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Enna und Henrike (Bank) wollen durch Spanien wandern. Samuel, Fiene und Milan (v.l.) verfolgen ebenso spannende Projekte. Foto: kre

Schüler lernen das Leben kennen

Marienau. „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Ob Seneca, der alte Römer, noch genauso lästern würde, wenn er das neueste Pilot-Vorhaben der Schule Marienau gekannt hätte, bleibt dahingestellt. Wahrscheinlich aber wäre auch er begeistert gewesen von dem Projekt für die 11. Klassen, das vor den Osterferien 2019 startet, die Jugendlichen dazu bringen soll, die Komfortzone Schule zu verlassen. Getreu der Devise „Du kannst mehr, als Du glaubst“, sollen sich die jungen Männer und Frauen den Herausforderungen des Lebens stellen und Verantwortung übernehmen.

Mit Neuem auseinandersetzen

„Wo und auf welche Art und Weise, das bleibt den Elftklässlern überlassen“, erklärt Lehrerin Kerstin Richter. „Die Schüler sollen sich mit Neuem auseinandersetzen“, fährt die Pädagogin fort – „sie sollen Herausforderungen meistern, die sich so im normalen Schulalltag nicht stellen.“

Und genau das haben zum Beispiel Enna (15) und Henrike (16) vor. Sie wollen drei Wochen Wandern gehen – Teile des Jakobsweges in Spanien laufen. Zu zweit, ohne Eltern, ohne Lehrer. „Nächtigen werden wir in Hostels, in Pilger-Herbergen oder auch in Klöstern“, haben sie sich überlegt.

Denn auch das gehört zum Teil des Projekts – die genaue Planung und Vorbereitung des Vorhabens: „Mit dem Fernreisebus fahren wir nach Paris, steigen dort um in den Bus nach Spanien, der uns zum Ausgangspunkt unserer Tour bringen wird“, berichten die beiden Elftklässlerinnen. Rund 20 Kilometer wollen die beiden bei der Pilgertour täglich schaffen – macht unter dem Strich 400 Kilometer.

Ihre Erfahrungen während des dreiwöchigen Trips werden die beiden in Fotos festhalten, von unterwegs posten oder in einem Blog verarbeiten. Dass die Füße auf der Tour leiden können, ist ihnen bewusst: „Zur Vorbereitung werden wir beide wohl noch mal Wandern müssen“, sagt Henrike schmunzelnd und fügt hinzu: „Aber wir schaffen das!“

Festival im Lüneburger Umland

Ein ganz anderes Projekt, aber nicht minder herausfordernd, wollen Fiene (16) und Samuel (17) angehen: Sie planen, ein Benefiz-Konzert zu organisieren. „So festivalmäßig“, beschreibt Samuel seine Vorstellungen. Nur die Träumerei von zwei Jugendlichen? Das wird sich zeigen – Richter und ihre Kollegen jedenfalls lassen die beiden gewähren. Das heißt, dass sich die beiden Elftklässler selbst um die Bands und die Künstler kümmern müssen, um das Festival-Gelände (möglichst im Umland von Lüneburg), um die Bühnentechnik, den Sicherheitsdienst, das Catering, die Werbung, die entsprechenden Versicherungen. Viel Arbeit für zwei Oberstufen-Schüler, die so etwas noch nie gemacht haben. Aber die ersten Gespräche stimmen die beiden hoffnungsfroh: „Dabei hatte ich Anfangs die Sorge, dass mich die Veranstalter nicht ernst nehmen würden“, sagt Fiene, die sich genauso zuversichtlich zeigt, wie Samuel: „Wir stehen zwar noch am Anfang, aber wir werden das schon hinbekommen.“

Über so viel Zuversicht kann sich auch Kerstin Richter nur freuen. Und wenn das mit dem Konzert doch nicht klappen sollte? „Auch dann haben die beiden ihre Erfahrungen gemacht, die sie so im normalen Schulalltag nicht gemacht hätten.“

Die weiteste Reise hat übrigens Milan (17) geplant. Der junge Mann will nach Mexiko-Stadt, um in Restaurants und Imbissen Rezepte typischer mexikanischer Gerichte zu sammeln. Der junge Mann will nach dem Abitur Koch werden – das ist sein Traum. Daran arbeitet er schon jetzt, unter anderem als Beikoch in Lüneburg. Doch jetzt den Köchen in Mexiko über die Schulter schauen zu dürfen, dass ist für Milan die Herausforderung schlechthin.

von Klaus Reschke