Mittwoch , 26. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Ungewöhnliche Knochenfunde
Das Knochenlager aus der Bardowicker Bäckerstraße. (Foto: be)
Das Knochenlager aus der Bardowicker Bäckerstraße. (Foto: be)

Ungewöhnliche Knochenfunde

Bardowick. Erneut erweist sich Bardowick als eine reiche Fundgrube für Archäologen: Man muss nur wenige Spaten tief graben, schon steckt man mitten drin in den Spuren des Mittelalters. Da aber die Landesarchäologie unter chronischem Geldmangel leidet, sind die Wissenschaftler oft erst im Notfallmodus aktiv, wenn jemand baut und im Boden archäologische Fundstellen beschädigt oder zerstört werden könnten. Dann gilt das Verursacherprinzip: Der Bauherr muss für die archäologischen Arbeiten zahlen. Diesem Umstand und der guten Kooperation zwischen dem Bardowicker Bauherrn Eckhard Bauss und Lüneburgs Bezirksarchäologen Mario Pahlow, ist es zu verdanken, dass bei der Grabung im Altdorf ungewöhnliche Knochenfunde freigelegt werden konnten.

Siedlungsreste aus dem Mittelalter

Gegraben wird an der Bäckerstraße auf mehr als 2200 Quadratmetern. Das entspricht der Grundfläche der dort geplanten Wohngebäude. Um das Planum, die Untersuchungsebene, zu erreichen, wurde teilweise mächtiger Mutterboden bis zu einer Tiefe von rund zwei Metern abgetragen. Bis im Sand darunter die dunklen Verfärbungen auftauchten, die auf Siedlungsreste aus dem Mittelalter hindeuten. Anfang der Woche haben Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesdienstes für Denkmalpflege zusammen mit Archäologiestudenten begonnen, Schnitte anzulegen. Dabei stießen die 15 Wissenschaftler um Grabungsleiterin Solveig Binnewies auf ungewöhnliche Anhäufungen von Tierknochen. „Das sind Knochen von Rot- und Dammwild, aber auch von Rindern und Schweinen“, sagt Studentin Annika Wiebers von der Uni Hamburg.

Bei den Knochen könnte es sich um das Restelager eines Knochenschnitzers handeln. Bezirksarchäologe Pahlow sagt: „Wir haben hier auch einen Knochenkamm entdeckt.“ Weitere Funde deuten auf ein Grubenhaus hin, vielleicht die Werkstatt des mittelalterlichen Handwerkers. Die Untersuchungen stehen noch am Anfang und sollen bis Oktober dauern. dth