Dienstag , 18. September 2018
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Mit dem letzten Hab und Gut über das Haff – das Museum thematisert jetzt auch Flucht, Vertreibung und Integration. (Foto: t&w)

Das neue Haus weitet den Blick auf Europa

Lüneburg. Mehr als drei Jahre war das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburgs Altstadt geschlossen. Seit Sonntag ist der Erweiterungsbau, der jetz t eine auf 2000 Quadratmeter erweiterte Dauerausstellung beherbergt, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit einem Festakt in der Johanniskirche, an dem mehr als 800 Gäste aus ganz Deutschland und dem Baltikum teilnahmen, wurde das knapp 8,2 Millionen teure Projekt am Sonnabend eingeweiht.

„Sie können sich mit den Museen in der Hauptstadt durchaus messen.“
Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin

Erste Besucherin war Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Sie zeigte sich nach der Führung durch Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert sehr beeindruckt. „Sie können sich mit den Museen in der Hauptstadt durchaus messen“, lobte Grütters.

Neu ist nicht nur, dass das Museum jetzt einen Eingang am alten Brauhaus an der Heiligengeiststraße hat und so direkt von Lüneburgs Touristenmeile aus zu erreichen ist. Inhaltlich wurde die Ausstellung um die Bereiche Flucht, Vertreibung und Integration sowie einer Deutschbaltischen Abteilung erweitert.

Auch die Geschichte eines Syrers wird erzählt

1300 Exponate sind, aufgeteilt in 17 Bereiche, zu sehen. Mähnert und sein Team setzen hier neue Akzente. So gibt es einen eigenen Rundgang für Kinder, durch den das Maskottchen „Ingo der Fischotter“ führt. Mit Lego, Playmobilfiguren und vielen Stationen zum Ausprobieren und Verkleiden wird Geschichte kindgerecht erzählt.

Das Museum setzt auf eine ganz andere Ansprache. Mähnert: „Die älteren Besucher kommen wegen der Erinnerung, die jüngeren haben ganz andere Fragen an die Region.“ Den Blick zu öffnen, welche Impulse aus dem Baltikum für Europa ausgingen und ausgehen und wichtige Fragen der Gegenwart aufzugreifen, ist der neue Anspruch. So finden sich beim Thema Flucht nicht nur historische Porträts, sondern auch die Geschichte eines Syrers.

Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut, setzt keine Vorkenntnisse voraus und erklärt in einfacher Sprache und mit überschaubaren Texten. Einzelne multimediale Angebote sind – plangemäß – noch noch nicht fertig, sondern werden im Laufe des nächsten Jahres ergänzt.

„Kant-Stadt Lüneburg“

Nicht nur Geschichte vermittelt das Landesmuseum. Im Magazin schlummern 2000 Bilder. Ein kleiner Teil davon, darunter Werke der Künstlerkolonie Nidden, Lovis Corinth und Käthe Kollwitz – sind in einem Bereich zu sehen. „Wir sind damit Lüneburgs größtes Kunstmuseum“, sagt Mähnert und hofft darauf, dass sein Haus von vielen Schülern besucht wird: „Für Schulkassen ist der Eintritt frei, ihre Lehrer können sich hier auch kostenlos vorbereiten.“

Während das neue Museum noch nicht ganz fertig ist, wird bereits die nächste Erweiterung vorbereitet. Bund und Land hatten im Frühjahr ihre endgültige Zusage für rund acht Millionen Euro für ein Kant-Haus auf dem Museumsgelände gegeben. Bis zum 22. April 2024 – dem 300. Geburtstag des großen Königsberger Gelehrten und Philosophen – soll der Bau fertig sein. Er beherbergt dann die 5000 Stücke umfassende Königsberg-Sammlung, die bis 2016 in Duisburg zu sehen war. „Sie werden dann Kant-Stadt Lüneburg“, meinte die Staatsministerin beim Festakt.

Von Marc Rath