Dienstag , 25. September 2018
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Amsel-Virus
Eine junge Amsel. (Foto: Wege)

Amsel-Virus erreicht Lüneburg

Lüneburg. Nachdem in den letzten Wochen das Amselsterben vor allem in Hamburgs Süden für Schlagzeilen sorgte, berichten Anwohner Lüneburgs nun auch von Funden, die zu dem Krankheitsbild passen. Vom Usutu-Virus befallene Vögel erkennt man daran, dass sie apathisch wirken und nicht mehr flüchten, äußerlich jedoch unversehrt sind. Sie sterben meist innerhalb weniger Tage an Organversagen. Die Krankheit lässt sich bislang noch nicht behandeln, weil die Wissenschaft zu wenig darüber weiß.

Laut Frank Allmer vom Naturschutzbund Lüneburg ist der Auslöser für die Verbreitung des ursprünglich exotischen Virus vermutlich der warme Sommer. Der Usutu-Erreger wird von heimischen Mücken übertragen. Das Virus wandert in die Eier der Mücken, sodass bereits die schlüpfenden Larven infiziert sind. Auch Menschen können sich durch Mückenstiche mit dem Virus infizieren. Allerdings: „Wie bei den meisten durch Stechmücken übertragenen Viren kommt es nur sehr selten zu schweren Erkrankungen“, so Dr. Renke Lühken, Arbovirologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Bestätigte Fälle auch aus Winsen und Stelle

Er hält es für sehr wahrscheinlich, dass das Usutu-Virus inzwischen auch im Landkreis Lüneburg grassiert. „Alles andere würde mich wundern“, so Lühken. „Die Verbreitung ist ganz ausgeprägt in Harburg, wir haben inzwischen auch bestätigte Fälle aus Winsen und Stelle.“ Um die tatsächliche Ausbreitung des Virus dokumentieren zu können, sei es wichtig, möglichst viele Verdachtsfälle im Labor bestätigen zu können. „Besonders viele Einsendungen bekommen wir natürlich aus den Ballungsgebieten wie Bremen und Hamburg, weil da viele Menschen leben. Umso wichtiger ist es für uns, dass sich auch Leute aus den ländlichen Gebieten bei Funden melden, sonst entstehen für uns leicht blinde Flecken.“

Er bittet dringend um die Zusendung verdächtiger Vogelkadaver, andernfalls kann auch Kontakt zum örtlichen Fachdienst Veterinärwesen oder dem Nabu Lüneburg aufgenommen werden. Tote Vögel sollen nur mit Schutzhandschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte gegriffen werden. ls

9 Kommentare

  1. sie dürfte in reppenstedt auch schon angekommen sein. ich fütter wildvögel das ganze jahr und habe ein verändertes verhalten der amseln beobachtet. nicht nur, dass sie immer weniger wurden, sie hüpfen nur noch schnell beiseite wenn man auf sie zugeht. im moment sind bei mir im garten alle amseln verschwunden. seit jahrzehnten gab es so was in meinem garten nicht. amseln konnte ich immer beobachten.

    • Jahrtausendstark

      Ja, im Roten Feld auch. Hier saß neulich auch eine Amsel im Hinterhof die sich apathisch Stunden nicht von der Stelle gerührt hat. Man hätte sie anfassen können. Irgendwann lief sie dann davon anstatt zu fliegen. Das liegt aber schon einige Wochen zurück.

  2. Andreas Janowitz

    Eine weitere „Nebenwirkung“ des Klimawandels.
    Ich bin gespannt wie man mit eingeschleppten Tropenkrankheiten umzugehen gedenkt? Die „Lösung“ gegen die afrikanische Schweinepest soll ja das abschiessen heimischer Wildschweine sein, was augenscheinlich vollkommen abwegig ist.

  3. Christiane Seltier

    Bitte nicht gleich über mich herfallen: Mir ist bewusst, dass es immer einen Disput zwischen Vogelfreunden und Katzenhaltern geben wird. Trotzdem meine Frage: ist es für Katzen gefährlich, wenn sie einen infizierten Vogel fressen? Eine apathische Amsel ist ja selbst für den dümmsten Jäger (wie meine alte Katze) eine leichte Beute…

    • Antwort
      von ichausstuggi
      vor 7 Jahren

      „Das Usutu-Virus stammt aus Afrika, und ist dort ein alter Bekannter. Es wird von Stechmücken übertragen und löst bei Säugetieren und Menschen eine Infektion mit leichtem Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlag aus. Für Vögel ist es meist tödlich. Offenbar sind Amseln besonders anfällig.“

      Es könnte zwar sein, dass Katzen krank werden und vielleicht Fieber bekommen, aber an der Vogelgrippe ist wohl keine Katze gestorben!

      Ich glaub‘ nicht, dass unsere Vierbeiner daran sterben!

      • Nadine Buchmüller

        Hallo
        Mich würde interessieren wohin ein toter Vogel geschickt werden soll und wie man ihn verpacken soll.
        Ein totes Lebewesen verschickt man ja nicht allzu oft.
        LG
        Nadine Buchmüller

  4. Auch ich fanden in Adendorf eine „zutrauliche“…abgemagert Amsel ohne Fluchtreflex…haben sie über Nacht beherbergt und Futter Angeboten…ist aber im laufe des Morgens verstorben. ..desweiteren lagen im Kirchwals noch zwei tote Amseln.

  5. Wir hatten in LG Weststadt schon mehrfach apatische Amseln. Derzeit höre ich überhaupt keinen Vögelgezwitscher mehr und sehe hier keine Amseln mehr. Die Kirschen und Felsenbirnen wurden anders als sonst nicht angefasst.
    Ich hoffe, dass die Population sich erholt.