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Posener Altenheim
Das Posener Altenheim ist für sie zum Zuhause geworden. Lore Oppermann zog hier mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann vor sieben Jahren ein, Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffon vor knapp zwei Jahren. (Foto: t&w)

Eine „ganz nahe Menschlichkeit“

Lüneburg. Viele Jahre hat Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffon allein in seinem Haus gelebt. Doch nachdem er zweimal gestürzt war, reifte in dem heute 91-Jährigen die Überlegung, ob er nicht seine Lebenssituation verändern sollte. Ein Freund empfahl ihm das Posener Altenheim. Vor knapp zwei Jahren zog er dort ein. Für ihn ist dieses Zuhause ein Segen, „weil es hier junge Menschen gibt, die alte Menschen liebevoll versorgen“. Und auch Lore Oppermann hat sich für den Schritt in diese Einrichtung entschieden, die am Sonnabend, 8. September, ihr 60-jähriges Bestehen feiert.

Altenheim wirkt wie ein Hotel

Im großen Saal des Posener Altenheims, der durch eine Glasfront den Blick frei gibt auf die Terrasse des Innenhofs, ist ein Tisch nett eingedeckt. Kaffee und Gebäck stehen bereit. Lore Oppermann kommt dem Besucher lächelnd mit einem „Hallo, Sie sind von der LZ?“ in der Eingangshalle entgegen, die das Ambiente eines schicken Hotels hat. Am Tisch sitzt bereits Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffon, der – ganz alte Schule – mit herzlichen Worten begrüßt. Es ist eine Atmosphäre des Willkommenseins, in der die beiden Senioren über ihr Leben im Posener berichten.

Fast vier Jahrzehnte habe er in seinem Haus in Neetze gelebt, auch im Alter den Haushalt selbst gemacht. Als absehbar war, dass er Unterstützung brauchen könnte, hatte seine Tochter eine 24-Stunden-Hilfe vorgeschlagen. Doch mit der hätte er dann Haus und Leben teilen müssen, für den Senior keine Option. Nach dem Tipp des Freundes entschloss er sich, das Posener in Augenschein zu nehmen. „Die nette Dame des Hauses“, sagt er mit Blick auf Leiterin Sabine Andersen, „hat mich durchs Haus geführt. Da war dann eine Putzfrau, bei der sich Frau Andersen warmherzig nach deren kranken Kind erkundigt hat. Das hat mich tief bewegt.“

Froh über die kleine Kapelle im Gebäude

Ein erster Eindruck vom liebevollen Umgang in dem Haus, „das außerdem einen guten Ruf hat. Es gibt Einzelzimmer und eine kleine Kapelle.“ Für ihn als Christ wichtig. Zwei Jahre, bevor er umzog, habe er sich auf die Warteliste setzen lassen. Er regelte seine Angelegenheiten, und „ich habe wohl überlegt, was ich mitnehme“. Denn sein neues Zuhause ist mit 16 Quadratmetern, kleinem Flur und Nasszelle erheblich kleiner als das geräumige Haus in Neetze. Auch von einem Großteil seiner Bücher musste sich der ehemalige Hochschuldozent trennen.

Ein schwieriger Schritt? „Nein“, sagt von Prittwitz und Gaffon, und die blauen Augen strahlen noch ein bisschen mehr. „Was ich genieße, ist der freundliche, umsorgende Umgang der Mitarbeiter. Es vergeht kein Tag, an dem mich nicht jemand anspricht, ob es mir gut geht.“ Diese Zugewandtheit sei das Wesentliche, wenn man alt sei. Aber er schätzt auch die gute Versorgung, das vielfältige Essen, das der Koch auf den Tisch zaubert, und die Freizeitangebote. Und wenn es was zu bemängeln gibt, ist Lore Oppermann als Vorsitzende des Heimbeirates eine Ansprechpartnerin.

