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Die Workshop-Teilnehmer Angelika Draschoff (v.l.), Christina Schulte und Detlev Paschen wollen Lüneburg aktiv mitgestalten. (Foto: t&w)

Ein Gefühl wie auf dem Dorf

Lüneburg. Eine wachsende Altstadt, eine Kombination aus alter Bausubstanz und Grün, kurze Wege und regionale Angebote, Begegnungsflächen, die Möglichkeit, alles mit dem Fahrrad erreichen zu können, ein Gefühl wie auf dem Dorf, Parkanlagen mit Spazierwegen, auffindbare Toiletten, gutes Essen und freundliche Menschen – bei der Frage, in welchen Städten man sich gern aufhält und warum, muss niemand lange überlegen. Es sind Beispiele aus ganz Deutschland, sogar aus Österreich, die zusammengenommen die Idealvorstellung einer Stadt ergeben könnten.

Die Frage hat der Lüneburger Unternehmer und Designer Karl-Henning Hohmann jetzt bei der Utopie-Konferenz in den Raum geworfen. Gemeinsam mit fünf weiteren Personen, die an dem Projekt „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ beteiligt sind, hat er einen der 26 Workshops organisiert. Das Team hat drei Aspekte herausgefiltert, die für die Zukunftsfähigkeit einer Stadt entscheidend sind: die Rahmenbedingungen des Zusammenlebens und Gestaltens, die Aufenthaltsqualität samt ihrer Möglichkeiten der Begegnung und das Einbeziehen der lokalen Wirtschaft.

Stadt arbeitet derzeit an einem Lieferkonzept für die Innenstadt

Detlev Paschen, er hat viele Jahre in Lüneburg gelebt und in der Kreisverwaltung gearbeitet, wünscht sich zum Beispiel, dass freie Landschaftsräume nicht bebaut, sondern zu forstwirtschaftlichen Zwecken, für Freizeit und Erholung genutzt werden.

Wie berichtet, haben sich zuletzt 17 „Lüneburger Lösungen“ herauskristallisiert, die dazu beitragen sollen, im Jahr 2030 eine nachhaltige Stadt vorzufinden. Im Mai hatten Lüneburger die Möglichkeit, diese zu bewerten.

„Wir werden mit den Lösungen starten, die auf drei Standbeinen stehen“, sagt Prof. Dr. Daniel Lang, er ist der Projektleiter auf Seiten der Leuphana. So sollen die Pilotprojekte zuerst umgesetzt werden, die für besonders wichtig erachtet werden, viele Mitwirkende haben und bei denen es die Möglichkeit gibt, an bereits Bestehendes anzuknüpfen. Als Beispiel nennt er die Maßnahme, Online-Bestellungen bei lokalen Händlern zu ermöglichen und diese per Lastenrad nach Hause liefern zu lassen. „Sie hat gute Bewertungen, das Citymanagement als Akteur und wir sind auch im Gespräch mit den Marktbeschickern.“ Befeuert werde die Idee dadurch, dass die Stadt derzeit an einem Lieferkonzept für die Innenstadt arbeitet, sagt Lang. Aber es hätten sich auch Menschen bereit erklärt, Projekte voranzutreiben, selbst wenn die Geldspritze vom Ministerium ausbleiben sollte.

„Wir teilen uns viele Ressourcen“

Susanne Puschmann und Stephan Seeger haben sich dem Thema „Wohnprojektekontor“ verschrieben. Die beiden Architekten wollen eine Art Servicestelle einzurichten. Diese soll nicht nur bei Fragen zu Grundstücken, Baugenehmigungen oder gemeinschaftlichem Eigentum unterstützen, sondern auch Menschen zusammenbringen, die das Leben in einem Wohnprojekt erwägen.

„Es geht auch darum, Flächen zu sparen und nicht nur Einfamilienhäuser zu bauen“, sagt Puschmann. Kontakte zwischen Nachbarn knüpfen will eine junge Frau, die auf dem Bockelsberg wohnt, über das Projekt. Sie stört sich daran, dass sie in ihrer Nachbarschaft viele nur vom Sehen kennt.

Unter den Workshop-Teilnehmern waren auch zwei, die in dem Mehrgenerationsprojekt „LeNa“ wohnen und deshalb mit dem Leben in einer Gemeinschaft bestens vertraut sind. „Wir teilen uns viele Ressourcen wie Bohr- und Waschmaschinen, sogar Autos.“ Neben vielen Vorteilen müsse man sich aber auch darüber im Klaren sein, was eine solche Wohnumgebung bedeutet. „Das ist nichts, was man mal ausprobiert. Der Prozess, um dort reinzukommen, dauert länger. Man muss sich erst intensiv kennenlernen, herausfinden, ob man auch miteinander wohnen will.“ Sonst könnte es zu Schwierigkeiten kommen.

Von Anna Paarmann

Wettbewerb

Zukunftsstadt Lüneburg 2030+

Ende August muss der Antrag für die dritte und letzte Phase eingereicht werden. Wie berichtet, sind zurzeit noch 23 Kommunen im Rennen, acht erhalten nächstes Jahr die Chance, die Visionen und Maßnahmen für eine nachhaltige Stadt auch in ganz konkreten Pilotprojekten zu testen und zu beforschen. Unter ihnen wird dafür eine siebenstellige Förderungssumme aufgeteilt. Den Wettbewerb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschrieben, er ist 2015 mit 65 Kommunen gestartet. Lüneburg hatte sich beworben und die Leuphana als Partner an Bord geholt.