Dienstag , 25. September 2018
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Die Preisträger der diesjährigen Förderpreise der Friedensstiftung mit der Stiftungsrats-Vorsitzenden Johanna Gerhard (3.v.l.) und den Stiftungs-Vorständen Eberhard (l.) und Felix Manzke (2. v.r.). (Foto: be)
Die Preisträger der diesjährigen Förderpreise der Friedensstiftung mit der Stiftungsrats-Vorsitzenden Johanna Gerhard (3.v.l.) und den Stiftungs-Vorständen Eberhard (l.) und Felix Manzke (2. v.r.). (Foto: be)

Verständigung auf Augenhöhe

Lüneburg. Minutenlanger ergriffener Beifall im T3 des Lüneburger Theaters sind keine Seltenheit. Bei einer Preisverleihung sind sie es doch. Es war ein ganz besonderes interkulturelles Musiktheaterprojekt, dessen Szenen die fast 150 Gäste in Auszügen auf der Bühne verfolgen konnten – und es ist der Hauptpreisträger der diesjährigen Förderpreise der Friedensstiftung Günter Manzke.

Den Opern-Klassiker „Die Entführung aus dem Serail“ hat Friedrich von Mansberg in diesem Frühjahr mit einem kleinen deutsch-syrischen Schauspieler-Ensemble und Flüchtingskindern der Oberschule am Wasserturm mit Rap- und Hip-Hop-Elementen verwoben. Er habe dabei eine „doppelte Fremdheit“ aufgelöst, beschreibt es der Chefdramaturg – neben der Fremdheit der Kulturen auch die der jungen Menschen gegenüber der Kunstform Oper.

Mozarts auf Verständigung und Versöhnung ausgerichtetes Werk habe durch diese Bearbeitung auch den Weg zu den Jugendlichen gefunden.

Scheck über 18 000 Euro

Als „eine Begegnung der Kulturen auf Augenhöhe“, würdigte Stiftungsrats-Vorsitzende Johanna Gerhard das Projekt. Sie und Stiftungs-Vorstand Felix Manzke übergaben von Mansberg neben der Urkunde einen Scheck über 18 000 Euro, der damit den größten Teil der Kosten deckt.

Jeweils 4000 Euro erhielten „Die Kinder von Tschernobyl“ und „Lichtblick“. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche aus der von der Reaktorkatastrophe gezeichneten Region Tschernobyl haben Ursel Steuernagel und ihre Mitstreiter seit Beginn der 90er Jahre zu Erholungsaufenthalten nach Deutschland holen können. Dazu komme „Hilfe, die man nicht sieht“ wie Medikamente, medizinische Geräte und Nahrungsmittel, begründete Gerhard die Finanzspritze für die weitere Arbeit.

Mit der Initiative „Lichtblick“ unterstützt die Friedensstiftung Kati Lüdecke und ihr kleines Team, das seit zehn Jahren Kinder und Familien bei ihrer Trauer über den Verlust naher Angehöriger betreut. Bereits 300 Familien konnten so bei dem ausschließlich durch Spenden finanzierten Projekt begleitet werden.

„Danke für 73 Jahre Frieden“

Mit 3000 Euro fördert die Stiftung den Skulpturenpark „Weg des Friedens“ auf dem Gelände der Woltersburger Mühle vor den Toren von Uelzen. Seit zehn Jahren haben dort Gerard Minnaard und Klara Butting mit weiteren Initiativen aus einer Brache ein Zentrum errichtet, das jungen Menschen ermöglicht, ihren Schulabschluss nachzuholen und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Eingebettet sind hier aber auch Seminare, Gartenarbeit, Kultur und ein Café.

Für die Bahnhofsmission konnten sich Leiterin Anke Sondermann und Diakonie-Pfarrer Florian Moitje über einen Anerkennungspreis von 1000 Euro freuen. Die Hilfe durch 23 Mitarbeiter sei nicht nur auf dem Bahnhof sichtbar. So sei die Bahnhofsmission die „offene Tür“ für Obdachlose auf der Suche nach Quartier und Hilfe, unterstrich Johanna Gerhard die Wichtigkeit dieser ehrenamtliche Arbeit.

Mit den Worten „Danke für 73 Jahre Frieden“ hatte zuvor Stiftungsgründer Eberhard Manzke in seiner Begrüßung der „längsten Friedensperiode der deutschen Geschichte“ gedacht. 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte er 1995 in Erinnerung an seinen Vater Günter die Stiftung gegründet, die Initiativen zur Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz und der Völkerverständigung unterstützt.

Manzke wünscht sich lebendige Debatte

Professor Preuß beendet Mitarbeit beim Friedenspfad

Bewusst „nicht in Stein gemeißelt“ seien die Texte des Lüneburger Friedenspfades, betonte dessen Initiator Eberhard Manzke. Er nutzte die Begrüßung bei der Verleihung der Förderpreise der Friedensstiftung auch zu einer Klarstellung: Zu keiner Zeit habe er in Inhalte eingegriffen. Diese seien zudem stets mit der Stadt abgestimmt gewesen.

Die 24 Stationen dokumentieren „Lüneburgs wechselvolle Geschichte einer teilweise kriegerischen Vergangenheit und den Bemühungen für den Frieden“.

Vorwürfe einer nationalen oder gar nationalsozialistischen Gesinnung wies Manzke entschieden zurück. Die Tafeln sollen einen Beitrag für eine intensivere Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur sein und keinesfalls Menschen verletzen, sondern zu Gesprächen und zum Erinnern einladen.

Kritik und Anregungen seien ausdrücklich erwünscht. So ist die Tafel am Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division bereits einmal ergänzt worden. Ein neuer Text befindet sich gerade in der Abstimmung der städtischen Gremien.

Konsequenzen zieht allerdings Prof. Dr. Werner Preuß, in dessen Regie die Texte erstellt worden sind. Er zieht sich aus dieser Arbeit zurück, da er seinen Ansatz des Dialoges nicht ausreichend repräsentiert sieht, erklärte Stiftungsrats-Vorsitzende Johanna Gerhard. Sie verband dies mit dem Wunsch an Preuß, dass er sich weiterhin mit dem Projekt identifiziere. mr

Von Marc Rath