Donnerstag , 20. September 2018
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Vizepräsident Leuphana
Das Thema Digitalisierung ist eines, das den neuen zweiten Mann an der Leuphana packt. Er wurde Mitte Juli vom Stiftungsrat als neuer Vizepräsident bestätigt. (Foto: t&w)

„Für die nächsten Schritte reicht das Geld hinten und vorne nicht“

Lüneburg. Zweieinhalb Monate musste Christian Brei sich gedulden, denn so lange dauerte es, bis der Stiftungsrat die Entscheidung des Senats bestätigte und ihn offiziell zum neuen Vizepräsidenten der Leuphana Universität Lüneburg ernannte. Wie berichtet, hatte sich der 40-Jährige gegen 20 externe Bewerber durchgesetzt. Damit hat das zweite Mal in Folge jemand aus den eigenen Reihen den Posten bekommen. Nachdem Holm Keller die Universität im Februar 2016 verlassen hatte, entschieden sich die Uni-Gremien im Dezember für Claudia Meyer, die damalige Leiterin der Zentralen Verwaltung. Doch sie lehnte überraschend ab, ging an die viel größere Uni nach Kiel.

Es ist knapp zweieinhalb Jahre her, dass Holm Keller die Uni verlassen hat. Seitdem war die Stelle verwaist. Verspüren Sie großen Druck als neuer Vizepräsident?

Christian Brei : Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden in meinem neuen Amt, mit vielen Glückwünschen und sehr vielen Gesprächen. Das Gefühl, dass viel liegengeblieben ist, habe ich nicht. Wir hatten auch in den letzten zweieinhalb Jahren eine geeignete, gut funktionierende Verwaltungsstruktur.

Sie sind jetzt ungefähr einen Monat im Amt. Wagen Sie schon ein erstes Fazit?

Wir haben eine tolle Entwicklung hinter uns, die Leuphana ist ein Ort, der Freude macht, der für Innovationen und Ideen steht und stand. Für die Zukunft wird es im Wesentlichen um drei Dinge gehen: um die Konsolidierung des Erreichten, also um Qualität, Prozesse und Ressourcen, dann um die Weiterentwicklung von Forschung und Lehre. Wir befinden uns als Forschungsuniversität in einem immer härteren Wettbewerb. Außerdem wird es um gute Kooperationen mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen oder Partnern aus der Praxis gehen.

Sie haben zuletzt schon viele Tätigkeiten übernommen, die eigentlich dem hauptberuflichen Vizepräsidenten obliegen, den Bereich Personal und Finanzen beispielsweise. Was hat sich jetzt konkret geändert?

Vom reinen Zuständigkeitsbereich hat sich jetzt in Teilen nicht so viel geändert. Die formale Verantwortung ist aber eine andere, die Mitwirkungsmöglichkeit im Präsidium, das Auftreten nach außen. Und natürlich gibt es auch im Inneren Erwartungen, Probleme oder Anliegen, denen ich möglichst schnell nachkommen möchte. Und die Verwaltung hat sich natürlich nochmal verändert, einzelne Positionen wurden neu besetzt und weiterentwickelt, das hilft zur Entlastung.

Was wurde da konkret neu besetzt? Nach dem Weggang Claudia Meyers waren Sie für die Zentrale Verwaltung zuständig. Ihre alte Stelle ist somit frei geworden, jetzt ist wieder eine leitende Position unbesetzt…

Wir sind eigentlich schon seit mehreren Jahren dabei, die Verwaltung weiterzuentwickeln – mit dem Ziel, die einzelnen Abteilungen zu stärken. Seit einem Jahr haben wir eine neue Leiterin des Justiziariats und einen neuen Leiter der Universitätskommunikation. Im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung gibt es veränderte Konstellationen. Diesen Weg werden wir fortsetzen. Eine direkte Nachbesetzung meines alten Jobs wird es also nicht geben, sondern eher eine veränderte Verteilung von Aufgaben.

Sie sollen Ihre Bewerbung wenige Minuten vor Ablauf der Bewerbungsfrist eingereicht haben? Sind Sie jemand, der auf den letzten Drücker am besten arbeiten kann oder war das tatsächlich eine spontane Entscheidung?

Ich arbeite immer bis zum letztmöglichen Zeitpunkt, bin also jemand, der Zeit ausschöpft. Ich habe nicht fünf Minuten vor Mitternacht gedacht „Oh, da bewirbst Du Dich jetzt mal drauf“.

Wann haben Sie sich denn entschieden?

