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Das Nadelwehr bei Wittorf ist eins von dreien an der Ilmenau. In Niedersachsen gibt es insgesamt nur vier. Foto: t&w

Aus der Traum?

Wittorf. Mit dem Motorboot von Hoopte an der Elbe aus über die Ilmenau bis in die Lüneburger Innenstadt fahren. Das könnte den Tourismus weiter ankurbeln. Doch das ist eine Vision, die eng verknüpft ist mit der durchgehenden Schiffbarkeit der Ilmenau. Und dieser Traum droht nun endgültig zu zerplatzen. „Der Drops ist wohl gelutscht“, sagt Lüneburgs Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols (CDU). Seit Kurzem ist er als Berichterstatter für Binnenwasserstraßen und Wassertourismus der CDU-Bundestagsfraktion tätig. „Das zuständige Bundesverkehrsministerium scheint schon vollendete Tatsachen geschaffen zu haben“, sagt Pols. Auch Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) zeigt sich auf Nachfrage wenig optimistisch. Derweil wollen die Ilmenau-Anrainer aber noch nicht aufgeben, denn es geht um viel mehr.

Bedeutung für den Erhalt des Lüneburger Wasserviertels

Noch gilt die Ilmenau als Nebenwasserstraße des Bundes von der Nordwestkante der Brausebrücke an der Abtsmühle in Lüneburg bis zur Mündung in die Elbe. Seit Jahren erwägen Bundesbehörden, die Ilmenau zu entwidmen und die Wasserstraße umzugestalten. Knackpunkte dabei sind die denkmalgeschützten Schleusen und Wehre an der Ilmenau bei Fahrenholz, Wittorf und Bardowick. Die sind aber wegen Baufälligkeit allesamt seit Jahren gesperrt.

Nach einer 2012 vorgelegten Machbarkeitsstudie, auf die sich das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Lauenburg beruft, könnten diese historischen Bauwerke bald abgerissen werden. Ersatzweise wird über den Einbau sogenannter Sohlengleiten nachgedacht. Das sind stufenweisen flachgeneigte Schwellen, quer zur Fließrichtung. Damit wäre nicht nur die durchgehende Schiffbarkeit Geschichte, sondern auch eine flexible Wasserregulierung. Diese Pläne treibt der Bund voran und damit Vertretern der Kommunen tiefe Sorgenfalten auf die Stirn.

„Die Schiffbarkeit der Ilmenau ist für uns untrennbar verbunden einerseits mit dem Hochwasserschutz für die Hansestadt Lüneburg und die Gemeinden entlang der Ilmenau hoch bis nach Hoopte“, sagt Stadtsprecherin Suzanne Moenck, „und andererseits mit dem ausreichenden Wasserstand zum Erhalt der historischen Häuser im Wasserviertel.“ Auch beim Kreis Lüneburg gibt es die Befürchtung, „dass Gebäude in der Nähe der Ilmenau tragfähigen Boden verlieren könnten“, so Kreissprecherin Urte Modlich.

Die Sterne stehen aber nicht gut

Wie der Kreis Lüneburg und die Ilmenau-Anrainer Bardowick oder Wittorf ist auch die Stadt Lüneburg Mitglied im Verein „Historische Ilmenau“, der sich für den Erhalt der Schleusen und Wehre einsetzt. Hoffnung schöpfen die Kommunen nun mit Blick auf einen Scoping-Termin im Herbst, der mit dem WSA Lauenburg stattfinden soll, um eine geplante Umweltverträglichkeitsprüfung vorzubereiten. Die Sterne stehen aber nicht gut.

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) sagt auf LZ-Nachfrage: „Der Erhalt der historischen Schleusen und Wehre an der Ilmenau wäre unter kulturellen Aspekten sicherlich wünschenswert – ich fürchte aber, die Chancen dafür stehen nicht gut.“ Ein Grund sei die Bedeutungslosigkeit für den Güterverkehr. Und auch touristisch sehe es düster aus. Althusmann beruft sich auf eine Untersuchung des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. Demnach habe die Ilmenau „auch nur sehr geringe wassertouristische Bedeutung“. Der Minister weiter: „Es gibt keine Fahrgastschifffahrt und keinen Sportboothafen.“ Vor diesem Hintergrund seien die Pläne des Bundes nachvollziehbar, „so sehr das einige enttäuschen mag“.

