Donnerstag , 20. September 2018
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Erst im vergangenen November haben Soldaten den Brückenschlag über die Elbe geübt. Auch Bürger durften die Brücke nutzen. Wegen des Niedrigwassers wünschen sich nun viele Anrainer einen erneuten Einsatz der Bundeswehr. (Foto: kre)

Wunsch nach Brückenschlag bleibt ungehört

Lüneburg. Die Pegelstände der Elbe? Auf einem historischen Tiefstand. Der Fluss? An vielen Stellen nur noch ein Rinnsal. Die Fähren in Bleckede und Neu Darchau? Die liegen fest vertäut am Ufer, müssen zwangspausieren. Mangels ausreichend Wasser unterm Kiel. „Das ist eine Kata­strophe“, stöhnen viele Pendler, die nun wieder weite Umwege über Lauenburg oder Dömitz in Kauf nehmen müssen. Da erinnert sich mancher an die Bundeswehr, die im November 2017 und im März dieses Jahres bei Artlen­burg eine Brücke über die Elbe baute. „Das könnte die Bundeswehr jetzt doch wiederholen“, regt Gerd Illas aus Lüneburg an.

„Eine nette Idee“, findet Oberstleutnant Markus Saecker, stellvertretender Kommandeur des Panzerpionierbataillons 130 aus Minden, das im November bei Artlenburg mit der Schnellschwimmbrücke Amphibie M3 den Brückenschlag vollzog. Doch selbst wenn die Voraussetzungen für einen erneuten Bundeswehreinsatz vorlägen, müssten die Pioniere passen – wegen anderer Aufgaben: „Wir nehmen in Kürze an einer Nato-Übung in Norwegen teil“, erklärt Saecker.

Landkreis müsste den Katastrophenfall auslösen

„Die Bundeswehr kann sicherlich ganz viel leisten“, sagt selbstbewusst ein Sprecher des Landeskommandos mit Sitz in Hannover, allerdings muss auch er einschränken: „So ohne Weiteres darf die Bundeswehr auf zivil-wirtschaftlichem Gebiet nicht tätig werden.“ Rechtliche Vorgaben bremsen die Truppe. Damit die Amphibien M3 aus Minden oder die Faltschwimmbrücken aus Havelberg die Kasernen Richtung Elbe verlassen dürfen, müsste der Landkreis Lüneburg den Katastrophenfall feststellen und die Bundeswehr um Hilfe bitten. In der Vergangenheit hat der Kreis das auch schon getan, zuletzt bei der Hochwasserkatastrophe 2013. Da kam die Bundeswehr mit Soldaten und Gerät den zivilen Einsätzkräften zur Hilfe, um die Deiche zu schützen.

„Der Ausfall beider Fähren ist für die betroffenen Menschen ein ärgerlicher Einschnitt in ihrem Alltag, aber das reicht nicht, um den Katastrophenfall auszulösen“, heißt es aus dem Kreishaus. Eine Krisensituation sei per Definition erst dann gegeben, „wenn die für die Gefahrenabwehr zuständigen Behörden die Herausforderung alleine nicht mehr bewältigen können“. Dann erst könne der Landrat den Katastrophenfall feststellen und einen entsprechenden Antrag auf Hilfeleistung stellen.

Fällt der Pegel der Elbe weiter, sind aber auch den beiden Systemen der Bundeswehr irgendwann Grenzen gesetzt: „Bei geringen Wasserständen brauchen wir die Ponton-Brücken auch nicht mehr. Dann fahren unsere Fahrzeuge einfach durch das Flussbett“, erklärt der Sprecher des Landeskommandos.

Und ob die militärischen Brücken wirklich auch für zivile Fahrzeuge geeignet sind, das wagt Saecker zu bezweifeln. „Da würde es wohl bei der Auffahrt auf die Rampen die eine oder andere Fahrzeugschürze zerlegen“, ist sich der stellvertretende Bataillonskommandeur sicher.

Pontonbrücke im Einsatz bei Kirchentag in Wittenberg

Was aber nicht bedeutet, dass die Bundeswehr nicht grundsätzlich bereit ist zu helfen: So sorgten die Pioniere aus Havelberg unter anderem im Mai 2017 mit dem Bau einer 110 Meter langen und sieben Meter breiten Pontonbrücke am Wittenberger Elbufer dafür, dass die Besucher des Evangelischen Kirchentages problemlos den Gottesdienst auf dem Festgelände erreichen konnten. Die Ponton-Brücke stellte die kürzeste Verbindung zur Wittenberger Altstadt her. Allerdings musste diese Brücke auch nur für einen halben Tag in Position gehalten werden. Die Brücke als Ersatz für die Bleckeder und die Darchauer Fähren wäre deutlich länger im Einsatz. Denn wann die Elbe wieder so viel Wasser führt, dass die Fähren wieder ablegen können, kann derzeit noch niemand sagen.

Von Klaus Reschke

2 Kommentare

  1. wie wäre es mit einem tunnel? so mancher wurde doch schon von ost nach west gebuddelt. die bundeswehr kann dabei doch da prima das buddeln üben. schmunzeln.wer weiß, ob sie diese fähigkeit beim retten der demokratie in aller welt noch gebrauchen kann? da demnächst das ,,freiwillige zwangsjahr,, kommen soll, könnte die jugend doch schon mal mit spaten und schaufeln zum einsatz kommen. hm hm.

  2. es wurde festgestellt: der notstand ist noch nicht ausgebrochen. ob die brückenbefürworter es anders sehen? schließlich ist zeit doch geld. die not wird bei zeitmangel immer größer. wie soll man da geld verdienen? besonders die schüler haben da doch ein problem, meint herr pols.