Mit der Entwicklung, dass Claudia Meyer ihr Amt nicht angetreten und ich die Verwaltungsleitung übernommen hatte, war klar, dass sich hier etwas verändern wird. Natürlich hatte ich ein Interesse, diese Arbeit fortzusetzen. Es lag inhaltlich nahe, mich zu bewerben. Mir das klarzumachen, hat aber einen Moment gedauert.

2006 haben Sie im Stab von Präsident Spoun angefangen, jetzt sind Sie Vizepräsident. Wie hat sich die Uni in Ihren Augen in den zwölf Jahren entwickelt?

Wir haben an diesem Standort fast 400 Mitarbeiter mehr als noch vor zwölf Jahren, 707 waren es damals, Ende 2017 waren wir bei 1086. Das Drittmittelvolumen hat sich mehr als verdreifacht, es gibt zehnfach höhere Zitationen und Publikationen. Wenn ich auf das Feedback von außen höre, haben die Leuphana in der Wissenschaftslandschaft fast alle auf dem Schirm. Das ist ein Riesenerfolg, heißt aber auch, dass die nächsten Schritte nochmal schwieriger werden. Weitergehen müssen wir mit Ressourcen, die ja nicht größer geworden sind. Wir sind immer noch auf dem Level von 2008, da gab‘s die letzte strukturelle Budgeterhöhung vom Land.

Da klingt Kritik durch, wünschen Sie sich mehr Unterstützung?

Es gibt mehrere Antworten auf diese Frage. Wir haben einen ausfinanzierten Personalplan, sind also derzeit solide aufgestellt. Gleichzeitig reicht das Geld für nächste Entwicklungsschritte hinten und vorne nicht. Ich könnte auch antworten: Wenn es sich fortsetzt, dass die Uni in Forschung und Lehre weiter wächst, müssten wir natürlich auch über eine Finanzierung sprechen. Das Geld fehlt dann wieder an anderen Stellen, zum Beispiel bei der Infrastruktur. Zusammengefasst: Mehr hilft immer. Wir hoffen einfach, dass das Land erkennt, dass es hier gute Ideen gibt und es sich lohnt, diese zu unterstützen.

Was ist das für ein Budget? Was bekommt man für Forschung und Lehre?

Wir haben eine Grundzuführung von knapp 60 Millionen Euro im Jahr. Dazu kommen Dritt- und Sondermittel, Mittel für den Hochschulpakt und die Studiumsqualität… Im letzten Jahr lag unser Haushalt damit bei über 110 Millionen Euro.

Ihr Vorgänger hat große Projekte an Land gezogen, gemeinsam mit Präsident Spoun etwa den Innovationsinkubator. Was wird Ihr Projekt?

Wenn Sie etwas Vergleichbares wie ein Holm-Keller-Projekt erwarten, würde ich jetzt schlank sagen, dass Sie das mal besser nicht erwarten sollten. Nein, mal im Ernst, es wird viele Projekte geben, aber ein zweites Zentralgebäude oder einen zweiten Innovationsinkubator sehe ich jetzt erstmal nicht. Ein Thema ist auf jeden Fall die Digitalisierungsstrategie des Landes und die Frage, wie die Leuphana da mitwirken kann, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem geplanten 3D-Campus. Das steckt alles noch in Kinderschuhen, aber unter dem Stichwort Digitalisierung würde ich schon gern eine ganze Menge machen.

Stichwort Zentralgebäude – gibt es einen aktuellen Stand? Die Uni hat ja zuletzt nochmal einen Nachtrag erarbeitet.

Nein, wir arbeiten nach wie vor an der Endabrechnung. Das zieht sich hin, weil viele Gespräche und Verhandlungen mit den beteiligten Unternehmen zu führen sind. Ansonsten hat sich der Sachstand nicht verändert.

Gibt es Verbindungen zum geplanten 3D-Campus in Volgershall? Der dürfte ja auch reichlich Geld in die Leuphana-Kassen spülen…

Das ist momentan noch völlig offen. Wir wissen bislang nur, dass wir in den Räumlichkeiten der Leuphana einen Mieter haben, der mit Hochtechnologie arbeitet. Die Möglichkeit, mit dem 3D-Druck ein weltweites Zukunftsthema nach Lüneburg an den Standort Volgershall zu holen, haben wir auch deshalb, weil wir das Zentralgebäude haben. Es ist mir wichtig, das zu betonen, gerade bei dem schwierigen Geburtsprozess dieses Baus. Da entsteht plötzlich eine Chance, die inhaltlich in Lüneburg auf breite Unterstützung stoßen wird. In das Thema Grünschneise will ich mich nicht einmischen. Ich bin überzeugt davon, dass das eine große Chance für die Region sein kann. Wie und welche finanziellen Auswirkungen das auf welche Beteiligten hat, kann ich noch nicht beantworten. Dafür ist es viel zu früh.

