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Isa Schierholz und Heinz Brunhöber fürchten, dass das neue Baugebiet in Steddorf für nasse Gärten bei den Nachbarn sorgt. Foto: phs
Isa Schierholz und Heinz Brunhöber fürchten, dass das neue Baugebiet in Steddorf für nasse Gärten bei den Nachbarn sorgt. Foto: phs

„Bienenbüttel first“?

Bienenbüttel. 50 Seiten Sorgen lagen den Mitgliedern des Bienenbütteler Bau- und Umweltausschusses am Donnerstagabend vor: 50 Seiten voller Bedenken hinsichtlich der geplanten Baugebiete in Edendorf und Steddorf. Denn dafür wird eine Änderung des Flächennutzungsplanes angestrebt. Nachdem unter anderem der Landkreis Uelzen Bedenken zur Ausweisung auch noch einer weiteren Fläche in Rieste geäußert hatte, war der Bau dort zurückgestellt worden – nicht aber in Edendorf und Steddorf. Für diese zwei Projekte hat der Ausschuss, bei einer Gegenstimme von den Grünen und einer Enthaltung, nun sein Okay gegeben.

Schon seit längerem treibt Isa Schierholz eine Ahnung um: Durch eine Versiegelung der rund zehn Hektar großen Fläche zwischen Steddorf und Neu Steddorf, genannt „Kuhlfeld“, werde das Wasser in das angrenzende Wohngebiet „In der Dohle“ und die Wiesen nebenan laufen und dort zu erheblichen Vernässungen führen, glaubt sie. Schon jetzt beobachte sie dort Probleme: „Vor den Häusern am Spielplatzeingang quillt das Wasser aus den Straßenfugen heraus.“ Die studierte Bodenexpertin hat die Schichtenverzeichnisse durchgeackert und ist zu folgendem Schluss gekommen: Das Wasser versickere im „Kuhlfeld“ nur bis auf eine unterirdische Ton-Schluff-Schicht und trete dann in der tieferliegenden „Dohle“ wieder aus. Also dort, wo die Schicht ausstreicht.

Schierholz ist sich sicher, dass mindestens fünf oder sechs Anwohner mit zunehmender Nässe auf ihren Grundstücken zu rechnen hätten. Und auch der ehemalige Landwirt Heinz Brunhöber macht sich ernsthafte Gedanken: „Wir haben Angst, dass alles noch schlimmer wird, als es jetzt schon ist.“ Auch auf seinen Wiesen.

Für einen neuen F-Plan fehlt es an Geld und Personal

„Wir werden dafür Sorge tragen müssen, dass dieses zukünftige Baugebiet nicht zu einer Mehrbelastung des Baugebietes ,In der Dohle‘ führt“, heißt es dazu von Verwaltungsmitarbeiterin Inga Heitmann. „Nach jetzigem Stand ist es so, dass der Boden sehr versickerungsfähig ist und dass das Oberflächenwasser der Straße auch dort im Baugebiet versickert werden kann.“ Das habe ein Sachverständiger festgestellt. Ein Ingenieurbüro entwickle jetzt ein Entwässerungskonzept. Momentan gehe man davon aus, dass ein speziell für Starkregenereignisse vorgesehener Notüberlauf eingerichtet werde, durch den das Wasser dann in ein neues Regenrückhaltebecken gelangen kann.

Wieder rief das Vorhaben auch die Stadt Uelzen auf den Plan: „Die Ausweisung derart umfangreicher Neubaugebiete geht nach unserer Auffassung nicht nur zu Lasten des zentralen Siedlungsgebietes, den das Regionale Raumordnungsprogramm auf den Ortsteil Bienenbüttel begrenzt, sondern auch zu Lasten der mittelzentralen Funktion der Hansestadt Uelzen“, heißt es von dieser Seite. Dem setzte Astrid Pesel vom zuständigen Planungsbüro nackte Zahlen entgegen: In Bienenbüttels jüngstem Baugebiet „Wellbruch II“ seien von 38 Bauplätzen 13 an Familien übergegangen, die bereits in Bienenbüttel lebten, zwei kamen aus anderen Orten des Landkreises Uelzen, zwei aus der Gegend von Berlin, die übrigen aus Hamburg oder Lüneburg. So würden also eher zusätzliche Bewohner in den Landkreis gezogen, schlussfolgert Pesel, und damit auch zusätzliche Kaufkraft.

Bienenbüttel soll auf rund 7500 Einwohner wachsen

Dass nun der Landkreis wiederholt auf ein städtebauliches Entwicklungskonzept und die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes pocht, sorgte für Irritationen im Ausschuss. Denn zuletzt hatte Bürgermeister Merlin Franke gegenüber der LZ erklärt, man habe sich mit dem Landkreis darauf geeinigt, dass ein Siedlungskonzept parallel zu den Änderungsverfahren entwickelt werden sollte. Für eine Neuaufstellung des Flächennutzungsplans fehlt es an Geld und Personal. Pesel führt den erneuten Hinweis des Kreises auf ein kleines Kommunikationsproblem innerhalb der Behörde zurück. Reinhard Schelle-Grote (Grüne) beschäftigt noch ein anderes Thema: „Da wird diese Zielvorstellung formuliert, dass in den nächsten zehn Jahren die Einwohnerzahl in Bienenbüttel auf 7500 Einwohner wachsen soll.“ Das erscheine ihm äußerst fragwürdig. „Bezogen auf die aktuelle demografische Entwicklung bedeutet ein Zuzug von dieser Größe in Bienenbüttel, dass es woanders Aderlässe gibt.“ Deshalb zieht Schelle-Grote den Schluss: „Wir können nicht immer nur sagen: Bienenbüttel first.“

Dass Schelle-Grote nun auch annimmt, Folgekosten der Siedlungsentwicklung – etwa bei der Kinderbetreuung – seien bisher nicht berücksichtigt worden, stieß auf Unverständnis beim Bürgermeister. Der erinnerte noch einmal an das Haushaltsdefizit der Gemeinde: „Ich erwarte dann auch gerne öffentliche Vorschläge ihrer Fraktion, wie wir diese 950.000 Euro ausbügeln und gleichzeitig unser öffentliches Angebot aufrecht erhalten und parallel die gewünschten Investitionen hervorbringen“, so Franke. „Sonst ist das grüne Schlagzeile first und nicht Bienenbüttel first.“

Von Anna Petersen