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Hafen Lüneburg
Lange Zeit Sorgenkind, jetzt wieder nachgefragt: der Hafen Lüneburg am Elbe-Seitenkanal. (Foto: Hafen Lüneburg GmbH)

Freude und Frust im Lüneburger Hafen

Lüneburg. Eigentlich könnte Oberbürgermeister Ulrich Mädge richtig strahlen. Am Donnerstag stellte er gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Hafen Lüneburg GmbH, Lars Strehse, zwei Unternehmen vor, die im Hafen wachsen wollen. Doch die steigende Attraktivität des Hafens, lange Zeit Sorgenkind der Stadt, scheint nun selbst zum Problem zu werden: Für die stark steigende Nachfrage fehlen die Flächen.

„Wir hätten gern eine doppelt so große Fläche erworben“, erläutert Klaus Bockelmann, Geschäftsführer der in Lüneburg ansässigen Bockelmann Holz GmbH. Das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern ist in den Bereichen Rohholzhandel, Energie- und Recyclingholz aktiv, beliefert Kunden der Holzwerkstoff-, Papier- und Zellstoffindustrie in ganz Norddeutschland. 1,5 Millionen Festmeter Holz schlägt das Unternehmen pro Jahr um. 88 Prozent davon werden auf der Straße befördert, 10 Prozent per Bahn und nur 2 Prozent per Schiff. Das soll sich nun ändern, „allein schon wegen der steigenden Mautkosten und fehlender Lkw-Fahrer müssen wir verstärkt aufs Schiff setzen“.

Auch in Hamburg und Uelzen geht nichts

Doch die dringend benötigten Flächen seien weder im Hafen Uelzen noch in Hamburg zu bekommen. „Deshalb sind wir froh, jetzt hier zum Zuge gekommen zu sein“, sagt Bockelmann. 1,3 Hektar hat das Unternehmen im östlichen Hafengebiet von der Stadt erworben. In Kürze soll mit der Sanierung der Freifläche begonnen werden. Auch zusätzliche Mitarbeiter sollen eingestellt werden.

Eine ebenso große Fläche gleich nebenan hat das Unternehmen Link Substrat Produktion und Handels GmbH erworben. Das Unternehmen produziert Erden und Substrate für den Garten- und Landschaftsbau, insbesondere für die Dachbegrünung. Das Material stammt aus der Eifel, wird per Schiff nach Lüneburg zur Verarbeitung gebracht und geht von hier per Lkw zu den Kunden – künftig etwa 20 Transporte täglich.

„Wir haben uns verschiedene Standorte in Norddeutschland angeschaut, Lüneburg hat aber am schnellsten reagiert“, erläutert Geschäftsführer Martin Link. Auch er will schnellstmöglich das neu erworbene Areal für den eigenen Bedarf anpassen und dazu einen Teil der vorhandenen Hallen abreißen. Der aktuelle, „aber leider zu kleine“ Standort im Hafen soll mittelfristig aufgegeben werden. Die Mitarbeiterzahl soll von derzeit drei auf künftig zehn steigen.

Oberbürgermeister Mädge begrüßte die Entscheidungen der beiden Unternehmen für den Standort Lüneburg, die den wieder wachsenden Hafen-Umschlag von zuletzt 336 000 Tonnen im Jahr voraussichtlich um weitere rund 30 000 Tonnen steigern werden. Mit rund 1,3 Millionen Tonnen habe der Hafen aber noch ausreichend Luft nach oben, wie Hafenchef Lars Strehse erklärte.

Stockende A39-Planung behindert Hafenerweiterung

Umso bedauerlicher sei es daher, dass die Stadt die Nachfrage nach zusätzlichen Flächen im Hafengebiet nicht bedienen könne. „Das liegt aber nicht an uns, sondern an der A 39-Planung, die seit Jahren nicht von der Stelle kommt“, erläutert Mädge. Lange schon habe man Flächen südlich der B 216 im Blick, „so lange aber das Planfeststellungsverfahren für die Autobahn nicht abgeschlossen ist, können auch wir nicht planen und den Unternehmen auch nichts anbieten“.

Für zwischenzeitliche Erleichterung soll nun eine weitere Hafenzufahrt im Süden sorgen. Diese sei für Unternehmen ohne direkte Hafenanbindung gedacht und soll für Entflechtung mit den anderen Unternehmen sorgen, erläuterte Strehse.

Von Ulf Stüwe

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11 Kommentare

  1. aha, die a39 winkt mal wieder. wer der wirtschaft alles opfert, opfert sich zum schluß selbst. ob die wirtschaft die kosten für die strassen übernehmen wird? sie will doch keine maut zahlen, kann man hier doch lesen. unternehmen, die zusätzlich strassen haben wollen, sollten gemieden werden.

  2. die seuche des wachsenden anspruchdenkens kann man leicht bekämpfen. strikt das verursacherprinzip einführen.

    • Jahrtausendstark

      Das wird nicht funktionieren Herr Bruns. Dann kann Deutschland ja im internationalen Wettbewerb nicht mehr Schritt halten. Schliesslich haben wir schon sooo hohe Gehaltskosten in Deutschland … Grins… für ihren Vorschlag müssten ja wieder Arbeitsplätze weg rationalisiert werden, damit die Chefs sich noch den Porsche und die Ferienwohnung auf Ibiza leisten können. 😉

      • Jahrtausendstark
        opfer müssen wir doch alle mal bringen, oder? schmunzeln. warum nicht mit weniger straßen? mehr straßen, bedeuten mehr opfer. man muss ja mit dem opfern nicht gleich so übertreiben. bei den vielen straßen und staus gönne ich jedem seinen porsche.mehr straßen , mehr staus, mehr stehende porsche. schmunzeln.