Die 82-Jährige hat mit ihrem Mann viele Jahre in der Nähe von Hannover gelebt. Als er an Demenz erkrankte, übernahm sie die Pflege. Eine große Herausforderung, die sie an ihre Grenzen brachte. Als Sohn und Schwiegertochter, die in Lüneburg leben, sahen, dass die Pflege für Lore Oppermann immer schwerer wurde, „haben sie sich Seniorenheime angeschaut, da­runter dieses Haus. Sie haben mich dann gefragt, was ich davon halte. Da war ich sehr angetan.“ Sie ließ sich und ihren Mann auf die Warteliste setzen. „Im Mai 2011 zog er ein, ich folgte im November, so dass ich zwischenzeitlich zu Hause alles ordnen konnte.“

„Zugewandtheit ist das Wesentliche“

Vom ersten Tag an habe ihnen alles gefallen: die Atmosphäre, der Umgang miteinander und die „ganz nahe Menschlichkeit, die sich auf die Bewohner überträgt“, sagt die 82-Jährige. Das Miteinander sei sehr angenehm, ob beim Essen oder dem Gesprächs- sowie Literaturkreis, bei Ausflügen, Filmnachmittagen oder anderen Angeboten. „Es ist mein Zuhause, wo ich mich wohl fühle, von persönlichen Sachen umgeben bin und wo mich meine Familie besucht.“

Für Verwandte oder Freunde gebe es zudem Gästezimmer, in denen sie übernachten können, und im Wintergarten können Bewohner mit ihrem Besuch speisen, erläutert von Prittwitz und Gaffon. „Und wir sagen das nicht nur, weil Frau Andersen hier mit am Tisch sitzt“, betonen die beiden.

Sabine Andersen freut sich über die Einschätzung der Senioren. Denn in der Öffentlichkeit kämen Senioreneinrichtungen manchmal schlecht weg. Dabei könne das Leben dort sehr angenehm sein, was aber unter anderem auch vom Selbstverständnis der Mitarbeiter abhänge. „Uns geht es darum, alten Menschen das Leben schön zu gestalten, Verständnis für Sorgen zu haben, Freuden zu teilen und sie gut gelaunt zu begleiten.“

130 Zimmer bietet das Posener, jeder der drei Wohnbereiche hat eine Hausgemeinschaft für Demenz-Erkrankte. 119 Mitarbeiter sind in der Pflege, Küche, Hauswirtschaft, Technik und Verwaltung im Einsatz. Der Altersdurchschnitt der Bewohner: 86 Jahre. „Aufgrund des Pflegestärkegesetzes, das auch für eine Verbesserung in der ambulanten Pflege sorgt, gehen viele Menschen später in die stationäre Versorgung“, sagt sie und berichtet schmunzelnd: „Ich hatte einen Aufnahme-Antrag von einer 100-Jährigen, die bat sich allerdings noch Zeit bis zum Einzug aus.“

Termin

Sabine Andersen, Leiterin des Posener Altenheims. Foto: t&w

Festakt zum 60. des Posener Altenheims

Mit dem Bau des Posener Altenheims wurde 1957 begonnen, im September 1958 zogen die ersten Bewohner ein. Es wurde nach dem ehemaligen Generalsuperintendenten der Provinz Posen D. Paul Blau (1910 – 1944) D-Paul-Blau-Haus genannt und ist seit 1964 Mitglied im Diakonischen Werk. Im Laufe der Jahrzehnte erfolgten An- und Umbauten. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens wird am 8. September kräftig gefeiert. Es gibt einen Festakt mit geladenen Gästen sowie eine Party für Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter.

Von Antje Schäfer

5 Kommentare

  1. wie ist er da rein gekommen? hat er sich da einkaufen müssen? na, wie teuer ist denn der spaß? ich werde da ganz nervös. warum? meine mutter wird 90 und wohnt in betreuten wohnen der diakonie. wer ein haus zu verkaufen hat, hat eben auch geld.

  2. „Zugewandtheit ist das Wesentliche“
    glatt gelogen, ohne geld gibt es dort keine zugewandheit. christlich geht anders.

    • Jahrtausendstark

      Ist das so? Die Katholische Kirche hat im Mittelalter mit Ablassbriefen ja schliesslich auch gut verdient ;).
      Alles eine Frage des jeweiligen Zeitgeistes und wo man am besten „Kohle“ scheffeln kann. Momentan geht’s halt wieder Richtung Großgrundbesitzer und Leibeigener. Grins. Aber keine Angst… bald pflegt uns die KI. Da kann dann an Personalkosten gespart werden. 😉

      • Jahrtausendstark
        sie dürfen eines dabei nie vergessen, die katholische kirche hat die hölle erfunden und sehr spät dabei entdeckt, dass die frau auch ein mensch ist. schmunzeln.