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Museums-Kuratorin Christina Broesike und Biologiedirektor Prof. Dr. Johannes Prüter sind zuversichtlich, dass die Broschüre viel Zuspruch bekommt - 3000 Mal wurde sie gedruckt. Foto: t&w

Ein Spaziergang für die Sinne

Lüneburg. Wenn Volkmar Ziese mit leuchtenden Augen von Lüneburgs Schätzen zu erzählen beginnt, meint er keineswegs den historischen Reichtum der Stadt, sondern die vielen Biotope, die man inmitten der Gebäude entdecken kann. Und während die hiesige Architektur sofort ins Auge fällt, bedarf es etwas mehr Aufmerksamkeit, um die Stadtökologie wirklich kennenzulernen.

Idee reicht zurück bis ins Jahr 1993

Im September 2014 beschloss der Naturwissenschaftliche Verein, eine neue Broschüre zu konzipieren, die sich der grünen Seite von Lüneburg widmet. Als Vorlage hierfür diente die Broschüre „Stadtökofahrt“, die 1993 von Prof. Dr. Kurt Horst entwickelt worden war. Seine Grundidee, Lüneburgs Ökologie zu präsentieren, wurde in der Neuauflage beibehalten. Über einen Zeitraum von zwei Jahren hat der Verein in Zusammenarbeit mit dem Museum Lüneburg und dem Bereich Grünplanung der Hansestadt die Stationen von Dr. Horsts Rundgang neu erarbeitet.

„In den vergangenen 20 Jahren hat sich hier viel getan“, schildert Museumsleiterin Dr. Heike Düselder. „Durch verändertes Klima und neue Bebauungen weichen die heutigen Bedingungen deutlich von den damaligen ab. Es gibt andere Pflanzen und Tiere, auf die wir mit unserem Rundgang aufmerksam machen wollen.“

Hauptziel des Projektes sei es, dass Touristen und Einheimische die Stadt von einem ungewöhnlichen Blickwinkel kennenlernten. Heike Engelhardt ist überzeugt von der Idee: „Wir bieten eine Alternative zu der klassischen Stadtführung, die sich ja eher mit dem historischen Aspekt der Stadt auseinandersetzt. Wenn man sich als Lüneburger auf den ökologischen Rundgang begibt, könnte man fast meinen, durch einen fremden Ort zu spazieren.“ Die Besonderheiten, denen man auf dem Rundgang begegne, würden nämlich sonst oft nicht wahrgenommen.
Erhältlich sein soll die Broschüre an der Tourist-Information am Marktplatz, ebenso wie in Buchhandlungen, in Jugendherbergen und natürlich im Museum selbst. Preis: zwei Euro. Schulen könnten auf Nachfrage Klassensätze gratis erhalten, immerhin lasse sich vieles an der Route an mehrere Unterrichtsthemen anbinden.

Liebesgrund, Kalkberg und Lambertiplatz als Stationen

Prof. Dr. Johannes Prüter, Biologiedirektor des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue, illustriert diese Idee: „Einerseits ist es naheliegend, die gegebenen Informationen über die Ökologie und die Ilmenau zu nutzen, man kann aber auch über den Biologieunterricht hinausgehen. Zum Beispiel der Klimawandel lässt sich auch in gesellschaftswissenschaftlichen Fächern anbringen.“

Der vier Kilometer lange Rundgang startet am Museum Lüneburg und führt unter anderem durch den Liebesgrund, über den Kalkberg und den Lambertiplatz. Konkrete Pläne, auch eine digitale Form zu entwickeln, gebe es noch nicht. „Aber das wäre der nächste Schritt, wenn das Projekt gut angenommen wird“, sagt Grafikdesigner Erhard Poßin.

Von Josephine Wabnitz

Den Rundgang ist LZ-Praktikantin Josephine Wabnitz abgelaufen, sie schildert ihren Eindruck: „Die Tour macht auf die grünen Flecken aufmerksam, die man im stressigen Alltag gerne übersieht. Die Route beginnt an der Ilmenau und führt über die Brausebrücke zum Stint, dem Touristenmagneten. Dort sollen sich in den Fugen besondere Pflanzen finden lassen – die kann man leider wegen der vielen Restauranttische nicht wirklich sehen. Im Liebesgrund hat der Jahrhundertsommer Spuren hinterlassen hat. Der ausgetrocknete Rasen konnte sich trotz der jüngsten Regentage noch nicht davon erholen.

Die schmale Straße Auf dem Meere duftet gut wegen der vielen Pflanzen, auch die Michaeliskirche ist einen Besuch wert. Der Kalkberg bietet einen herrlichen Ausblick über die Stadt. Spätestens jetzt sollte auffallen, wie grün Lüneburg ist.

Eine kleine Verschnaufpause bietet sich in der grünen Oase inmitten der Altstadt an. Es geht zurück ins Zentrum. Insgesamt bietet der Rundgang viele Möglichkeiten für Zwischenstopps, es gibt reichlich Bänke, aber auch Restaurants, Kirchen und Spielplätze. Hinterher strahlt die Stadt im neuen Licht, das Grün wirkt viel dominanter, wie von den Herausgebern beabsichtigt. Alles in allem eine charmante Nachmittagsunternehmung.