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Vor rund einem Jahr ist ein Teilabschnitt der Lopau in der Samtgemeinde Amelinghausen renaturiert worden. Inzwischen hat sich die Natur viele Bereiche zurückerobert. Foto: Landkreis Lüneburg

Bachperle ist das Ziel

Neunauge. Foto: Stock

Rehlingen. Burkhard Jäkel von der Unteren Naturschutzbehörde hat sich akribisch auf das Treffen vorbereitet – mit sekundengenau getaktetem Ablaufplan und Stoppu hr in der Hand. Denn der Umweltexperte und seine Mitstreiter vom Verein RegioKult haben genau eine Stunde Zeit, der Jury aus Hannover ihr Umwelt-Projekt vorzustellen: die Renaturierung eines Teilstücks der Lopau bei Rehlingen. Oder, wie es in den Unterlagen für den Niedersächsischen Gewässerwettbewerb beschrieben wird: Es geht um die „Verbesserung der Gewässer- und Auenstruktur zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Lopau am ehemaligen Kulturstau ‚Auf dem Brende.‘“

22 Umwelt-Projekte wurden landesweit für diesen Wettbewerb angemeldet, zwölf kamen in die engere Wahl des Niedersächsischen Gewässerwettbewerbes. Eines davon ist die Lopau-Renaturierung.

Flusslauf auf einer Länge von 50 Metern verlegt

Vor Ort ist auch Amelinghausens Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch: Die Rathauschefin ist selbst studierte Umweltwissenschaftlerin, weiß um die Wichtigkeit eines intakten Gewässers: „Bäche sind das Rückgrat unserer Natur.“ Auch Rehlingens Bürgermeister Herbert Tolkstorf zeigt sich vom Projekt begeistert, „von dem nicht nur das Lopautal, sondern auch andere Regionen profitieren werden“, ist er überzeugt, genauso, wie Burkard Jäkel: „Strategisches Ziel ist es, dieses Projekt als Kristalisationspunkt zu nutzen, um bereits laufende Projekte im Oberlauf der Lopau aufzunehmen und neue Projekte im Unterlauf zu initiieren“, erklärt er den Jury-Mitgliedern.

Die Renaturierungs-Arbeiten fanden im Frühjahr 2017 statt, sind also gerade mal ein gutes Jahr her. Es wurde gebaggert und gebuddelt, 207 Tonnen Kies und gesiebtes Geröll wurden bewegt und der Lauf der Lopau auf einer Länge von etwa 50 Metern verlegt.

Doch die Wunden, die durch die Baggerschaufeln notgedrungen in die Landschaft geschlagen wurden, sind fast verheilt. In nur einem Jahr hat sich die Natur das Areal zurückerobert, sehr zur Freude von Burkhard Jäkel und seinen Mitstreitern.

Die Lopau stellt kein unüberwindbares Hindernis mehr dar

Mühlkoppe. Foto: Hablützel

So hat sich zum Beispiel an einer Stelle der Hirschzungenfarn angesiedelt. Für die Biologen etwas Besonderes, „denn der ist eigentlich eher in Schluchtwäldern mit Eschen, Ahorn und Linden zu finden und nicht unbedingt im Flachland“, erklärt Oliver Richter von den Niedersächsischen Landesforsten, die als Grundeigentümer ebenfalls in das Renaturierungs-Projekt eingebunden sind.

Stolz sind die Akteure vor allem aber darauf, dass die Lopau an dieser Stelle kein unüberwindbares Hindernis mehr darstellt für Wassertiere, so wie das in früheren Jahrzehnten der Fall war. Vor mehr als 100 Jahren nämlich hatten Wasserbauer Querbauwerke wie den alten Kulturstau „Auf dem Brende“ oberhalb der Ortschaft Bockum gebaut, um den Wasserzufluss so künstlich regeln zu können. Rieselwiesenkultur nannte man das. Bei dieser Art der Wiesenkultur wurde das Wasser, wie es heute zum Teil bei den Reisfeldern noch üblich ist, aufgestaut und durch seitlich aufgeworfene Wälle auf der Fläche gehalten.

Die Idee besteht schon lange

Eisvogel. Foto: Delpho

Irgendwann war die Landwirtschaft auf diese Technik der Wasserregelung nicht mehr angewiesen. Die Kulturstauwerke an der Lopau gerieten in Vergessenheit. Manch Rieselwiesenteich wurde noch zur Fischzucht genutzt, doch auch die irgendwann aufgegeben. Aber: Die Idee, die Gewässerstruktur der Lopau zu verbessern, besteht schon lange. Erste Gespräche fanden bereits 2007 statt.

Jetzt also schlängelt sich die Lopau wieder an dem alten Kulturstau vorbei, der bewusst stehen gelassen wurde – als Kulturdenkmal. Die alten Fischteiche wurden zum Teil in den Uferböschungen neu gestaltet, Flachwasserzonen geschaffen, Dämme abgeflacht oder entfernt. Die Abläufe der alten Fischteiche in die Lopau wurden verschlossen, die Teiche dadurch angestaut. Das sorgt für die gewünschte Vernässung des Bruchwaldes.

Und um das Biotop komplett zu machen, hat der SOS-Hof Bockum ein Stück Wald als Ausgleichsfläche, direkt an der Lopau gelegen, zur Verfügung gestellt. Dieses Stück Forst bleibt jetzt als Naturwald sich selbst überlassen.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Tierwelt zurück

Mit gewässertypischem Kies wurden im neuen Bachbett der Lopau Laich- und Habitatplätze geschaffen. Und die werden von der Tierwelt gut angenommen. So wurden bereits Bachforellen gesichtet, Neunaugen und Mühlkoppen. Aber auch Amphibien und Libellen fühlen sich in dem wiederhergestellten Biotop wohl.

In der sandigen Uferböschung fühlt sich auch der Eisvogel zu Hause, gesichtet wurden auch Bekassine, Reiher und Kanada-Gänse. Und Michael Loch von der Unteren Naturschutzbehörde weiß, dass das Loptautal auch potenzielles Schwarzstorch-Gebiet ist. Gesichtet worden sind des Weiteren Wolfs-Spuren.

Ob die Renaturierungs-Maßnahmen an der Lopau auch die Jury-Mitglieder nachhaltig beeindruckt haben, wird sich spätestens bei der Preisverleihung in Hannover im Herbst zeigen. Ausgelobt sind Preisgelder sowie die „Niedersächsische Bachperle 2018.“ Ein Preis, der schon einmal für ein Umwelt-Projekt im Landkreis Lüneburg vergeben wurde. 2012 für die Renaturierung der Billerbeck in Melbeck.