem allerdings hatten Benjamin Rickert und das ungarische Ehepaar, das ihm jeden Sommer bei der Ernte hilft: „Wir wussten nicht, woran wir die Reife erkennen“, erzählt der Landwirt und muss noch einmal lachen. „So viele Melonen wie in diesem Jahr haben wir alle wohl noch nie gegessen.“ Nach etlichen Testmahlzeiten hatten sie schließlich den Dreh heraus: Honigmelonen duften stark und der Stielansatz wird schorf, wenn sie reif sind, und bei Wassermelonen muss die Liegestelle gelb sein.

Reif geerntete Früchte sorgen für mehr Geschmack

Zwar kostet das Kilo Charenteis- oder Miniwassermelone vom Hof Brummelkamp das Doppelte einer anderen – aber sie wird reif geerntet. „Ein großer Vorteil für den Geschmack, den wir wie alle regionalen Erzeuger natürlich nicht nur bei den Melonen haben“, sagt Benjamin Rickert.

Auch Artischocken gedeihen in diesem Sommer auf Hof Brummelkamp. Foto: geo

Noch bis Ende August, Mitte September kann Benjamin Rickert sein sehr untypisches norddeutsches Obst ernten, dann ist die erste Melonensaison vorbei. Und nächstes Jahr? „Ob es wieder gelingt, kann ich nicht sagen. Dafür fehlt mir schließlich die Erfahrung“, gibt der Gärtner freimütig zu. „Aber versuchen werde ich es auf alle Fälle.“

Die Melonen sind schließlich nicht die einzige Kulturpflanzen, bei denen Rickert andere Wege geht als viele andere Gemüsebauern. Auch Tomaten und Spitzpaprika lässt der Bardenhagener unter freiem Himmel wachsen, sogar Auberginen und Artischocken. Und demnächst werden exotische Physalis reif und Rickert wird seine ersten Süßkartoffeln ernten. Auch die wachsen wunderbar im Boden von Bardenhagen.

Motoren der Innovation

Klimawandel und Folie

Warum südeuropäische Früchte auch im Norden Niedersachsens wachsen, hat mehrere Gründe. Zum einen sind es die jungen Obstbauern, die die Höfe ihrer Eltern und das Sortiment ihrer Hofläden breiter aufstellen wollen, um wirtschaftlich zu überleben. Zum zweiten sind es technische Trends, die vor allem im Alten Land deutlich sichtbar sind: Das ist der Anbau unter Folien, Netzen und Dächern: der geschützte Anbau. Zum dritten ist die Durchschnittstemperatur in der Region in den vergangenen drei Jahrzehnten um fast zwei Grad gestiegen. Die Blüte und damit auch die Ernte aller Arten beginnen daher mittlerweile zwei Wochen früher als vor 30 Jahren. Und in diesem Jahr waren wegen der Wärme seit Mai alle Sorten noch einmal zwei Wochen früher dran als üblich.

von Carolin George