Taube Ohren bei Behörden und eine letzte Hoffnung

„Da beisst sich die Katze in den Schwanz“, sagt Abgeordneter Pols. „Wenn ich baufällige, gesperrte Schleusen habe, kann sich auch kein bedeutender Tourismus auf dem Wasser entwickeln.“ Dabei berge der Wassertourismus großes Potenzial. Ähnlich sieht das Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU): „Die Ilmenau kann durch den Tourismus zu einem Wirtschaftsfaktor werden.“ Und: „Mit dem Erhalt der technischen Denkmale werden Highlights für eine erlebbare historische Ilmenau verfestigt.“ Allerdings stieß Luhmann beim Bund bisher auf taube Ohren. Gustav Rieckmann, Vorsitzender des Vereins „Historische Ilmenau“, will die Hoffnung noch nicht aufgeben: „Vielleicht werden unsere vielfältigen Bedenken beim Scoping-Termin doch noch gehört.“

Von Dennis Thomas

Zur Sache

Stautechnik mit Seltenheitswert

Im Mittelalter bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war die Wasserstraße „Ilmenau“ von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region, beispielsweise für den Warentransport Bardowicker Gemüsebauern nach Hamburg. An den Standorten Fahrenholz, Wittorf und Bardowick befinden sich neben den ebenfalls denkmalgeschützten Schleusen auch noch jeweils Wehre mit besonderem Seltensheitswert, sogenannte Nadelwehre, von denen es in Niedersachsen insgesamt nur noch vier Stück gibt – und eben drei an der Ilmenau. Die Nadelwehre werden zur Regulierung des Wasserstandes eingesetzt.

Der Fluss wird ganz oder teilweise durch das Setzen der Nadeln, mehrere Meter langen Holzbohlen, aufgestaut oder abgelassen. Die Schleusen, teilweise über 100 Jahre alt, dienen der Schifffahrt, um die Niveauunterschiede des Wasserstands vor und hinter dem Wehr auszugleichen und passieren zu können. 2014 wurde die Bardowicker Schleuse als letzte der drei Exemplare ebenfalls wegen Baufälligkeit gesperrt. Seitdem liegt das Museumsschiff des Vereins der Bardowicker Ilmenauschiffer endgültig fest, auch für den Lüneburger Salzewer ist ohne Kran kein Durchkommen mehr.

Seit Jahren sieht sich das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg dem Vorwurf ausgesetzt, die technischen Baudenkmäler sehenden Auges mutwillig verfallen zu lassen.

Hintergrund

Der letzte Versuch liegt 36 Jahre zurück

Bereits 1982 hatte das Wasserstraßen- und Schifffahrts-amt (WSA) Lauenburg einen Vorstoß unternommen , die Schleusen und Wehre entlang der Ilmenau stillzulegen und die Wasserstraße zu entwidmen. Der folgende Proteststurm von Landwirten, Gemeinden und Umweltschutzverbänden war aber so groß, dass die Behörden von dem Vorhaben im April 1983 wieder abließen. Die damaligen Befürchtungen glichen den heutigen: Erhöhte Fließgeschwindigkeit der Ilmenau, niedrigerer Wasserstand und ein Absinken des Grundwasserspiegels in den flussnahen Bereichen mit negativen Folgen für die Landwirtschaft und die Standfestigkeit von Bauwerken. Die Lauenburger Behörde kam schließlich zu der Erkenntnis, dass angesichts des Protests ein Planfeststellungsverfahren so nicht durchsetzbar sei, hieß es damals. Stattdessen sollte versucht werden, „die Schleusen und Wehre mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln instandzuhalten“. Der Unterhaltungsaufwand halte sich „in erträglichen Grenzen“, sagte damals ein WSA-Sprecher. Im Übrigen hätten die Pläne über Abriss und Entwidmung nur „testenden Charakter“ gehabt. Nicht nur das hat sich offenbar geändert. In den vergangenen Jahren schnellten die vom WSA genannten Sanierungskosten für die Schleusen in schwindelerregende Höhen von 19 bis 25 Millionen Euro.

2 Kommentare

  1. Das Geld sollte man in die Brücke bei Neu Darchau stecken, dann hätten mehr Menschen was davon. Die Schiffbarmachung der Ilmenau ist reine Steuergeldverschwendung, bzw. Klientelpolitik.

    • tamara
      die neu- darchauer sind not amused. schmunzeln. deren bürgermeister steht schon in den startlöchern. er will den verkehr nicht durch seinen ort haben. übrigens , bevor diese brücke fertiggestellt sein wird, vorausgesetzt , diese steuerverschwendung wird tatsächlich durchgezogen, werden ca. 20 jahre ins land gehen. ob es neuhaus dann noch gibt? die einwohnerzahl von dömitz sinkt übrigens, obwohl es dort eine brücke gibt. neuhaus wäre besser beraten ,sie würden wieder zurück nach meck pom gehen. dann ist zum beispiel die elbe kein hinders mehr , die schulkinder hätten dann einen für immer gesicherten weg, egal wie viel wasser die elbe runter kommt.