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Vier Jahre lang hat Stefan Schulz das Gymnasium Winsen geleitet, dann schlug ihm die Landesschulbehörde einen Wechsel nach Lüneburg vor. (Foto: t&w)

Er sucht den Kontakt zur Basis

Lüneburg. Stefan Schulz hat schon einige Stationen hinter sich: Als Referendar und später auch als Studienrat war er an der Halepaghen-Schule in Buxtehude, er verabschiedete sich in Richtung Soltau, arbeitete sich vom Oberstufenkoordinator zum kommissarischen Schulleiter hoch. „Da habe ich Blut geleckt“, erzählt er. Als in Winsen die Direktorenstelle frei wurde, zögerte Schulz nicht lang. Er warf seinen Hut in den Ring – und wurde mit 34 Jahren Schulleiter. Heute ist er nur vier Jahre älter und wieder weitergezogen. Sein neuer Schreibtisch steht im Gymnasium Oedeme.

Diesmal war er es nicht, der eine Bewerbung einreichte. Die Landesschulbehörde kam auf ihn zu. „Ich wurde gefragt, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könnte“, sagt er. Ein Gymnasium mit 1500 Schülern und 120 Lehrkräften zu übernehmen, reizte Schulz. Ein positiver Nebeneffekt: Er lebt in Melbeck, da ist der Arbeitsweg nach Lüneburg quasi ein Katzensprung. Das entscheidende Argument, sich mit gutem Gewissen verabschieden zu können, war jedoch ein anderes: „Ich wusste, dass Winsen gut aufgestellt ist.“

Doppelwechsel am Oedemer Weg

Bekanntermaßen stand am Oedemer Weg jetzt ein Doppelwechsel an, so hatte sich nicht nur Dieter Stephan nach 16 Jahren als Schulleiter verabschiedet, sondern auch seine Stellvertreterin Margret Witte-Ebel. Eine Nachfolgerin hatte Schulz im Sinn, er rührte bei der Behörde die Werbetrommel für seine Kollegin Birgit Burmester (siehe Infobox), zu der Zeit Koordinatorin für den Bereich Sprache in der Mittelstufe. „Wir haben in Winsen gut zusammengearbeitet, unsere Vorstellungen von guter Schule decken sich.“

„Dadurch, dass es so viele Oberstufen gibt, schrumpft das Angebot an den einzelnen Schulen.“ Stefan Schulz, Leiter Gymnasium Oedeme

Seinen Vorgänger kennt der gebürtige Buxtehuder, der sein Abitur in Neu Wulmstorf absolviert hat, als Kollegen, beide sind Mitglieder der Direktorenvereinigung. „Und wir hatten in Oedeme mehrere Übergabegespräche.“ Wichtig war ihm, die Traditionen und Besonderheiten des Gymnasiums kennenzulernen. Zudem habe Stephan ihm erzählt, „wie toll die Schule aufgestellt ist“. Der 38-Jährige wollte sich zunächst selbst ein Bild machen. Er brauchte nicht einmal 20 Tage, um augenzwinkernd zu erkennen: „Er hat die Wahrheit gesagt.“

Entwicklung der Stadtleiste

Eines der Themen, das Schulz mit auf den Weg gegeben wurde, ist die Entwicklung einer sogenannten Stadtleiste. Das System sieht vor, dass die größeren mit den kleineren Schulen kooperieren, um etwa bei den Leistungskursen auch in Zukunft noch ein breites Angebot gewährleisten zu können. „Noch ist man überwiegend für sich. Dadurch, dass es so viele Oberstufen gibt, schrumpft das Angebot an den einzelnen Schulen“, erklärt Schulz den Hintergrund. Manche Kurse könnten kaum noch angeboten werden, weil sie lediglich von neun oder zehn Schülern angewählt würden. „Das Konzept wird seit Jahren erfolgreich in Göttingen praktiziert, warum also nicht auch hier?“ In Lüneburg könnte seiner Vorstellung nach ein traditionsreiches Gymnasium wie das Johanneum zum Beispiel einen Lateinkurs anbieten, Schüler von anderen Einrichtungen dorthin pendeln. „Natürlich bedeutet die Absprache einen erhöhten Aufwand, aber ein solches Angebot spricht sich rum. Das ist ein Standortfaktor für Lüneburg.“

Er brennt für den Job

Wer mit Stefan Schulz spricht, spürt, dass er für den Job brennt. Er hat Freude am Gestalten, ist neben seiner leitenden Position im Herzen immer noch leidenschaftlicher Lehrer – auch wenn er erstmal nur zwei Stunden pro Woche Erdkunde, Geschichte oder Politik unterrichten wird. „Ich möchte Kontakt zur Basis haben. Die Schüler sollen wissen, dass ihnen meine Tür immer offen steht. Das ist mir ganz wichtig.“

Der neue Leiter hat eine genaue Vorstellung davon, was Schule heutzutage leisten muss. So sollen die jungen Frauen und Männer in der Zeit so viel aufnehmen, dass sie mit dem Abitur im Rücken aufrecht hinaustreten können. „Es ist mir wichtig, dass sie hier mehr über den europäischen Gedanken, moralische Dimensionen und Demokratieverständnis lernen.“

Neue Stellvertreterin

Birgit Burmester

Birgit Burmester, stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium Oedeme. (Foto: t&w)
Birgit Burmester, stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium Oedeme. (Foto: t&w)

Alles andere als einen klassischen Weg hat Birgit Burmester (59), die neue stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium Oedeme, hingelegt. „Als ich mein zweites Staatsexamen gemacht habe, wurden Lehrer noch nicht gebraucht“, erzählt sie. „In den ersten zehn Jahren war ich arbeitslos, habe lediglich an der Abendschule unterrichtet.“ Später tingelte Burmester als Feuerwehrlehrerin durch Lüneburg, bedeutet: Sie war nicht fest an einer Schule angestellt, sprang mal hier, mal da ein.

Nach zweieinhalb Jahren und vielen Etappen, darunter auch Oedeme, landete die Wilhelm-Raabe-Schülerin in Winsen. Dort hatte sie Glück: 200 Bewerber drängten auf zwei freie Stellen. Die Englisch- und Mathelehrerin blieb 21 Jahre, arbeitete sich von der Fachobfrau Englisch zur Koordinatorin hoch. Der Gedanke, sich solchen Aufgaben noch intensiver widmen zu können, gefiel ihr. Deshalb bewarb sie sich in Oedeme. „Ich habe immer richtig gern unterrichtet, aber das gemeinsame Organisieren von Schule und das Weiterentwickeln eines Betriebs macht mir einfach viel Spaß.“

Von Anna Paarmann