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Schüleraustausch
Die Lehrkräfte Wang Qian und Konstantin Kliem machen mit dem Smartphone ein deutsch-chinesisches Selfie. (Foto: t&w)

Die kleine Seidenstraße

Scharnebeck. Gejohle auf dem Sportplatz des Bernd-Riemann-Gymnasiums in Scharnebeck. Alles wie immer? Fast. Ungewöhnlich sind die fremdartigen Sprachfetzen, die man sich beim besten Willen nicht herleiten kann: Gute Laune auf Chinesisch. Bereits zum siebten Mal findet in diesem Sommer der nicht nur in der Umgebung einzigartige zweiwöchige Schüler-Austausch mit China statt.

Schulleiter Thomas Müller erzählt, wie es dazu kam: „2011 habe ich meine Herbstferien in China verbracht. Dort habe ich an einer Internationalen Schulkonferenz teilgenommen und einen anderen Schulleiter kennengelernt. Da kamen wir irgendwie auf diese Idee und 2012 ging es dann auch schon los. Zum Glück haben wir schnell Sponsoren gefunden. Seitdem läuft das wie verrückt!“ Der Andrang bei den Zehntklässlern ist groß, Wartelisten die Regel. Zwar hätten viele seiner Schüler schon etwas von der Welt gesehen, aber China sei eben immer noch exotisch.

Ein halbes Jahr China-AG ist Pflicht

Der Austausch ist übrigens nichts für Kurzentschlossene: Voraussetzung ist es, mindestens ein halbes Jahr an der China-AG teilzunehmen, um ein bisschen mit der Kultur, der Geschichte und der Sprache des Landes vertraut zu werden, zumindest ein paar Schriftzeichen lesen zu können. „Das ist dringend erforderlich, die Schüler wohnen ja in den Familien!“ Aufgrund der kulturellen Unterschiede sei auch nicht alles von Anfang an reibungslos verlaufen, verrät er. Aber was ist denn überhaupt so anders? Konstantin Kliem, der den Austausch als Lehrer erneut begleiten wird, sagt: „Die Städte! Unsere Austauschstadt Wenzhou hat 10 Millionen Einwohner und gehört nicht mal zu den größten. Das ist Wahnisnn, vor allem im Vergleich zu Scharnebeck natürlich!“ Es herrsche ein unglaubliches Gewusel im Verkehr – es sei wahnwitzig. Trotzdem passiere so gut wie nichts.

Das Kurioseste für seine chinesische Kollegin Wang Qian: „Dass die Schüler und Schülerinnen schon Beziehungen führen dürfen… Das ist bei uns verboten!“ Überhaupt sei vieles freier, die deutschen Jugendlichen dürften so viele eigene Entscheidungen treffen, fast wie Erwachsene. Den Austauschschüler Huang Bolun begeistert vor allem das Umweltbewusstsein. „Bei uns ist es viel dreckiger. Hier sind die Dörfer ganz anders. So modern und sauber!“, sagt er. Er hofft sehr, durch den Austausch Freundschaften zu schließen, um mit Deutschland verbunden zu bleiben. Die Chancen stehen nicht schlecht: Laut Müller sei das Verhältnis zwischen den Schulen nach einem holprigen Start richtig gut. „Wir hatten genug Zeit, uns aufeinander einzustellen.“ Ein Abiturient konnte aufgrund seiner Kontakte schon ein Praktikum in Shanghai machen“, erzählt er stolz.

25 Scharnebecker Gymnasiasten werden im Oktober auf große Reise gehen. Was Janke Glüsing und Philine Hann sich bislang am komischsten vorstellen: „Morgens schon warm essen! Und gar kein Brot!“

Von Lea Schulze