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Nach Tansania geflogen sind (vorn, v. l.) Malte Heins, Collin Bergmann, Jannik Schmidt, Darius Hartwig, (Mitte, v. l.) Charlotte Pajor, Swenja Peick, Kim Hartmann, Isa von Platen sowie (hinten, v.l.) Anne-Kathrin Dierschke und Arne Simon. Foto: bau
Nach Tansania geflogen sind (vorn, v. l.) Malte Heins, Collin Bergmann, Jannik Schmidt, Darius Hartwig, (Mitte, v. l.) Charlotte Pajor, Swenja Peick, Kim Hartmann, Isa von Platen sowie (hinten, v.l.) Anne-Kathrin Dierschke und Arne Simon. Foto: bau

Prüfen, ob die Hilfe fruchtet

Salzhausen. Die Exkursion dauert neun Tage. Ziel ist die 5,4 Millionen Einwohner zählende und 7250 Kilometer entfernte Me­tropole Dar es Salaam im ostafrikanischen Tansania und dort das Waisenheim „Watoto Wetu“. Seit 2010 unterstützt das Gymnasium Salzhausen diese von der lokalen Nicht-Regierungsorganisation „Watoto-Wetu Tanzania“ geführte Einrichtung. Das persönliche Kennenlernen des von Theobald Buberwa geleiteten Heimes stellt für die Salzhäuser Schule den Höhepunkt des bisherigen Kontaktes dar.

„Gespannt, neugierig und aufgeregt“, so beschrieben die Jugendlichen vor Reiseantritt ihre Gefühlswelt. „Es wird für uns alle sicherlich einen kleinen Kulturschock geben“, sagte Jannik Schmidt. „Aber diese Erfahrungen werden uns helfen, Dinge hier bei uns mehr wertzuschätzen.“ Mit 15 Jahren ist er der Jüngste in der Gruppe. Zu der gehören Malte Heins, Darius Hartwig, Swenja Peick, Charlotte Pajor, Kim Hartmann, Isa von Platen und Collin Bergmann sowie die Lehrkräfte Anne-Kathrin Dierschke und Arne Simon.

53 Gymnasiasten hatten sich für eine Teilnahme an der Reise beworben

„Wir freuen uns, dass wir diese Möglichkeit bekommen haben“, sagte Isa von Platen. Die rund 14.000 Euro teure Exkursion wird durch das Land Niedersachsen mit 10.000 Euro bezuschusst. Sie und ihre sieben Mitschüler haben sich in einem Auswahlverfahren durchgesetzt. 53 Gymnasiasten hatten sich für eine Teilnahme an der Reise beworben. Gefragt waren vor allem hohe soziale Kompetenz und Persönlichkeit.

„Alle, die wir ausgewählt haben, sind sehr gute Schüler, ex­trem motiviert und auch im außerschulischen Bereich stark engagiert“, verdeutlicht Arne Simon. Die ehrenamtliche Arbeit in der Feuerwehr, im Sportverein, in der Kirche, in der Flüchtlingsarbeit oder am Gymnasium als Nachhilfelehrer ist für die acht, aber auch für andere Mitbewerber, selbstverständlich.

Seit acht Jahren hilft das Gymnasium

Seit 2010 unterstützt die Schule das Waisenheim. Der ehemalige Salzhäuser Schüler Ulf Kanefendt hatte dort nach seinem Abitur 2009 ein Jahr lang einen internationalen Freiwilligendienst absolviert und den Kontakt zur Organisation „Watoto Wetu Tanzania“ hergestellt. Deren Anliegen ist es, benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein Zuhause zu geben, zu bilden und ihre Selbstständigkeit zu fördern. Seit acht Jahren hilft das Gymnasium in erster Linie durch Spenden. Der Löwenanteil kommt beim jährlichen Sommerfest zusammen: 41.360 Euro seit 2010.

„Für uns als Schule, aber auch in Bezug auf immer wieder gestellte Fragen, ob unsere finanzielle Hilfe an der richtigen Stelle ankommt, ist es wichtig, dass wir uns selbst ein Bild machen“, sagt Arne Simon. Von den mitfahrenden Jugendlichen erhoffen sich die Lehrer nachbereitend einen „Multiplikatoren-Effekt“. Von ihren Erfahrungen soll die gesamte Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft des Gymnasiums profitieren.

Kinder in ihrem Alltag erleben

„Vielleicht gelingt es uns da­rüber hinaus, weitere ehemalige Abiturienten für ein internationales freiwilliges Jahr im Waisenheim zu motivieren und so einen stetigen direkten Draht aufzubauen“, sagt Arne Simon. Nach Ulf Kanefendt war mit Stella Hüsing 2016 eine zweite Ex-Gymnasiastin in Tansania.

Die Erwartungen der Reisegruppe sind auch von Ungewissheit über die tatsächliche Lage im Heim geprägt. „Wir werden von den dort lebenden Kindern viel mitnehmen und lernen, dass Bildung, das Vorhandensein von Eltern und die Tatsache, ein warmes Dach über dem Kopf zu haben, alles andere als selbstverständlich sind“, sagt Swenja Peick. Gemeinsamer Tenor der Schüler: Sie möchten die Kinder in ihrem Alltag erleben, Kontakte knüpfen, helfen, mit ihnen tanzen, singen, Sport treiben und die jüngeren Jahrgänge vielleicht auch unterrichten. Darüber hinaus wollen sich die Gymnasiasten bis zur ihrer Rückkehr am 3. September mit der Geschichte und der Kultur des Landes beschäftigen. Ein Besuch des Nationalmuseums und eines Nationalparks sind fest eingeplant.

Von Marcel Baukloh

Hintergrund

Helfer arbeiten ehrenamtlich

Bis zu 75 Kinder, Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 3 bis 25 Jahren waren im Waisenheim schon untergebracht. Übergeordnetes Ziel der Einrichtung „Watoto Wetu Tanzania“ ist es, alle zu einem Schulabschluss zu führen. Dabei besteht die größte Herausforderung in der Finanzierung der täglichen Unterhaltungskosten, der Lebensmittel, der Gesundheitskosten, der Schulgebühren und der Schülerbeförderung. Zuletzt musste das Waisenhaus umziehen, da an dieser Stelle eine Schnellstraße gebaut wurde. Von den sieben Mitarbeitern der Einrichtung werden nur der Direktor und die hauptberufliche Köchin entlohnt. Alle anderen Helfer arbeiten ehrenamtlich. „Watoto Wetu Tanzania“ ist im Leitbild des Gymnasiums Salzhausen verankert.