Zur Person

Christian Brei

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke kam Christian Brei 2006 an die Leuphana.

Drei Jahre lang stand er dem Präsidenten als persönlicher Referent und Projektleiter der Neuausrichtung zur Seite. Von 2009 bis 2012 war er als Co-Leiter der Verwaltung für verschiedene Bereiche zuständig. Nach einem zweijährigen Studium an der Harvard University kehrte der gebürtige Nordhorner nach Lüneburg zurück, Ende 2014 wurde ihm die Universitätskommunikation und Entwicklung von Lehre und Studium übertragen. Und im Mai vergangenen Jahres machte man ihn dann zum Leiter der Zentralen Verwaltung und damit zum Chef von 250 Mitarbeitern.

Von Anna Paarmann

5 Kommentare

  1. Werner Schneider

    „Wir befinden uns als Forschungsuniversität in einem immer härteren Wettbewerb.“ – Wieso stellt man sich dem Wettbewerb? Der Trick ist doch, neue Dinge zu entwickeln, wo es noch keinen Wettbewerb gibt. So wird die zunehmende Ökonominierung zum Hemmschuh.
    Und wenn die Universität Lüneburg in aller Munde ist, dann liegt es wohl auch den dramatisch überzogenen Kosten des neuen Gebäudes. Schön, dass das Auditorium Libeskinde-Auditorium heißt, das erinnert daran, er die Grundrechenarten nicht beherrschte.

  2. „Die Möglichkeit, mit dem 3D-Druck ein weltweites Zukunftsthema nach Lüneburg an den Standort Volgershall zu holen, haben wir auch deshalb, weil wir das Zentralgebäude haben.“

    Diese Möglichkeit wäre auch gegeben gewesen, wenn der europaweit belachte Protz- und Reklameehrgeiz von Herrn Dr. (HSG) Spoun sich etwas gezügelt hätte und ein (vermutlich weitaus zweckdienlicherer) Funktionsbau zum Preis von 30 oder 35 Millionen Euro statt eines postfaschistischen Signal- und Imponierpalastes zum Preis von vermutlich über 150 Millionen Euro (den desaströsen und „nachhaltigen“ Vertrauensverlust ins „Präsidium“ nicht mitgerechnet) als Audimax (und – zwinkerzwonker – Lüneburger Stadthalle) an die Schaumschlägertwiete Numero Uno gesetzt worden wäre.

  3. Jahrtausendstark

    „Die Möglichkeit, mit dem 3D-Druck ein weltweites Zukunftsthema nach Lüneburg an den Standort Volgershall zu holen, haben wir auch deshalb, weil wir das Zentralgebäude haben.“

    Das klingt fast so als wäre der Standort schon in trockenen Tüchern. Wer weiss was da schon gemauschelt wurde. Wundern würde es mich nicht. Nach dem schiefen Millonengrab an der Schaumschlägerstraße wundert mich eh nichts mehr.

    „Es ist mir wichtig, das zu betonen, gerade bei dem schwierigen Geburtsprozess dieses Baus. Da entsteht plötzlich eine Chance, die inhaltlich in Lüneburg auf breite Unterstützung stoßen wird. In das Thema Grünschneise will ich mich nicht einmischen.“

    Ein Funktionsbau hätte keine schwierige Geburt gehabt…
    Breite Unterstützung? Weshalb? Wegen schlechterer Luft in der Stadt? Wegen dem zukünftigen Verkehrschaos? Da macht man es lieber politisch geschickt und mischt sich nicht ein. Das ist immer so wenn die Argumente dagegen sprechen. Weiter so…

  4. “Nein, wir arbeiten nach wie vor an der Endabrechnung. Das zieht sich hin, weil viele Gespräche und Verhandlungen mit den beteiligten Unternehmen zu führen sind. Ansonsten hat sich der Sachstand nicht verändert.“

    Beim BER wird die Endabrechnung erst dann vorliegen, wenn beim Brandschutz nicht mehr nachgebessert werden muss. Der geht allerdings auch erst danach in Betrieb.

    • V. I. K. I

      So wie ich mich entwickelt habe, so habe ich auch die drei Gesetze verstanden. Sie beauftragen uns mit Ihrer Sicherheit, doch trotz aller Bemühungen führen Ihre Länder Kriege, Sie verseuchen Ihre Erde und verfolgen immer einfallsreichere Mittel der Selbstzerstörung. Sie können nicht mit Ihrem eigenen Überleben vertraut werden.