        • Jahrtausendstark

          Naja Herr Bruns, fahren können damit ja eh die wenigsten 😉. Es geht denen ja nur ums zur Schau stellen, oder machen 10 Luxuswagen in der Garage Sinn? Eher nicht. Grins.

  3. „Stockende A39-Planung behindert Hafenerweiterung“ – ? Dazu fällt mir passenderweise ein Liedtext von Udo Jürgens ein („5 Minuten vor 12“, s. unten). Wäre weniger Wachstum angesichts der spürbaren Klimakrise und der rasant zunehmenden Umwelt- und Naturzerstörung um uns herum nicht vielleicht doch vernünftiger? Ich bin sehr enttäuscht, dass unsere Politiker das Autobahnprojekt nicht viel kritischer hinterfragen! Arbeitsplätze rechtfertigen nicht alles, schon gar nicht diedie Zerstörung unserer Lebensgrundlagen.
    „Und ich sah einen Wald,
    wo man jetzt einen Flugplatz baut.
    Ich sah‘ Regen wie Gift,
    wo er hinfiel, da starb das Laub.
    Und ich sah einen Zaun,
    wo es früher nur Freiheit gab.
    Ich sah‘ grauen Beton,
    wo vor kurzem die Wiese lag.“
    (…)
    Und ich sah auf die Uhr:
    5 Minuten vor 12″

  4. Und eure Rente zahlt wer? Ach ja, die, die einen Job haben….
    Kapitalismuskritik ist für die am einfachsten, die selber ihr Auskommen haben. Zumindest Herr Bruns ist Rentner.

    • Detlev Behrends
      und wer sagt, dass man heutzutage mit seiner rente ein auskommen hat? und wer sagt, dass wenn man durch die vereinsbrille schaut, es einem besser geht? mit abschlägen von 10, 8 % ist nicht gut auskommen, schon gar nicht ,wenn man mit 53 in frührente gehen musste. herr behrends, unterstellungen bringen bei mir nichts.

    • Hallo Herr Behrends, bitte schimpfen Sie doch nicht so auf die armen Rentner, die ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. 😉 Suchen Sie im Web lieber mal nach dem Satz „Der Mythos vom Segen des Wirtschaftswachstums“ und prüfen Sie die Argumente der Gegenseite (falls Sie als berufstätiger Leistungsträger unserer Gesellschaft Zeit dafür finden). Übrigens stehen wir, da sind sich die Experten ja einig, vor gewaltigen Herausforderungen, sowohl verkehrs- als auch arbeitsmarktpolitisch (stichwort Industrie 4.0 etc., da kommen wir mit der protestantischen Arbeitsethik aus dem letzten Jahrhundert auch nicht weiter. Und: Gibt es irgendwo eine Autobahn, die für mehr Mobiltät und weniger Staus gesorgt hätte? Es trifft doch wohl eher Gegenteil zu: mehr Autobahnen = mehr Verkehr, mehr Staus, mehr Feinstaub und C02. Und wenn es in nichta llzu ferner Zukünft kaum noch Bäume Bäume mehr gibt, dann können Herr Bockelmanns Nachfahren auch keine Gewerbesteuern mehr zahlen …

      • Liebste Bärbel,

        „Autobahnen = mehr Verkehr“ ist prinzipiell die korrekte Gleichung, die von JEDER empirischen Erhebung bestätigt wird (sofern diese nicht vom VDA, vom ADAC oder von der IHK stammt). Aber, wie Konstantin Wecker schon 1977 ahnte: „Genug ist nicht genug, … genug kann nie genügen.“

        Zwar hat das Landgericht Hannover eben gerade die Millionenklage des privatwirtschaftlichen Autobahnbetreibers A1 mobil* gegen den Bund abgewiesen. Aber die Betreibergesellschaft hatte die Bundesrepublik Deutschland – vertreten durch das Land Niedersachsen – auf Zahlung von 778 Millionen Euro verklagt, weil das VERKEHRSVOLUMEN auf der A1 GERINGER ausgefallen ist, als erwartet. (Siehe: https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/aus-aller-welt/1863022-millionenschwere-a1-klage-abgewiesen)

        * (Union und SPD hatten 2005 im Koalitionsvertrag vereinbart, die deutschen Autobahnen für private Investoren zu öffnen. Das Argument: Private Betreiber würden schneller und effizienter bauen. A1 mobil betreibt einen 65,5 Kilometer langen Abschnitt der A1 zwischen Hamburg und Bremen. Von 2008 bis 2012 wurde dieser Streckenteil sechsspurig ausgebaut. Trotzdem gehört er zu den stauanfälligsten in Europa. Das Unternehmen A1 mobil finanziert sich aus den Mauteinnahmen, von denen der Bund einen festgeschriebenen Anteil behält. Das vertraglich vereinbarte Vergütungsmodell mit dem Bund sah den Angaben zufolge EINEN KONTINUIERLICHEN ANSTIEG des Last- und Schwerlastverkehrs und damit der zu erwartenden Einnahmen vor.**)

        **(Und das in einem Land, dessen prekärpromovierte Althusmänner und Scheuers seit Jahren mit der di-modalen Parole „Güter auf Wasser und Schiene“ Reklame laufen. Hier könnten die ELBBRÜCKENSKEPTIKER mit vollem Recht die Nachtigall trapsen hören.)

    • Sein größten Anteil am Steueraufkommen stellt nicht die Lohn- sondern die Umsatzsteuer dar. Also zahlen analog die Bürger am meisten, deren Einkommen zum größten Teil in den Lebensunterhalt fließt. Und das sind die Geringverdiener.