Mittwoch , 26. September 2018
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Dürre Rasen
Verbrannter Rasen ist derzeit in vielen Gärten und Parks zu finden. Die Gefahr ist groß, dass auf den braunen Flächen nur noch Unkraut wächst. (Foto: t&w)

„Da kommt nichts mehr“

Lüneburg. Wenn Sabine von Lengerke zurzeit gefragt wird, was mit den braunen Flächen im Garten zu tun ist, auf denen einmal Gras gewachsen war, dann stellt die Einzelhandelskauffrau als Erstes eine Gegenfrage: Wann denn die nächste Reise geplant sei? Denn wer nach dem heißen und trockenen Sommer seinen verdorrten Rasen retten will, sollte einige Wochen am Stück zu Hause sein. Sonst kann der Frust am Ende größer sein als die Freude.

Sabine von Lengerke leitet die Filiale des Kiebitzmarktes in Rettmer und berät beinahe täglich Gartenbesitzer in Sachen Rasenrettung. Zwar wächst zwischen den braunen Gräsern nach den Regenfällen der vergangenen Wochen auch wieder ein wenig Grün – doch das ist meist Unkraut. „Weil die Zeit ohne Niederschläge so lang war, sind selbst die Wurzeln abgestorben“, sagt die 49-Jährige. Darauf zu hoffen, dass sich der Rasen wie nach kürzeren Wärmeperioden von alleine erholt, ergebe wenig Sinn. „Unsere Rasenflächen sind für solche Wetterphasen nicht gemacht. Da kommt nichts mehr.“

Wer wissen möchte, bis zu welcher Tiefe der Boden trocken ist, könne einmal mit dem Spaten hineinstechen: „Man wird sich wundern“, sagt Sabine von Lengerke. „Selbst Lehmböden sind teilweise bis zu 80 Zentimeter ausgetrocknet.“

Unkraut ausstechen, vertikutieren, abharken

Die Fachfrau rät daher zu einem Neuanfang: Als Erstes das Unkraut ausstechen, danach vertikutieren und das Trockene von der Oberfläche abharken. Falls sich Löcher im Boden gebildet haben sollten, diese mit Erde auffüllen. Anschließend eine neue Rasensaat ausgeben und einen sogenannten Bodenaktivator beigeben. Er bringt wieder Leben in den Boden, dessen Regenwürmer und Mikroorganismen vermutlich zum allergrößten Teil abgestorben sind. Ihr Kollege Michael Rehwald vom Raiffeisen-Markt in Scharnebeck nennt einen zweiten Vorteil des Aktivators: „Er verbessert die Wasserspeicherfähigkeit.“

Als Saat empfehlen Experten eine Mischung verschiedener Gräser mit unterschiedlichen Keimzeiten, in Geschäften wird dies häufig als sogenannte Reparaturmischung verkauft. „Die unterschiedlichen Sorten sorgen dafür, dass eine gesunde Grasnarbe mit einem kräftigen Untergras entsteht“, erklärt die Filialleiterin des Kiebitzmarkes. Ließe man der Natur freien Lauf, würden lediglich die kräftigsten Gräser nachwachsen, aber eben kein Untergras. „Dann haben wir eine Kuhweide, aber keine schöne Rasenfläche.“

„Dann haben wir eine Kuhweide, aber keine schöne Rasenfläche.“ Sabine von Lengerke, Rasen-Fachfrau

Nach dem Aussäen wird der Boden angedrückt oder angewalzt, und nach diesem letzten Schritt kommt der wichtigste: wässern. „Das sagen wir allen, denn das vergessen viele“, macht Sabine von Lengerke klar. „Die Rasensaat braucht Feuchtigkeit zum Keimen.“ Und wenn das Wetter sonnig ist und trocken, es zwar ab und zu auch Niederschläge gibt, aber auch ein wenig Wind weht, ist der Boden nur wenige Stunden nach dem Regen schon wieder trocken. „Im Zweifel reicht es dann nicht, nur einmal am Tag zu beregnen.“

Was viele Gartenbesitzer laut der Kauffrau ebenfalls unterschätzen: Die Fläche feucht zu halten ist nach ihren Angaben über einen Zeitraum von sechs Wochen nötig: damit auch wirklich alle Sorten der Mischung keimen können.

