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Superintendent Christian Cordes (hinten), Erika Tipke und Reinhart Günzel (BUND) mit dem Elbe-Wasser-Kreuz, das eine zentrale Rolle bei den Elbekirchentagen spielt. Foto: t&w

Glauben im und am Fluss

Bleckede. Der Elbepegel hat den historischen Tiefstand erreicht, Anfang der Woche hat die Bleckeder Fähre ihren Betrieb eingestellt. Sorgenvolle Blicke auf den Strom werfen deshalb auch Superintendent Christian Cordes und Koordinator Henry Schwier. Am zweiten Septemberwochenende wollen sie mit Tausenden Besuchern den zehnten Elbekirchentag feiern – zum ersten Mal in Bleckede, an beiden Ufern. Das Motto: „Flusslandschaft verbindet“. Doch derzeit sieht es eher so aus, als könnte die Elbe die Feiernden trennen.

Zwar liegt der Schwerpunkt des Kirchentages linkselbisch am Bleckeder Hafen, auf dem Schützenplatz, im Schlosspark und in der St.-Jacobi-Kirche, doch vorgesehen sind auch eine Ausstellung und eine Lesung am Fähranleger in Neu Bleckede. Zudem soll dort der Neuhauser Posaunenchor spielen, anschließend mit der Fähre übersetzen. Zu dem besonderen Anlass ist auch geplant, dass etliche Schiffe und Flöße im Hafen festmachen. Unter anderem der historische Raddampfer „Kaiser Wilhelm“, der von dort aus zu einer vogelkundlichen Tour aufbrechen soll. Fraglich ist derzeit allerdings, ob das schwimmende Denkmal überhaupt von seinem Heimathafen Lauenburg elbaufwärts bis Bleckede kommt.

Umfangreiches Programm an vielen Standorten

Trotz der Ungewissheit bleibt Cordes gelassen: „Wir leben am Fluss, Hoch- und Niedrigwasser gehören dazu.“ Sollte die Fähre „Amt Neuhaus“ noch nicht wieder fahren, „müssen wir sehen, wie wir die Menschen zusammenbekommen.“ Improvisieren und das Beste daraus machen, lautet die Devise, „doch zunächst“, sagt der Superintendent, „heißt es: Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

An den Erfolg des Elbekirchentages glaubt Cordes auch wegen des umfangreichen und attraktiven Programms. Denn der Tag ist nicht nur religiöses Fest, „sondern vielmehr eine Plattform für den Austausch zahlreicher Akteure aus allen Bereichen des Zusammenlebens an der Elbe“. Getreu der Ziele des Biosphärenreservats wollen die Organisatoren nichts weniger als die Bereiche Natur, Wirtschaft und Kultur zu verknüpfen, „und das im Sinne der Schöpfungsverantwortung und der Nachhaltigkeit“, sagt der Superintendent. Der Tag soll Perspektivwechsel ermöglichen, Denkanstöße geben und die Teilnehmer neue Kontakte knüpfen lassen, sodass größere Netzwerke entstehen.

Großer Natur- und Erlebnistag geplant

Dazu ist am Sonnabend, 8. September, ein großer Natur- und Erlebnistag geplant – mit Aktionen an sieben verschiedenen Orten. Zentrale Anlaufstelle ist das große Festzelt auf dem Schützenplatz. Dort stehen ab 10 Uhr etliche Gesprächsrunden auf dem Programm zu vielfältigen Themen wie „Wie viel Schutz braucht der Mensch vor der Elbe?“, „Arche-Region: Schützen durch Aufessen“ und „Die Bedeutung der Natur in den Religionen“. Zwischendurch gibt es immer wieder Musik der Songwriterin Miss Allie. „Zu fast allen Themen finden sich aber auch Stände an den unterschiedlichen Aktionsorten“, sagt Cordes.

So geht es um Kunst und Kultur im Schlosspark, auch sind dort Angebote für Kinder zu finden. Bibelarbeit, Konzerte und eine Kunstausstellung sind in Kirche und Gemeindehaus geplant, Schiffsbesichtigungen und weitere Stände soll es am Hafen geben. Eröffnet wird der Elbekirchentag am Freitag, 7. September, ab 18 Uhr in der St.-Jacobi-Kirche mit einem Gedankenmosaik und der Bilderpräsentation „Und über uns die Vögel“.

„Treibholz-Gottesdienst“ mit Landesbischof

Den Schlusspunkt setzt am Sonnabend der „Treibholz-Gottesdienst“ mit Landesbischof Ralf Meister. Dabei sollen Teilnehmer aus allen Orten entlang der Elbe Treibholz mitbringen und während des Gottesdienstes am Elbe-Wasser-Kreuz (siehe Hintergrund) ablegen. Am Ende ist es die Flusslandschaft Elbe, die alle Programmpunkte verbindet. Auch wenn die Elbe die Menschen bisweilen trennt.

Weitere Infos im Internet unter www.elbe-kirchentag.de

Von Malte Lühr

Hintergrund

Elbe-Wasser-Kreuz

Symbolisch für den Elbekirchentag steht das Elbe-Wasser-Kreuz. Entstanden ist das Kreuz 1995 in Tschechien auf Anregung der Elbe-Projektgruppe des Ökumenischen Arbeitskreises „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ (ÖAK) sowie des BUND Lüneburg. Mit dabei waren die Bleckederin Erika Tipke und der Lüneburger Umweltaktivist Reinhart Günzel.

Aus abgestorbenen Ästen haben tschechische und deutsche Christen im Riesengebirge in der Nähe der Elbquelle ein erstes Kreuz gebaut. Aus Birkenbohlen wurde ein zweites Kreuz gezimmert und mit dem ersten verbunden. Mit kleinen Booten wurde das Elbe-Wasser-Kreuz dann nach Dresden und von dort aus mit dem Raddampfer Krippen zum Kirchentag nach Hamburg gebracht.

Seitdem war das Kreuz bei vielen Kirchentagen dabei, stand im September 2002 beim „Dankgottesdienst nach der Flut“ in der Marienkirche Stapel.

Zudem wird das Elbe-Wasser-Kreuz bei den seit 2008 jährlich stattfindenden Elbekirchentagen eingesetzt. Den Rest des Jahres hat das Kreuz einen festen Platz in der Bleckeder St.-Jacobi-Kirche.