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Im so genannten Belebungsbecken muss das Wasser rund um die Uhr in Bewegung gehalten werden. Dafür gibt es bald eine energiesparendere Lösung. (Foto: phs)
Im so genannten Belebungsbecken muss das Wasser rund um die Uhr in Bewegung gehalten werden. Dafür gibt es bald eine energiesparendere Lösung. (Foto: phs)

Teurer Schlamm

Hohenbostel. Irgendwo im Nirgendwo am Wald bei Hohenbostel vergeht Merlin Franke der Appetit. „Den mag ich jetzt nicht mehr“, sagt der Bürgermeister. Er stellt seinen Kaffee ab und öffnet die Tür zu jenem Ort, wo alles ankommt, was die Bienenbütteler die Toilette herunterspülen: Unterhosen, Gebisse, Eheringe – und natürlich das, was tatsächlich in die Kloschüssel gehört. Im Rechen der Kläranlage in Hohenbostel wird der grobe Schmutz zurückgehalten und aus dem Abwasser herausgeholt. „Eine Kläranlage stinkt nicht, sie riecht“, sagt der Klärwärter. Diese riecht wie Gebäude dieser Art eben riechen – und ein bisschen nach Veränderung. Denn die Anlage muss grundsaniert werden – und das ist eine „recht teure Angelegenheit“, wie Gabriel Siller (SPD) während der vergangenen Bau- und Umweltausschusssitzung feststellte. Insgesamt knapp 3,7 Millionen Euro fallen für die Arbeiten an. Eine Million steuert die Investitions- und Förderbank des Landes Niedersachsen bei.

Sie frisst zu viel Energie, ist störungsanfällig und davon, dass der ganze Klärschlamm, der nach Reinigung des Abwassers übrig bleibt, wie bislang als Dünger auf den Feldern landen kann, ist nach Änderung der entsprechenden Verordnung auch nicht mehr auszugehen. Allein in Niedersachsen ist die Verwertungsquote von Klärschlamm in der Landwirtschaft 2017 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent gesunken.

Wertvoller Rohstoff für die Landwirschaft

Der Schlamm aus der Kläranlage ist für die Bauern ein wertvoller Rohstoff, denn er enthält jede Menge Nährstoffe, die die Pflanzen sprießen lassen. Die Kehrseite der Medaille: Mit dem Klärschlamm können auch Hormone, Arzneimittelrückstände und Mikroschadstoffe in die Umwelt gelangen.

Auf dem Gelände bei Hohenbostel soll nun im kommenden Jahr eine Vererdungsanlage emporwachsen. Statt den pechschwarzen Schlamm weiter in Speicherbecken zwischenzulagern, um flüssige und feste Stoffe zu trennen und anschließend gegen Gebühr an Landwirte zu verteilen, will man den Klärschlamm künftig mit Schilf entwässern. Das reduziert die Masse, die dann nicht mehr zweimal jährlich, sondern nur noch alle zwölf bis 15 Jahre abtransportiert werden muss. Das trage auch zur verkehrlichen Entlastung Hohenbostels bei, betont Bürgermeister Franke.

Zusätzlich sollen zwei neue Belebungsbecken bis Ablauf des Förderzeitraums Ende 2020 auf dem Gelände entstehen. Darin bauen Bakterien organische Verschmutzungen ab. Das Wasser wird dazu rund um die Uhr in Bewegung gehalten – im Augenblick durch eine schiffsschraubenähnliche Konstruktion. Die neuen Becken aber werden tiefer und durch Druckluft gespeist. Das spart Strom. Der Betrieb der Anlage soll nach der Sanierung weniger Energie benötigen.

Laut Christoph Lohoff von der Firma Purena, die das Sanierungskonzept erstellt hat, wird das Vorhaben „keine bis kaum Auswirkungen“ auf die Abwassergebühren haben. Doch wenn man jetzt nichts unternehme, müsse die Gemeinde künftig mit deutlich höheren Betriebs- und Wartungskosten rechnen.

Von Anna Petersen