Wer weiß, dass in zwei Wochen zum Beispiel eine Reise ansteht, solle auf die Aussaat lieber verzichten, sagt Sabine von Lengerke. „Sie wird dann nicht vernünftig keimen, daher raten wir in solchen Fällen lieber ab.“

Neusaat noch im September

Wer die nächsten Wochen allerdings zu Hause verbringt, dem empfiehlt die 49-Jährige die Neusaat noch im September. „Wir wissen nicht, wann die Nachtfröste beginnen, und Frost mag die Saat nicht.“ Wer die Arbeit auf das nächste Jahr verschiebt, verpasse die Chance, eine gesunde Basis für die nächste Gartensaison zu schaffen: „Dann wird Unkraut das stärkste Gewächs werden.“

Für diejenigen, deren Rasen gut gepflegt und vitalisiert war und die auf eine Neusaat verzichten können, hat Michael Rehwald vom Scharnebecker Raiffeisen-Markt noch einen Tipp parat: „Nicht jeden Tag ein wenig wässern, sondern ein- bis zweimal pro Woche die Menge von zehn Litern pro Quadratmeter auf die Fläche geben. Das ist wichtig für die Einwurzelung der Gräser. Der Rasen muss an die tieferen Schichten im Boden kommen, das war in diesem Sommer ein Problem.“

Die beiden Rasenexperten empfehlen außerdem, ab Mitte September einen speziellen Herbstdünger in den Boden einzubringen. Der sorgt, anders als ein Dünger im Frühjahr, für Stärke der Gräser anstelle von Länge. Beide Märkte bieten ihren Kunden außerdem an, Bodenproben zur Bestimmung des pH-Werts und des Nährstoffgehalts vorbeizubringen. Und am Sonnabend, 8. September, lädt der Kiebitzmarkt in Rettmer von 10 bis 16 Uhr zum Rasenberatungstag ein.

Nachgefragt

Nachsaat dauerhaft feucht halten

Fünf Fragen an Gisbert Steinhorst (48), der als geprüfter Greenkeeper beim Golfclub Bad Bevensen e.V. arbeitet.

Hand aufs Herz, Herr Steinhorst: Wie sieht ihr Rasen zu Hause gerade aus?

Gisbert Steinhorst : Fragen Sie besser nicht…

Und der Rasen auf dem Golfplatz?

Der ist zu 90 Prozent schön grün. Wir haben zum Glück eine gute Beregnungsanlage, die wir in diesem Jahr ausgiebig genutzt haben: fast 30 Prozent mehr als in anderen Jahren. Rasen braucht sehr viel Wasser. Bei 25 bis 30 Grad Außentemperatur verdunsten pro Quadratmeter fünf bis sechs Milliliter Wasser durch Evapotranspiration, die muss man wieder hinzufügen.

Greenkeeper Gisbert Steinhorst. (Foto: privat)

Wie viele Überstunden haben Sie gemacht?

Unsere Anlage funktioniert automatisch, insofern hält sich das in Grenzen. Wir bewässern ausschließlich nachts, weil dann weniger Wind weht und die Verdunstung geringer ist – und natürlich wegen des Spielbetriebs. Dass Rasen verbrennt, wenn man ihn tagsüber wässert, ist allerdings ein Ammenmärchen.

Wie sehen denn die restlichen zehn Prozent aus?

Genauso braun wie überall sonst auch. Zwischen Abschlag und Beginn des Fairways haben wir keine Beregnung, da sind unsere Gräser genauso vertrocknet wie anderswo. Da diese Fläche für das Spiel aber weniger entscheidend ist, warten wir dort erst einmal ab und überlassen den Rasen sich selbst. Wenn allerdings schon brauner Boden zu sehen sein sollte, ist eine Nachsaat zwingend erforderlich. Ansonsten macht sich das Poa annua Gras breit, ein einjähriges Unkrautgras, das wir nicht haben wollen.

Was empfehlen Sie Gartenbesitzern nach diesem heißen, trockenen Sommer?

Erstens sollte man die trockenen und ausgedünnten Stellen kräftig wässern, anschließend diese Bereiche mit einer Harke aufrauhen, zweitens mit Regenerationssaatgut aus dem Fachhandel nachsäen, drittens die nachgesäten Bereiche dauerhaft feucht halten, bis das Saatgut keimt, zirka acht bis zehn Tage, viertens Langzeitdünger auf die Rasenfläche bringen und fünftens bei einer Wuchshöhe von zirka fünf Zentimetern das erste Mal mähen.

Aufgepasst

Rasenschnitt & Vogelalarm

Ein zu tiefer Schnitt mit dem Rasenmäher tut dem Grün nicht gut, denn auch so können trockene Rasenflächen zurückbleiben. Die Klingenhöhe kann reguliert werden. Sinnvoll ist es, im Sommer den Rasen bis etwa 7,5 Zentimeter stehen zu lassen, im Frühjahr und Herbst sind sechs Zentimeter ratsam. Übrigens: Wenn viele Vögel auf den trockenen Flächen picken, kann das ein Zeichen dafür sein, dass sich Larven im Boden über die Graswurzeln hermachen.

Von Carolin George

2 Kommentare

  1. Guter Beitrag. Das war schlimm dieses Jahr!

  2. Und was machen wenn viele Larven im boden sind