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Klimagutachten
(Foto: Gina Sanders - stock.adobe.com)

Der Klima-Check

Lüneburg. Die Pläne für eine Bebauung im Westen der Stadt im Zusammenhang mit dem 3D-Campus werden seit Monaten kontrovers diskutiert. Kritiker bemängeln unter anderem, dass durch die Bebauung der Kaltluftstrom zur Belüftung der Innenstadt eingeengt wird. Und damit scheinen sie nicht falsch zu liegen. Aus klimatischen Gründen empfiehlt Experte Peter Trute eine schmalere Wohnbebauung an der Grenze zu Reppenstedt. Außerdem sollten die geplanten Gebäude direkt am Uni-Standort Volgershall so gestellt werden, dass Luftströme durchziehen können. Trute ist Geschäftsführer des Unternehmens Geo-Net, das für Lüneburg eine Stadtklimaanalyse erstellt hat. Den Entwurf stellte er den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses vor.

Was nimmt das Gutachten in den Fokus?

Im Sommer können sich stark bebaute Gebiete, also Innenstädte, aber auch Gewerbegebiete, erheblich aufheizen. Gründe sind dafür unter anderem der hohe Versiegelungsgrad, ein geringer Anteil an Grün, aber auch Schadstoffbelastungen durch Verkehr oder Industrie. Im Vergleich zum unbebauten Umland können hier in sogenannten Tropennächten die Temperaturen bis zu acht Grad höher sein. Das hat die Modellrechnung für die Stadt Lüneburg morgens um 4 Uhr in zwei Metern Höhe über dem Boden ergeben. Für Abkühlung können Kaltluftströme sorgen, die rund um die Stadt entstehen. Da der Zustrom nachts bodennah mit geringen Strömungsgeschwindigkeiten erfolgt, kann der Luftaustausch nur erfolgen, wenn die sogenannten Kaltluftleitbahnen ungehindert in die aufgeheizten Regionen der Stadt gelangen können.

Wärmeinseln hat die Analyse nicht nur für den Bereich der Altstadt ausgemacht und kategorisiert, sondern auch in anderen Stadtteilen. Und auch im geplanten Neubaugebiet Hanseviertel-Ost, denn alle laufenden Bebauungsplan-Verfahren wurden in die Modellrechnung mit aufgenommen. Identifiziert wurden zudem mehrere Kaltluftleitbahnen, die unter anderem vom Westen und Osten kommend für Abkühlung in den Wohnquartieren sorgen können.

Als Konfliktbereich macht das Gutachten die Freifläche zwischen Reppenstedt und der bestehenden Bebauung von Lüneburg aus. Diese sollte auf einer Breite von bis zu 400 Metern freigehalten werden.

Das kann zur Reduzierung der Hitze in dicht bebauten Stadtteilen getan werden: Neben Erhalt und Entwicklung von Kaltluftentstehungsgebieten sorgen Grünflächen und Stadtparks für prima Klima. Ebenso Wasserflächen, die Stadt plant Wasserspiele vor der IHK. Das Gutachten empfiehlt außerdem die Entsiegelung von Flächen, Innen- und Hinterhofbegrünung, Fassaden- und Dachbegrünung sowie energetische Gebäudesanierungen.

Nachverdichtung ist in vielen Kommunen das Schlagwort, um Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig den Flächenverbrauch an den Peripherien der Städte zu reduzieren. Damit dies aber nicht zu mehr Versiegelung führt, bauen laut Trute viele Städte inzwischen in die Höhe. Ludwigsburg denke zum Beispiel über Hochbaukonzepte nach. Das sieht er allerdings nicht als Option für Lüneburg an.

Innen- vor Außenverdichtung

Die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse sollen laut Stadt bei allen laufenden und künftigen Bauleitplanungen berücksichtigt werden. Um Maßnahmen wie die Begrünung von Dächern oder Fassaden zu unterstützen, soll ein Förderprogramm auf den Weg gebracht werden.

Die Stadtklimaanalyse basiert auf einer Modellrechnung und bildet den bioklimatischen Ist-Zustand ab. Als Eingangsdaten lieferte die Stadt dazu Informationen über Geländestrukturen, Versiegelungsgrad, Gebäudehöhen, Grünanteil sowie meteorologische Bedingungen. Das Gutachten enthält mehr als 130 Seiten und gibt Empfehlungen, was bei der Stadtentwicklung künftig zu berücksichtigen ist. Die Stadt wird es demnächst ins Internet stellen.

Für das geplante Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg hatte das Büro Geo-Net Umweltconsulting Hannover bereits ein Teilgutachten erstellt.

Gutachten

Daten demnächst im Internet

Die Stadtklimaanalyse basiert auf einer Modellrechnung und bildet den bioklimatischen Ist-Zustand ab. Als Eingangsdaten lieferte die Stadt dazu Informationen über die Geländestrukturen, Versiegelungsgrad, Gebäudehöhen, Grünanteil sowie meteorologische Bedingungen. Das Gutachten enthält mehr als 130 Seiten und gibt Empfehlungen, was bei der Stadtentwicklung künftig zu berücksichtigen ist. Die Stadt wird es demnächst ins Internet stellen.

Für das geplante Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg hatte das Büro Geo-Net Umweltconsulting Hannover bereits ein Teilgutachten erstellt.

Von Antje Schäfer